Gewitter spielen

Kirschen bläuen zwanzig Schatten
stöhnen lasten Früchte
fluchen Bienen die den
Frühling nutzten um zu zeugen
Schmetterlinge schnecken Raupen
Kühe grasen Pansen zu Heu
Äpfel nüssen Eichel
Jahre fressen Stunden
reißen Sekunden zu Fleisch
der Sommer liebt sich Winter
Weinnacht wird’s heißa
Ein leichter Wind hebt Röckchen
Schenkel zittern wimmern
Blitze zucken grölen
verdonnert lächelnd

Ich weiß nichts. Gesänge.

Ich weiß nichts. Bilder aus Oslo. Ich weiß nichts. Ich werde nicht wiederkäuen, was man mir vorsetzt. Hafiz, Heine und Bukowski, rettet mich. Mein Gott oder deren dreie, sie labern über die Religionen und deren Ismusse. Ich weiß nichts. Was hat das mit dem Massaker zu tun in Oslo? Und in Ostafrika verhindern Idioten mit Gewehren aus bester Produktion, hallo Herr Heckler-Kalaschnikow-Colt, grüß die Frau Granate, die Nahrung für Millionen Hungernde. Islamische Milizen, Hafiz? Wir lachen. Ach Heinrich, alles so schwer, was soll es bedeuten. War er er naiv der Lessing. Ringparabel, haha. Und immer noch.
Und in den Fäuletons braten sie die Handlangungen für Pamphlete und schwafeln religiös. Kommunisten waren gläubig, sind es. Und sonst?
Kriegen Atheisten auch? Ich weiß nichts. Kriegen Agnostiker? Ich weiß nichts. Ich glaube nicht an Religionen, noch nicht einmal, dass sie kriegen. Aber ich weiß ja nichts. Buk? Sixpack?

Worry, Angela Worry

Die Geheimnisse waren abkommandiert zum Straßenbau, sie rissen auf, steinten, gruben, leitungten, teerten zu. Alles war klar und einfach. Easy sangen sie. Easy. Sie nannten sich Worry, gestatten mein Name ist Worry, Angela Worry. Mit den Geheimnissen verschwanden die Zweifel. Alles hatte seine Ordnung. Derdie große Abgeordnete, alle 17 Jahre per Akklamation gewählt, wusste alles, konnte alles und lenkte die Massen. Alle waren von einander getrennt, streng. Nein, nicht rassistisch, nein, nein. Nur genetisch. Streng nach Religion und für die Religionslosen hatte derdie große Abgeordnete die Unreligion gegründet, deren hoher DealerIn ersie war. Keiner hetzte über den anderen, keine Kriege, keine Diskussionen. Alle blieben unter sich, geschlechtliche Vermischung war genetisch unterbunden, es gab keine Zweifel, keine Ausnahmen. Die Blauen hatten ihre Welt, die Grünen, selbst die rot-braunen. Eifersüchtige Götter waren gestutzt, gestreichelt waren durch Gebetsverweigerung weichgekocht, nein, keine Standbilder waren gestürzt, kein Kirche geschändet, keine Moschee, keine Synagoge, kein Tempel, kein Hain geschändet. Alles lief in Bahnen, wie es die Gründerväter der Welt einst verkündeten. Der Multi Kulti war besiegt, in die ewige Verdammnis gestreichelt, debattiert, instrumentalisiert, gebombt, geschossen.
Nur die Geheimnisse vergruben die Zweifel, die Hoffnung, das Prickeln, das Herzklopfen, die Unvernunft und das Risiko in die Erde, schütteten sie in die Kanalisation, damit der Ungehorsam wieder Freude lutschen würde und der Multi wieder Kult wäre, alles durcheinander, übereinander, nebeneinander, ineinander. Und die Worrys würden komplexe Chorsätze in 45 Rhytmen singen zu den Trommeln ihrer Gelächter und die Liebe ließe auch den Hass beben. Herzen werden pochten und meinen sie wären Schmetterlinge. Und wieder werden sie sich mischen, streiten und beten. Was auch immer. Vielleicht dann zusammen, vielleicht, mal in der Moschee,mal im gotischen Dom, vielleicht. Die Geheimnisse grinsen und graben, geteert, nicht gefedert, sehr wohl Frau Worry, Angela Worry.

Samba im Dorf, am Platz

Lyrisches Protokoll von Gedankenwinden bei einem fantastischen Konzert von Cocada auf dem Dorfplatz in Heddesheim

I

Geranien hängen
im Samba
tanzen Tujen
Garten zwergen
im Vor
Der Wind
weht Zeitung
blättert Noten
Das Nichts
über den Wolken
betet Takte
Bienen beamen
Sonnen aus
Wolkenstaub
Rhytmen implodieren
in meinem

II

Schwärme duren
über schwarze Tasten
ein Moll ertrinkt
in Stöcken
über dem Hi-Hat
Mikrofone fliegen
in Rieslingschorle
Nach richten
über Spiegel
singen Wind
Wolken tanzen
Firmament

III

Aussem Saxofon
kreischd in Grabb
will misch fonge
isch hogg misch
ufs Klavier
schdreischl moi Glatz
groin e Peggl Salz
Schbrisch globbe
De Summa schleefd uf Bistehalda

IV

Duag bleddad
kaud Brodwäschd
drowwe in de Schaia
wu die Baggschdee
Libbe schdifde
Sinne, sinne
keend ma mol wia
fa dem Parre
soi Beischd

V

Ersoffen in Sand
der Ipagema
am Baggersee
brüllt die Samba
über kurpfälzer
Tatzen blaut weiß
flattert Haargel
golden glühen
Kettchen
kleine

Samba im Dorf, am Platz

Lyrisches Protokoll von Gedankenwinden bei einem fantastischen Konzert von Cocada auf dem Dorfplatz in Heddesheim

I

Geranien hängen
im Samba
tanzen Tujen
Garten zwergen
im Vor
Der Wind
weht Zeitung
blättert Noten
Das Nichts
über den Wolken
betet Takte
Bienen beamen
Sonnen aus
Wolkenstaub
Rhytmen implodieren
in meinem

II

Schwärme duren
über schwarze Tasten
ein Moll ertrinkt
in Stöcken
über dem Hi-Hat
Mikrofone fliegen
in Rieslingschorle
Nach richten
über Spiegel
singen Wind
Wolken tanzen
Firmament

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Sommer graut

Es graut in der Mitte des Sommers, die Temperaturen des Frühlings lagen höher, es tropft seit Tagen von üppigen Blättern, das Korn dahin, blanke Furchen bräunen in die Äcker, der Blues springt aus allen Playern, Sting melancholiert aus mp3s. Seltsam wird mir dann immer. Sonnenentzug. Meine Marktplätze entleert, die Stellen im Wald so fern. Alles schwimmt im inneren Nebel des Egal. Milliarden wieder einmal, ja und? Der Stress wird getestet? Ach ja. Wie furchtbar. Nichts regt mich auf, nichts regt mich an und doch: Ich kann schreiben, schreiben, schreiben. Die täglichen Katastrophen berühren nicht mein Innerstes, ich schaffe neue, reite auf der Wehmut, lausche Klarinetten und Akkordeons, tanze Tango mit den Zehen auf dem Teppich. All die Figuren der Macht tanzen ihr seltsames Ballett vor den Kameras der Welt, ich sehe ihre Münder sich bewegen und höre nichts, schreibe ihnen Texte ins Maul, die nur ich hören kann. Was ist die Wirklichkeit? Was man mir zu sehen gibt, oder was ich sehe? Sommer lochen sich und heften ab, wie immer, bald platzt meine Hitze wieder zu freilebendem Schweiß, aber heute, heutzutage, jetzt, pflege ich,
Melancholie, streichle die Agonie zu seufzenden Anti-Spasmen und fühle mich wohl, tief in meinem Ich vergraben, sauge Leben aus den Tropfen, die mich regnen und träume vom Schlaf in Wolkenfeldern, dort hinten, im Immernass. Die Welt tropft perfekt, ich atme dünne Schleier, neble mich, bin ganz in mir. Chopin hüllt mich, Rilke liebt mich, Gedichte netzen mich, dort im Web, so dicht an dicht, zu mir. Es graut in der Mitte des Sommers.

Sommernacht 35

In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.