Wortkunst

Ich bin ja immer gaaaanz vorsichtig bei dem Wort Kunst, oder dem Wort Kultur. Das wird all zu oft inflationär benutzt. Wenn man dann doch selbst benannt wird, von einem Kulturbüro, dann will man sich nicht enteitlen und sich sträuben. :)) Ganz erstaunlich, was sich da in Hammelbach mit seinen 1300 Einwohnern tut. Leute schließen sich zusammen, um etwas zu bewegen. Kultur, gerne auch jenseits de Mainstreams, vor Ort zu initiieren, nicht als elitäres Programm, noch nicht einmal als Kontrast, sondern einfach mitten ‚rein. Nette Leute, entspannte Atmosphäre und sogar Speis & Trank sind relaxt anders. Und so las ich den Sigges und aus Geldpa in seiner gedruckten Inkarnation, es waren Menschen da zum zuhören und so manches Lob.

Das war ein schöner Nachmittag im Odenwald bei strahlender Sonne.
Und dann kam noch eine Musiktruppe, die sich „Damussso“ nennt. Alte Hasen, die sich neu formatierten und das erste mal in dieser Konstellation auftraten. Ich mochte die Musik auf Anhieb. Guit, Sax, Perc. Sorry, die Namen der Musiker hab ich vergessen. Die Truppe improvisiert, nicht immer vollkommen, sondern anhand von Standards, aber doch auch einfach so, ohne Jazz zu sein, sein zu wollen. Smooth das ganze. Schade, dass mein Bus so früh ging. Aber 3 lyrische Protokolle hab‘ ich doch ins neue Handy auf die Dropbox getippt. Textliche Improvisationen zu Improvisationen, sozusagen.

Improvisationen

kleines
Traumgezücht
von Tönen
vertrieben
versaxt
zertrommelt
versaitet
plektrumlos
die Entangstung
meiner kleinen kleinen
Welt

Große Träume
wachsen

Ach was Blätter
(zu Autumn Leaves)

weine herbsten
tränenlose
kein salz
verbacken
nur scharfer
Schweiß
aus Tönen

Ungesahnt

wellen ungetanzt
auf kirchtumskrücken
schlagen kronen
fässer singen
kleine zehen
steppen sonnen
strahlen schatten
nichts blitzt
selbst odin
donnert nicht
waldet grün

Lesungen

Am Sonntag, 30.9.2012 lese ich auf Einladung des Kulturbüros in Hammelbach. 13:15 – 13:45. Dort wird die öffentliche Bücherkiste eröffnet. Ich werde den „Sigges“ und aus „Ach Du, säuselt das Kapital / „Geldpa“ . Wer Lust hat mir in die Höhen des Odenwaldes zufolgen…

Am Samstag, 20.10.2012, Winzerzelt, 14:30, hat mich die Jury als einer von 10 Preisträgern zum 60. Pfälzischer Mundartdichterwettstreit
in Bockenheim an der Deutschen Weinstraße eingeladen. Zum zweiten Mal in Folge ist mir das noch nicht gelungen. Es wird ein eher untypisches Gedicht für Bockenheim sein. Vielleicht gelingt mir wieder einmal das Erreichen des Treppchens.

Wir alle leben downgeloadet in der Garage von Karl und twittern

Die Welt ist längst untergegangen. Mindestens. Sie tut es fünfmal täglich. Seit Bach starb, gab es keine Musik mehr, wussten sie das nicht? Und diese Schreiberlinge nach Thoams Mann? Gibt es Menschen, die in einer Welt leben möchten, in der Kafka frei verfügbar ist? Adenauer starb, keiner tat etwas dagegen, wie Hendrix, Willi, Loriot und Hermann Schmidt jun. Im Augenblick stirbt das Abendland durch das Internet, das wir nur mit fernöstlicher Magie durch die Smartphones und Rechner durchschauen. Kennen Sie eine bedeutende HardwareFabrik in Deutschland, na, na? Aber den Google, den kriegen wir. Wir in Deutschland, wir die Springers und Holtzbrinks, äh, wie heißt der Rest nochmal? Dabei geht die Welt gerade wieder unter. Ihr merkt das nicht? #warmduscher, ihr? Karl lädt Euch down, uns, die Welt, die Milchstrasse, die Galaxyen, die Universen, samt allen Parallelwelten. Er lädt uns down und lacht. Alles in die Garage gesperrt. Nur der Urheber zappelt noch im Netz der Kreuzspinne und zetert. Wir alle leben downgeloadet in der Garage von Karl und twittern. Das Abendland gibt es nicht mehr, das Internet ist Schuld und irgendwie ich auch. Und fünfmal täglich…. pflanze ich eine mp3 in teutschen Poden. Doch. Und ein ePub. Daraus wachsen, äh, dingens, die das Abendland dann. Im Morgenland wächst ein neues Eierfon, das dann das Abendland. Aber die Welt ist doch schon längst. Bring mir ein Bier mit ‚rauf. Ja, BITTE.

Besprochen: Unfug Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern



Ute Weber

Unfug

Tiefe Gedanken, auch in seichten Gewässern

Frohmann, Berlin 2012
Elektrobuch, 186 Seiten (sagt mein Reader) 3,99 €
Twitteratur

ePub kaufen z.B. hier

für den Kindle auf Amazon hier

Was man braucht, um eBooks auch ohne eReader auf PC/Mac oder Smartphone zu lesen steht hier im Blog

Ein Twitterbuch. Hhmm. Warum sollte ich ein Twitterbuch lesen? Ok, ich bin auch in dreien vertreten, sintemals als KurzdieLyrik. Aber das waren eher lyrische Anthologien. Es gibt dieses seltsame Projekt von Pons, in dem ein Sammelsurium von Tweets steht, mit denen die Herausgeber dann umherziehen und fremder Leute Tweets vorlesen, als Comedie getarnt. Nicht mein Ding.
Aber jetzt gibt Frohmann als Verlagserstling Ute Webers gesammelte Tweets heraus. Es war für mich gar keine Frage, dass man das lesen kann, sogar soll. Ich folge Ute Weber auf Twitter schon seit Jahren. (Wer Verlegerin und Autorin hören will, der komme zum BuchmessenTwittwoch) Einen Großteil dieser Tweets las ich bereits in meiner Timeline. Ute kann in 140 Zeichen einen ganzen Roman abbilden, kann, muss nicht, verfällt manchmal in eine fast lyrische Sprache, die Worte in einem Fluss, dass man meint, sie wolle ein Haiku schreiben. Die Tweets literarisieren den Alltag, die Timeline, das allgemeine Twitter & online-Geschehen. Sie funkeln Humor und vor allem einen hellen Verstand, kokettieren mit den eigenen Jahren, dem Nerd-doch-nicht-sein, treffen im Extremen genau den Punkt. Kann man nachlesen. http://twitter.com/uteweber. Zu was zitieren, wenn man linken kann.
Aber ich will ja ein Buch rezensieren und keine Timeline.
Also zum Rezensionsexmplar. Freudig auf den Reader gepackt, geladen und wütend geworden. Erst ein paar Empfehlungen von Tweeties, dann drei Vorworte von bedeutenden Twitterern und ich dachte sofort an Utes Tweet: „Elite ist eine Marke von Penny….“ Irgendwie hatten wir das in der Timeline ausbaldowert. Es dauerte Minuten, bis ich den ersten Tweet lesen konnte. Natürlich interessiert mich, was Happy Schnitzel, Frau Ziefle, Anke Fitz oder Peter Breuer zu sagen weiß, aber das kann an den Schluss, eigentlich. Und die Erklärung, was Twitter ist, nun ja. Die Tweets sprechen für sich, bedürfen keiner Erläuterung. (Und es kam, wie es kommen musste. Die ersten Shops sind mit der Vorschau online und dort kann man alles lesen, nur nicht Ute Weber, schade.)
Endlich die Tweets. Ah der, gleich mal notieren. Guck mal der da und ach so ja. Ein Glucksen und jetzt bin ich auf Seite 15 und habe schon 20 Stück zum zitieren angemerkt. Das geht ja gar nicht. Also las ich weiter, mal da, mal dort, zuletzt am Samstag Morgen am Rhein, auf einer Bank in Ludwigshafen. Das ist nichts zum atemlos durchlesen, ins Gehirn fressen. Diese Tweets brauchen Luft, Zeit, um im Kopf entpackt zu werden und das Kino dort anzuwerfen und den eigenen Senf zu retweeten, weiterzudenken, zu sinnieren, zu lachen, grinsen, zumeist aber nur zu lächeln. Immer nur ein Paar auf einmal. Als ob es ein Brunch wäre (und auch das Wort Brunch hat Ute im Buch gedisst, wir saßen schon früher ewig in der Küche…. 😉 ), ein immerwährender Brunch, an dem man sich Häppchen für Häppchen nehmen kann, immer wieder. Es ist ein eBook, das ist ein richtiges Buch, doch. Aber man kann damit seine Lieblingsstellen suchen lassen. Ein eBook ist die wahre und angemessenste Form des TweetBooks. Es ist der Backup einer Lieblings-Timeline, genau, sollte jeder auf der SD-Karte haben. Nach dem drölfsten Tweet im Buch fehlte mir auch nicht mehr das Avatarbildchen. Die Tweets sind schön geordnet in kategorische Kapitel, die ein wenig nach dem rheinische Hausfreund klingen, aber das ist vielleicht für die Nicht-Tweeties hilfreich, schließlich ist dies ein deutsches Tweetbuch, nicht wahr. Dabei entziehen sich Utes Tweets jeder Schublade, aber so grob… Den Tweets schadet es nicht, sie wirken, wie gesagt, jeder für sich.
Und dann, und dann, beim Suchen und untersuchen des Inhaltsverzeichnisses entdeckte ich die Goldgrube: Die Originaltweets. Einfach alle Tweets noch einmal, ohne Tippfehlerkorrektur und in der zeitlichen Reihenfolge. Also: Die Timeline. Ich las nicht mehr katalogisiert weiter, ich hatte die Timeline gefunden. Und las und las und las, nein, ich wollte das nicht wissenschaftlich und so, just for fun.

Dieses Buch ist ein interessantes Experiment. Der Versuch Twitteratur in den Markt zu bringen, hoffentlich auch für Nicht-Twitterer, denen ich dieses Buch wärmstens empfehlen kann, als Beispiel, was Twitter sein kann, jenseits des Hype und der Shitstorms, ein Vehikel komprimierter Literatur nämlich, von einer der besten Tweeties in Deutschland. Nicht-Tweetie lernt dabei, dass man dazu nicht unbedingt auf Podien Vorträge und BarCampismus ertragen muss. :))
Für Twitterer ein absolutes Muss, dieses Buch. Und wer Ute noch nicht folgt: @UteWeber #ff.

Betriebsversammlung #iLike #nicht

Umstrukturieren. Neuaufstellen. Personalanpassung. Ich hasse diese Wörter. Neue Herausforderung. Lügenwörter. Umschreibungen des Scheiterns. Die Blicke, wen es wohl diesesmal treffen wird. Hast Du gehört. Und irgendwo stellen sie ein neues Telefon vor und die Welt kreischt, wie einst bei den Beatles. Die nächsten Kurzarbeiten sind angemeldet, im Bau dort drüben. Ganz Südeuropa hat kein Geld mehr neue Autos zu kaufen. Kurzarbeit. Zulieferer. Und irgendwo schreiben sie über Vernetzung und social media. Wir sind vernetzt, global. Wird dieses Telefon nicht in China gefertigt, warum schreien die Amis dann so in California, dort wo die Facebooks wachsen? Wenn der Sack in China umfällt, dann scheppern die Daxe und Downs tatsächlich und die Zinsen rollen down the river. And a ha und fuck ye, wir sind cool, so hipp around the world. Und wenn wir genug likes im Fatzebuch in die Marken kloppen, dann wird alles wieder gut. Die Litertur wird es schon richten, ach Amazon, was googlest du? Und wenn das letzte Band still steht und keiner mehr Geld hat Bücher zu kaufen, die DSL-Leitungen gekappt sind für die downloads, ob ihr in Euren Homeoffices merkt, dass etwas passiert ist? Ach, ihr habt eine Petition geolinet? Umstrukturierungen, betriebsbedingte und der Sozialplan. Und was meint ihr hippe Social Medians, ihr Naiv-Natives kommunizieren wir die Rausschmisse auch im Web 2.0? Die Abfindungen, die Zwangsverrentungen? #ilike? Zertwittert noch einmal. Wir machen ein Sozialplan-Barcamp und die nie Beschäftigten tanzen den Pogo. Die Filosofen werden es schon annewillen, zertratschen und das Internet ist wie immer Schuld und die Räuber. Zu viele Autos illegal heruntergeloadet oder downgeladen, oder wie sagt man das in Metallerkreisen? Brotupload, Salat is down, trie it later, mein Schatz. Die Solidarität schwimmt im Uterus des Universal Serial Bus, sie gebiert und gebiert uns zu Megabits. Umstrukturieren. Neuaufstellen. Personalanpassung. Alles wird gut, dein Text ist geliked. Und die 52, die dieses mal, außer uns beinahe Rentner gehen, sie werden geliked im Fatzebuch, alles halb so wild, we are social, we are the Web.