Die großen Worte

Demokratie, Dialog, Freiheit, Respekt, Würde, Verantwortung.
Diese großen Worte.
Ein Präsident von allen für Alle und die Linkspartei saß gestern nicht mit am Tisch.
Nein, ich mag die Linken nicht, sehe sie sehr kritisch als Nachfolgeorganisation der unsäglichen SED, aber sie saß nicht mit am Tisch.
Die Spaltung geht weiter und Claudia Roth und Cem Özedmir sitzen fröhlich mit in der Runde, stolz darauf in der Mitte angekommen zu sein, nicht am Katzentisch sitzen zu müssen und sprechen große Worte.
Sie sind endlich Teil der Politikerklasse, diesem Gemenge in Berlin aus Herrschenden und deren Hofberichterstattern, die sich als Einheit fühlen und diese Hunderschaften als Volk ansehen. Alle. Sie haben den Draht verloren nach unten und lobpreisen einen Mann als Bundespräsidenten, der keinerlei grüne Poltik vertritt.
Ein honoriger, kluger Mann, gewiss, ein Pfarrer, aber keiner der eine besondere Nähe zu grünen Positionen hat, wenigstens sind mir keine bekannt. Alles nur, um in der Mitte zu sein, dabei zu sein, bald auch wieder herrschen zu können.
Diese großen Worte die dem Menschen Gauk da untergejubelt werden, ihn fast zum Heiligen stilisieren. Worte, die sich wahrscheinlich in Sonntagsreden auflösen werden, die nur dieser Klasse etwas bedeuten und dort brav bejubelt und sich gegenseitig vorgegaukelt werden, große Worte ohne wirkliche, konkrete Bedeutung, die außerhalb dieser Klasse nicht wirklich zur Kenntnis genommen werden, vielleicht bei den Lesern der Zeit oder des Spiegel, vielleicht und genauso schnell wieder vergessen.
Die Mitte eben, die sich da einen Präsidenten erkürt, dessen Kandidatur vorher der Presse durchgestochen wurde, so nennt man das dorten wohl, wie ich jetzt las, damit diese oder jene doch zustimmen mussten und das wiederum zurückgestochen wurde, in Telefonkonferenzen und Küchenkabinetten, bestimmt mit kleinen Worten und dann für die Galerie die großen Worte, die keiner wirklich alleine füllen kann, mit Taten, ein Bundespräsident schon gar nicht. Kann sich einer an die berühmte Weizäcker-Rede erinnern? Was da genau gesagt wurde? Eben, klar könnt ihr googlen.
Die großen Worte der politischen Klasse für die Kulisse, aus der Mitte für die Mitte, mit dabei Claudia Roth und Cem Özdemir. Die Vorsitzenden von Bündnis 90 / Die Grünen, deren Mitglied ich wohl bald nicht mehr sein werde.
Die Mitte braucht mich nicht, ich gehöre nicht dazu, aber Claudia & Cem und dem Rest gönne ich es, doch.
Was Herrn Gauck betrifft: Wahrscheinlich werde ich seine Reden weder hören, noch lesen. Sie werden Mitte sein. Berlin halt, dort drüben irgendwo, wo die Rößlers und die Seehofers hausen, die Özemirs und Rohths, die Merkels und die Gaucks. Es hat sehr wenig mit mir zu tun.
Es war übrigens der Fastnacht-Sonntag, den die Kanzelerin mit ihren Getreuen wählte um der Galerie die großen Worte mitzuteilen, in den Rosenmontag hinein.

Doch, ich mag Narren. Und Narr ist für mich ein postives Wort. Doch. Ganz leise singt Rio Reiser „König von Deutschland“

update: Ein großartiger Gastbeitrag auf SpOn von Helmut Däuble „Wir brauchen keinen Großprediger!“ HA!

Präsidenterles, Würde würde noch ein Mal.

Aus gegebenem Anlass hochgezogen vom 17.6.2010..

Ich habe noch nie begriffen, zu was wir einen Bundespräsidenten brauchen. Er ist ein Unterschriftsleister, wenn man das Grundgesetz so durchliest, er ernennt, ach lassen wird das. So eine Art ungeadelter König-Kaiser, er darf auch begnadigen. Aber wozu das alles? Das könnte man auch anders gestalten. Ich weiß nicht, was Herrn Köhler umgetrieben hat, vorzeitig den Beddel hinzuwerfen, es ist mir auch reichlich egal, wie er mir die ganzen letzten Jahre herzlich egal war. Ich kenne ihn ja nicht. Weihnachts- Neujahrs- und sonstige Ansprachen sind auch alle Schall und Rauch und ohne Belang, da ein Präsident politisch ja nichts bewegen kann, er hat immer gut labern. Und damit meine ich auch diese berühmte Weizäcker-Rede. Schall und Rauch.
Und dann faseln sie alle von Würde des Amtes. Welche Würde und weswegen? Allergnädigste Majestät? Würde. Im Grundgesetz gibt es zu Recht die Menschenwürde, sonst aber keine. Irgendwie kommt mir dieser ganze Politzirkus aus Akteuren und den Hofberichterstattern (andere kann ich immer weniger in den Gazetten erkennen) völlig abgehoben vor. Eine Schreibe und ein Getöne für die Öffentlichkeit und was sich wirklich abspielt wird schön im Hintergrund gehalten, sonst ist ja die Demokratie in Gefahr, wenn wir alle wirklich etwas wüssten. Auch so eine Scharlatanerie, das mit der Gefahr für die Demokratie, eine Leerhülse, hingeworfen vor die Staatsfeinde, wer auch immer das ist, damit sie ausrutschen mögen, sowas in der Art. Und die Grünen mitten drin mit dabei, bei diesem dämlichen Spielchen, scheinbar in den Ämtern so abgehoben geworden, wie der Rest auch. Dosenpfand Trittin und Opferverbraucherin Künast heulen wohl innerlich immer noch ihren Ministerpfosten hinterher. Und in den Landtagen freut man sich auch einmal berlinisch mitzumischen.
Ihren Höhepunkt finden diese Feierlichkeiten an Hohlwörtern, Hülsen und aufgeschwemmten Majestätsbefindlichkeiten, wenn ein Mensch zum Bundespräsidenten verklärt werden soll. Da wird im Vorfeld getrickst und getrackts und gewürdet, schon immer, seit Adenauer, da werden die Spielchen der Macht und der hohen Koalitionsbeschreckung kokett in die Hofberichterstattung mit eingebunden, unbescholtene Bürgermeister und andere als Wahlvolk in den Bund versammelt und dann wird ein BP gewählt, der uns allen danach wieder zu Recht vollkommen egal ist. In aller Regel müssen wir uns überlegen, wer das denn gerade ist.
Würde nennt man sowas.
Man könnte schallend lachen, wenn man nicht weinen müsste. Die Ehrenurkunden für die Bundesjugendspiele konnten nicht ausgehändigt werden, weil der Bundespräsident nicht im Amt war. Könnte es ein besseren Anschauungsunterricht für die schülernde Sportjugend geben, welche Possen da in Berlin ausgetragen werden? Immer, scheinbar?

Sagte ich schon, dass mir persönlich herzlich egal ist, wer denn die nächsten Jahre die Ehrenurkunden unterschreiben darf? Doch, ich hatte auch welche, von Lübke und Heinemann unterschrieben. Jedes Jahr hatte ich sowas und lachte damals schon über die Unterschrift, schön aufgdruckt… Ehre, Würde, Urkunde…
Ob ich jetzt auch so ein Staatsfeind bin? Würdeloser?

Bedeutendes

Die Bedeutung simuliert
sich in den Ruinen der
Burgen rittert weiter
zu den Philosophen
die den Leib des Herrn
etcetera und das Abendland
in den Salons genau da
verteidigen jawoll Herr, äh
und dann küsstest Du
mich als ob und ich
suchte ein Bier

Eis bis’n Delta

Dort dort
hinten lauern
die Schmeissfliegen
und Schnaken und und
Eintags auf dem
Heimweg in das Delta
und nein ich friere
nicht so wie damals
im Sommer als Du
sag nicht
Schlittschuhe
hüben und drüben
dem Delta entgegen
und Händchen halten
ich ziehe doch deswegen
keine Handschuhe aus

ganz dahinten im Eis
wir fließen
ich neine ich
unter dem Eis
ach der Schnee war
geschoben

sag nicht Vanille zu
mir

Rolling

Draußen tobt wie immer
der Krieg der Bleche
drei Autobahnen
kreuzen Neue
röhren böffen blaffen
die Bücher aus dem
Internet oder für die
Buchhandlung um die
Ecke oder im Hauptbahnhof
samt der Butter auf den
Fischen von den Kartoffeln
reden wir nicht und den
gefrorenen Himbeeren
es stört auch nicht länger
den Schlaf nur der
Wind steht verkehrt herum
diese Nacht und ich höre es
wie die Bahn und das ICE

warte nur balde
rieseln Kondensstreifen
aus den Löchern der
Malle di Jorka