Feuchgemehlte Ausstechformen

Morgen spielen sie wieder Geister, verehren die Götter der Vorfahren, deren Namen sie längst vergessen haben. Der Tod wird allen Heiligen geopfert, die Seelen beschworen, die Fegefeuer brennen zur Nacht in die Novembernebel. Eigentlich sind doch alle fest in ihrer Religion verbunden, egal welcher und doch werden jährlich mit steigenden Dunkelstunden die Geister beschworen, die schon unsere Vorfahren, die Säbelzahnjäger in die Mammuthäute ritzten. Ist es nicht egal, ob es denn Heilige, Propheten oder was auch immer sind, die der Gebete heischen, damit die Angst schwindet, wenn die langen Nächte der Museen und der Nebelräumer drohen? Die Geister aus den Monitoren schnitzen uns Figuren, die kein Kürbis je darstellen kann. Blut aus Nichts rinnt ohne Schmerz über weißgetünchte Leere. Die Furcht schlägt Haken ohne Sand zu wirbeln. Die Furcht ist vermarktet, findet Niederschlag in den Kostümen, die Discounter standadisieren und wer sich nicht fürchtet, dem widmet sich dann echte Gewalt. Ich pflüge Vogelstimmen in die Staubarchive des letzten Sommers, ziehe Spinnennetze über mein Gemüt, tauche tiefgefrorenes Lachen in die ungeweinten Tränen aus pittoresker Kürbisschnitzerangst. Litaneien werden sie opfern auf den Gottesäckern, den Heiligen huldigen, die Seelen beweinen und der Tod sitzt mit mir am Wirtshaustisch, schimpft gotteslästerlich wie alle über seine Arbeitgeber und dass ihm seine Arbeit weiß Gott keinen Spass machen würde und dann lacht er über mein amüsiertes Gesicht und brüllt, nein Dich hol ich dieses Quartal noch nicht, vielleicht. Und dann fällt mir ein: Der Geist der Kürbistöter lebt in Deinen Suppen, die ich so liebe. Morgen singen die Ängste wieder Headbanger-Lieder aus den Hitparaden des letzten Jahrtausends. Die Basedrum peitscht Leben in die Nebel. Meine Elfen des nächsten Frühjahrs schminken ihre Einhorndosen für all den Sternenstaub, der sich sammeln wird im Tann, wenn die Jogger nicht mehr die Wälder segnen mit ihren Schritten. Mein Gelächter schwebt in den Nebeltropfen, die auf den Kuchenblechen der Weihnacht kondensieren werden und dann schreibe ich wieder Mandeln in feuchtgemehlte Ausstechformen. Der Tod lacht und murmelt sein tägliches Vielleicht.

Sag nicht immer Rilke zu mir

Der Sommer war nicht groß
bewahre, frag meine App
Wetter, Mann
und die armen Großkatzen
in Paris, im Zoo
was weiß ich ob
es Panther waren
oder Löwen
und in Paris war ich nie
never ever dieses Jahr
was sollte ich auch da?
Aber ich knackte heute
eine Walnuss, wurmlos
direkt unter diesem Baum.
Küssen, wie kommst Du
auf… ach da war das?

]

Zur Poetologie eines Tyrannenmordes oder wie kotzt es sich denn so

Zu Tode gebombt
in die Kanalisation
gelyncht zu youtube
geblutet wie sich das
wohl anfühlt für die
Mächtigen die sich
einst suhlten in seinem
Geld aus Öl geboren
und wir Macher der Dinge
wie alle die Revolutiönchen
die seine Kalaschnikows
küssten und mehr

und die Sun wie die
Bild die Kloaken
Europas siegten
wie immer auf
Seite Blut Eins
selbst die TAZ

wann wohl wieder
abgeschlagene Köpfe
auf Stadtmauerzinnen
über den Galgen baumeln

wie in den Games
und auf historischen
Fantasy Märkten

Nein ich wusste
keine bessere
Lösung
Nein
nei
ne
n

Regen auf dem Rad (8°+)

Wolkensamen in ultramarin wandeln über die Exkremente der Einhörner und Drachenprediger. Fahrradelfen kutschen unter den Zitterpalmen zu den Küssenschlachten zwischen die Quinten im Takt. Im Bonsai der Zwetschgentrolle prallen Pflaumen. Mein Ich pflügt das heimliche Meer der Katerstiller. Kleine Giganten tauschen Stühlchen, knutschen auf gebrauchten Karriereleitern. Entzwergt gellen Riesen in die Ewigkeiten der Kataloge der Necker, Ottos schnalzen Zungen. Hirne quetschen Kommoden. Hinterbrillchen schwanen zu Hals. Wolkensamen fallen. Heim.

Bock, Bock, Bockenheim

Wer mit der U-Bahn zur Frankfurter Buchmesse fährt und das sind sehr, sehr viele, weiß sofort, dass die Messe im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt, einmal im Jahr, der Nabel der literarischen Welt in Deutschland. Dass immer zur gleichen Zeit in Bockenheim/Pfalz, dort, wo das andere Tor zur Weinstraße steht (Teil der Verbandsgemeinde Grünstadt, im Kreis Bad Dürkheim / Weinstraße, dem Ort des größten Weinfestes der Welt) die Endausscheidung des Pfälzer Mundart-Dichterwettstreits ist, das wissen nur sehr, sehr wenige. In der gerade untergehenden Woche war ich dreimal in Bockenheim/Frankfurt (dank einer Eintrittskarte, gesponsert aus Ochsenfurt/Main, merciundkratzfussnochmal an @TurmbuchOch und einmal in Bockenheim an der Weinstraße, der Literatur wegen. Immer mit der Bahn. Einmal nord-süd, mit dem IC in die Metropole, das andere Mal mit der S-Bahn und Bimmel-Einspurbahn den Reben entlang durch die Metropolregion Rhein-Neckar ins Leininger Land, dort wo die Weingräfin regiert. In Frankfurt traf ich als wohl Ältester oder so einer Rasselbande aus Bloggern, Twitterern ein munteres Völkchen, in Grünstadt war ich unter die besten Zehn des Wettbewerbs gekommen und las im Festzelt des Winzerfestes vor zahlendem Publikum und der Jury. Und obwohl nur 100 km dazwischen liegen, scheinen Welten dazwischen zu liegen.

Natürlich hatten wir fast alle die Messe App geladen in Frankfurt, man fotografierte mit dem Handy und postete gleich via Twitter, Verleger, Autoren, Verlagsmitarbeiter, Berater, Tweeties, Blogger, Antiquare, Buchhändler (alles m/w ich habe keine Lust zu gendern jetzt) die Retweets schwankten und eigentlich wollte ich nach Bockenheim / Weinstraße den Schwung von Bockenheim / Frankfurt übertragen. Natürlich wusste ich, dass dort nichts, aber gar nichts Internet-affin ist, aber immerhin konnte ich dieses Mal die Gedichte via Web-Formular einreichen. Und ich wollte den Kollegen dort Twitter zeigen und vielleicht fragen, ob man nicht einen Twitter-Wettbewerb, nicht wahr und dazu hätte ich Twitter erklären müssen und ich konnte nicht.

Ich hatte kein Netz. Einfach kein 3G. Das Land. Unterversorgt, nicht mit Wein, nein, da gibt es quadratkilometerweise nur Reben, aber keine Funkmasten. Was nicht an den Leiningern liegt, oder doch?

Hinzu kam, dass der Gewinner des Wettwerbs die 80 weit überschritten hatte, der Publikumspreisträger 89 ist und über das Alter der Damen, die mitgewannen spekuliere ich nicht. Mit meinen fast 60 war ich auf jeden Fall einer der jüngsten Teilnehmer, sehr im Gegensatz zu Frankfurt. Es kommen bei diesem Wettbewerb keine Jungen mehr nach und mich trieb nachts die Wehmut um, die Wehwut. Unsere Gespräche dort drehten sich tatsächlich darum, dass der Dialekt stirbt. Epochen bald enden. Nein, ich habe kein Problem den Tod (hier des pfälzer Dialektes) nicht als Normalität hinzunehmen und ich gönne den alten Herrschaften die Preise von Herzen und Umberto Eco, der in Ffm las, ist ja auch in dem Alter, aber irgendwie hatte ich Mühe dieses 2 Welten der verschiedenen Bockenheims zusammen zubringen. Es rumorte im Hirn.

Heute bin ich dann nochmals zur Messe gefahren. Eigentlich wollte ich nur die Island-Gastland-Räumlichkeiten betrachten (die übrigens fantastisch waren) und in der Schirn die Installation von Gabríela Friðriksdóttir ansehen (die noch fantastischer war) aber da las ich auf Twitter (doch, es gibt Netz zwischen Weinheim und Frankfurt) dass Manuela Jungmann (ich kenne sie als @emju) in einem Podium als eBook-Autorin sitzt. Indie-Autorin nennt sich das, wenn man sich selbst auf Amazon & Co eVerlegt (so ganz verlagslos). Wir hatten uns ja schon Mittwochs und Freitags getroffen, gesprochen, gelacht, getwittert. Eine witzige Runde war das, kompetent, unterhaltsam. eBooks mit Blut an der richtigen Stelle, Musik im eBook. Und genau das hätte ich den Bockenheimern vorschlagen wollen, also eBook mit Audio-Teil und Twitter-Wettbewerb, weil das bei MundArt doch so entscheidend wäre, aber ich hatte ja kein Netz an der Weinstraße.

Genau da löste sich die Spannung im Hirn. Ein inneres Lachen. Die drei Autoren haben einfach eBooks gemacht! MACHEN. Und ein Online-Game-Programmierer hat ein Print-Buch geschrieben. Yepp! Habe ich nicht Print On Demand 2001 schon ausprobiert? Multimedia Flash-Online-Lesungen 2002? Digitale Literatur zu DTV und T-Online getragen? Was an der Spannung zwischen den Welten ist neu für mich?

Also werde ich weiter zwischen den Welten tanzen, MundArt schreiben und vom Blatt lesen, wie hier der Wettbewerbsbeitrag und lyrische Spontan-Intermezzi zu Twitter-Installationen im OpenSpace wie hier. Ich bin kein MundArt-Dichter, ich schreibe nur in verschieden Sprachen und deren Variationen und Varianten, ich weiß, liebe Germanisten das ist keine echte Diglossie. 😉

Ach so ja, der pfälzer Dialekt stirbt? Und warum füllt dann Bülent Ceylan grosse Hallen deutschlandweit mit den Texten des „Blassen Bertram“ aus Mörlenbach, tanzt Chako Habekost über die Kabaretts des Neckar-Deltas? Quatsch das alles. Die Jungen sind nur irgendwo ganz anders zu Gange und das ist gut so!

Bliebe noch den Web 2.0 und Social-Media-Piratern (ist das nicht ein hübsches Wort für die @Wortweide von @sinnundverstand ? ;-), gerade erfunden, fast so schön wie Kokolores) und mir zur Erinnerung mitzuteilen, dass der Wettbewerb in Bockenheim / Weinstraße diese oder die nächste Woche (es eilt ja nix) der Rheinpfalz ( einer Schwesterzeitung der Süddeutschen in Ludwigshafen) dem Wettbewerb in Bockenheim / Weinstraße eine Doppelseite widmen wird, wie jedes Jahr, siehe hier, als ich dritter war. Mit 6-Stelligen Verkaufszahlen…und den Gedichten komplett im Print, solche Zahlen muss man im Netz erst mal haben, diese Reichweite…

Und die Sachen mit den eBooks wird so gehen: Manche lesen gedruckte Bücher und manche auf dem eReader und die Weisen, wie @emju wissen: Wir lesen was wir unter die Griffel bekommen, eagl wie.

Und Zweitens: Ich habe mir vorgenommen, nach all den langen Jahren, die Züge aus Frankfurt nach Heidelberg immer zuerst in Langen halten, einml auszusteigen und zu gucken, was es da gibt. Ich war noch nie in Langen/Hessen außer an dessen Bahnhof.

Und drittens wie ich das gerade schreibe, lobt mich @fraukewatson, einem deutschen Nordlicht, auf der Isle of Man lebend, am Freitag in Bockenheim/Frankfurt weilend mein pfälzer Gedicht via Twitter.

Alles wird gut. 😉 Ich geh jetzt gucken, ob doch jemand der Weinstraßen-Bockenheimer twittert oder bloggt, ok, eine Homepage hat.

[update] Und da ist die Zeile, die ein Redakteur des Mannheimer Morgen in das gesamte Verbreitungsgebiet der Metropolregion hinaus schrieb. „Brauchtum: Landauer Gerd Runck siegt in Bockenheim“. Hei ihr Redakteure, haut ihr das Bülent Ceylan, dem Schwöbel oder Chako Habekost auch in die Rezension? Wir schreiben in unserer Mutter-Vatersprache, was zum Teufel daran ist Brauchtum? Ihr solltet ‚mal Euer Weltbild zurechtrücken. Aber was soll’s…….sie kapieren das mit dem Online ja auch nicht so recht…Aber sagen musste ich es. Brauchtum pfffff… In der Wormser Zeitung geht es doch auch….

Aber dieses Schild, wie ich es liebe..

Geruggld

Mein Beitrag zum 59. Pfälzer Mundart Dichter Wettbewerb in Bockenheim / Weinstraße Diesmal war ich nicht auf dem Treppchen wie 2007, aber allein der olympische Gedanke zählt)

Nunnageruggld vum Hondduch
gewälzt iwwa der Ronze
houchgschdemmd uhne ins
Gras zu beiße, awwa uff die Zeeh.
Ennuna geloffe on de See,
die Badehous houch gezohe
un uf des Brett druffgebossld.
Oalauf genumme und voll die
Arschbomb wie sellesmol.
Weggeguckt hewwe se
die Englwaiwa un gegiggld
Was issa wia poinlisch de Oba
wonna soinere Neie imboniad.
Nunnageruggld ufs Handduch,
de Ronze in Reih gewälzt,
des Glitzan in doine Aache
und des Gewieha vun doim Lache.
Waiwa, isch sachs eisch
wonns die ned geeb….

Ein Nachbetrachtung gibt es hier….

#murmurStudy ffm

Worte aus Büchern
gefallen zerfallen
zu Blei wüsten
in Twitterwalls
durch Drucker gequält
eines lächelt mir
Zuckerwatten aus
#hashtags auf
Drachenflügel
für die Elfenwüsten
des Eislands
Ein Tweet flieht
durch Monitore

Live von der Buchmesse in Frankfurt zu einer Installation von Christopher P. Baker im OpenSpace der Messe.

Alla hopp, Mehmet

Wonn de Mehmet
Alla donn sescht
un Alla Hopp kreischt
donn issa beim Schaffe
un äh Dödl missdm
koan Trojaner
in de Moscheecompuda
hetze
äh heddse doch net all
unsan Effendi, den Kümmel
sou zu vaschregge
Troja leigt doch
in de Türkei
direkt newa dem
Kaff wu soi
Schwiamudda wohnt

neu gepostet, weil es gerade passt

Schland Tag

Warum können wir den 3.Oktober nicht einfach als Schland-Tag feiern? Einfach so, ohne hehre Staatstheorie, keine Gelegenheit zu staatspolitischem Getöse, kein Gegrübele, was denn deutsch sei, wer deutsch sei und die Scham wegen der Etsch und dem Belt. Das mit der Einheit würdigen wir im November und das Jahr 1945 bleibt tief eingegraben im Gedächtnis. Aber einmal im Jahr könnten wir doch einfach mal uns selber feiern. Die Deutschen hier mit ebensolchem Pass, sowie die Hiesigen mit anderem oder gar keinem Pass. Uns selbst feiern, ohne jeden Grund, nur weil wir leben und verdammt gut leben sogar. Doch es ist schön in Deutschland, doch. Dieses unsere Land hat soviel Patriotismus und Nationalismus pervertiert in Kriege und Völkervernichtungen investiert und viel zu wenig auf den Straßen getanzt. Schland-mäßig, wir können das nämlich auch. Schland Tag. Ich wär‘ dabei. Einfach feiern und damit es die Agenturen auch verstehen: Let’s party Schland. Zusammen getrennt, jeder nach seiner Facon. Party Meilen auf Party Meilen. Kein Ministerpräsidenten Getöse, kein Bundespräsidenten Gestaate, kein Kanzelmehrheits Getöse, einfach feiern. Weil wir es können.
Schland Schland Schland. Schland Tag.

Aber ich sehe schon, das wird nix, soweit ist die Junge Union samt CDU noch nicht, die SPD sucht noch nach Arbeiterliedern, die Piraten müssten ihre Songs erst downloaden, die FDP gibt es nicht mehr,die Linke schlägt nach bei Rosa Luxenburg und die Grünen? Vielleicht könnte Omid uns was rappen? 😉