Tw…ain das, Mark

…erzählen MUSS, auch wenn es in der falschen Kehle enden sollte. Gestern war ich in einer dieser Buchhandlungen, wie sie eigentlich nur in Köln und New York vorkommen. Klein, muffig und seltsamst sortiert. Ich hoffte ein antiquarisches Werk von Mark Twain zu finden, dessen Titel ich nicht mehr genau wusste, es war seine Reisebeschreibung unter anderem von Heidelberg. Und wie soll ich es sagen: Statt des Westens empfing mich der Orient. Ein liebenswerter Alter wohl mittelasiatischer Herkunft, lenkte mich von den wohligen Proportionen der Verkäuferin ab und versuchte mir allen möglichen Plunder aufzuschwatzen. Ich hatte meinen guten Tag und hörte zu, obwohl ich noch allerhand zu twittern und mein eigenes Blog upzudaten hatte. Der Alte konnte noch nicht einmal deutsch lesen und sehr zu meinem Entzücken musste die Verkäuferin die Titel vorlesen, die der Alte mir empfahl. Wir durchforsteten den ganzen Laden, fanden vom Tigris bis zur Etsch, von der Wolga bis zur Weschnitz dutzende von Büchern, die Flussreisen beschrieben, leider keines vom Neckar, schon gar nicht von Mark Twain. Immer, wenn der Alte mit dem unausprechlichen Namen in seine Erinnerungen an heimatliche Flüsse abdriften wollte und die Verkäuferin verschwand, fragte ich nach neuen Flussbüchern, wollte in diese fernen Ecken mit der Verkäuferin, aber der Alte blieb beharrlich. Dann kam die Krönung: Ein orthodox gekleideter Jude mit diesen lustigen Locken und pausbäckiger Koscherlust betrat den Laden und sofort hetzte der Alte mich auf ihn, er sei irgendso ein Guru, ich solle ihm die Frage nach dem Buch stellen, er hätte auf alles eine Antwort. Die Verkäuferin blickte mich neugierig an, mehr als ich bisher an Blicken erhielt und ich fragte den lieben Menschen mit dem Hut. „Stammen sie aus der Gegend ?“, fragte er zurück. Verschämt gestand ich meine Herkunft ein. „Dann brauchen sie doch keine Reisebeschreibung, oder?“, wandte sich ab um in seine Thora zu stieren. Verblüfft brach ich in helles Gelächter aus, die Verkäuferin mit, nur der Alte blickte Ernst. „Sie beschämen mich, werter Kunde, suchen sie doch vergeblich nach einem dieser Bücher, die dem Menschen das Herz erwärmen“. Jetzt war es an mir ihn zu trösten, ich erzählte ihm, ich sei Dialektdichter und wolle einige Gedichte zu Twain verfassen, von Zyniker zu Zyniker sozusagen, auf dass ein gewisser Abglanz seines Ruhmes auf mich falle. Da strahlten die Augen des Alten. Sehr vernünftig fand er dies Unterfangen ( seinem Schwiegersohn fiele sowas nie ein ) und so poetisch, Tränen standen in seinen Augen, wie sehr zu meiner Verblüffung der Verkäuferin auch. „Kaffeemauswaldi“, flüsterte sie nur, “ Du?“ Konsterniert blickte ich in das Unverständnis des lieben Alten samt nun aufmerksamem Weisen. „Ich bin Zisternchen“, hauchte sie. Und wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Seit 3 Monaten schon twitterten, dichteten, alberten wir Da stand sie nun. Schnell arrangierte der Alte eine Lesung von mir in dieser Bücherei, und die Verkäuferin sollte, aber sie flüsterte mir nur zu googleBooks die url ….

Der schonungslose Herr Tom Liehr

analysiert.
(eine Antwort auf eine Serie im Literaturcafé von Tom Liehr mit dem Titel: Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung)

Aha. Der Großschriftsteller disst all die kleinen dummen Schreiberlein, die zu Hause etwas schreiben und träumen. Das geht ja gar nicht. Ich gehöre Gott sei Dank nicht zu der Gruppe von Leuten, die er meint. Ich schreibe weder auf Schreibmaschine, noch auf dem Laptop, auch nicht im Wohnzimmer. Wenn, dann am Schreibtisch und Desktoprechner, auf dem Smartphone oder mit Füller auf Papier. Aber natürlich weiß der Herr Liehr ansonsten alles.

„Er hat zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, darunter im »Playboy« und in der »c’t«, außerdem Prominentenportraits im österreichischen Magazin »DATUM „

(Zitat aus der Autorenvita im Literaturcafé)

Sehr gut. Playboy, c’t… Kennt sich aus der Mann.

Natürlich hat er Recht, dass man sich professionalisieren muss, wenn man vom Schreiben leben will (tut er das eigentlich?), wenn man reich und berühmt sein will, sich selbst hinterfragen, arbeiten, recherchieren, lesen.
Aber WILL das denn jeder, der schreibt? Kann es sein, dass es Leute gibt, denen eine Telefonzelle als Ort ihrer Lesung ausreicht? Kann es sein, dass Leute tatsächlich Schreiben als Therapie betreiben und froh damit sind? Ist das alles so negativ? Sich selbst zu verwirklichen? Was stört den Herrn Obergroßschriftsteller daran?

Wie gesagt, in der Sache hat Herr Liehr recht, das voll-professionelle Schriftsller werden und sein bedarf mehr, als das vorsich-hintippen und der Selbstüberschätzung. Aber gibt es keine Zwischenstufen heutzutage? Kein Platz für Halb-professionelle, gar für Amateure?

Was mich ärgert ist dieser herablassende Ton, diese Ignoranz des „Erfolgreichen“ gegenüber den armen Würmern da draußen an ihren Schreibmaschinen, diese dreiste Arroganz zwischen den Zeilen. Das klingt alles wie Angstbeißen gegen potentielle Konkurrenz. Das wäre genauso, als ob Herr Schweinsteiger all den jungen Amateueren, die Sonntag für Sonntag in der zweiten Mannschaft der Kreisklasse den Spaß am Fußballspielen nehmen wollte, nach dem Motto: „Du kommst noch nicht einmal in die Oberliga mit deinem Gekicke, vergleiche Dich ja nicht mit mir, höre auf zu träumen, am besten Du hörst auf und kaufst dir einen Fanschal und kommst zu unseren Heimspielen, auf jeden Fall beklotze mich im Pay-TV.“ So klingt das Herr Liehr.

Natürlich kenne ich auch die Möchte-Gern Großautoren, die in Foren nerven und die Haifisch-Verlage füttern, aber anstatt allen armen Menschlein das Schreiben zu vermiesen, die noch nicht das Glück hatten ihre Stories dem Playboy verkaufen zu können, Alternativen jenseits des Literaturbetriebes aufzuzeigen…. aber soweit denkt er wohl nicht, warum auch, er der Große……

Ob all diese Überheblichen vielleicht daran denken, dass genau die beschriebene Gruppe an „Möchtegerns“ die eigene Zielgruppe für die „Aufbau“-Romane ist? Sollte einem Profi eigentlich ‚mal in den Sinn kommen, oder wenigstens dem PR-Manager des Verlages. Wie klug ist es für die Eigen-PR in einem Internet-Forum Amateure zu dissen, wenn auch in einem bekannten wie dem Literatur-Café?

Ach so ja, hört nur nicht auf zu schreiben, zu träumen. Es ist Euer Leben. Denn auch er hat einmal in Foren angefangen, aber scheinbar ist das alles vergessen…

Gruß an den Neckar

Aus aktuellem Anlass ein Gedicht für Pakistan (man braucht uns dort)

Gruß an den Neckar.
Still ist der Berg und der Fluss und das Tal
Es scheint die Natur in Sinnen Versunken.
Die gefiederten Sänger verstummen zumal
Und der Wald an dem Hügel ruht schlummertrunken.
Die Karawane der Sterne zieht
Ohne Glöckchenklingen auf himmlischen Wegen
Still leuchtet der Mond. Die Bewegung entflieht,
Im Schosse der Nacht sich schlafen zu legen.
So stark ist der Stille Zaubermacht,
Dass der Neckar ruht, nicht weitertfliessend.
Nun sei auch Du stille, mein Herz, in der Nacht
und schlafe, das Leid in Dich verschliessend.

Mohammed Iqbal

Sir Muhammad Iqbal ist DER pakistanische Nationalphilosoph, Poet, islamischer Reformer und geistiger Vater Pakistans, der dieses Gedicht wohl 1907 in Heidelberg, während seiner Studiums geschrieben hat. Es ist auf diesem Stein eingemeißelt, der in Heidelberg am Iqbal-Ufer steht. Ich weiß sonst nichts von dem Gedicht, wahrscheinlich war es in persisch geschrieben, aber es rührt etwas in mir.