Dichte Quelle

Im Viernheimer Kunsthaus findet gerade eine Ausstellung des Kunstvereins Viernheim mit Bildern von Rolf Kuhlmann statt mit dem Titel „Dichter an der Quelle“. Das MUSSTE ich mir anschauen und ich war auf den dritten Blick begeistert. (Tut mir sorry Leute, aber im Augenblick sind Vernissagen nicht so mein Ding.) Gestern zwei mal dort gewesen schrieb ich heute freie Assoziation dazu. Nein, keine Beschreibung. Einfach die Gedanken laufen lassen, die Bilder im Hirn aufschreiben, wobei das mit nicht abstrakter Kunst schwieriger scheint zunächst, weil die Bilder abgeglichen werden müssen. Aber das sind herrliche Bilder von Rolf Kuhlmann. Echt. Total daneben eigentlich. Barock mit Flip-Flops und Handy. MUSS man gesehen haben. Kompliment an den Künstler und an den Kurator! Nach den Preisen für ein Bild mag ich nicht fragen, ich hab eh nicht das Geld dafür. Aber schreiben dazu kann ich, wenn es schon „Dichter an der Quelle“ heißt und ich im selben Hause schon einige Male las und schrieb. Direkt dort passiert, siehe das Bild da links. Es sind zwei Bilder mit diesem Titel in einem Raum und jede Menge anderer, die ich aber heute nicht besingen will. Nur: Warum nur wird so oft eine Künstler-Webpage verschwiegen? Auf dem Flyer: Nix. Auf der Kunsthaus-Seite: Nix. Auf der Seite der vertretenden Gallerie: Nix.
Oh Leni Riefenstahl vertreten die auch? Holla! Aber hier: Rolf Kuhlmann Des Dichters Quelle gibt es hier zu sehen und das kleine Bild mit dem schreibenden Dichter nur in Viernheim live zu sehen!. Ah doch, auf der Seite des Kunstvereins ist die Webpage verlinkt!

Und das floss aus meiner Feder an der dichten Quelle:

I

dichter an der Quelle
könnte man auch verdursten
in Wortfallen verhakt
und keiner küsst mich
sag jetzt nicht Muse
du musstest nicht
klauen die Wörter
ich schenke sie dir
dreh dich nicht um
fern rauscht die
Bahn
Rehe schaukeln
im Wald

II

dichter an der Quelle
das Rauschen der Flieger
über den Bäumen
zum Meer das Wasser
mein ich
am Strand dort
eine Muschel
die ich im Sand
hier gebar
dreh dich nicht um
Tannen vögeln im Farn

III

vier Knie
zwitschern
dichter um
Quellen
wie heißt Du
ach komm schon
die Musen reiten
auf Bäumen
ähre mich
näher und
die Worte kann
Mann nicht
stählen
nimm sie
und mich
Schöne
im Wald

Es weihnachtet sehr

Zur Erklärung, aus 2008 übernommen. Ein Klick auf die Bilder führt zu den Weihnachtsblogs!

Seit einigen Jahren beschäftigt mich Weihnachten besonders. Nicht Weihnachten als christliches Fest, das wäre zwar theologisch auch interessant, aber das interessiert MICH eher peripher, eigentlich gar nicht mehr.
Vielmehr treibt mich dieses Unbehagen um, das so viele Menschen, wie auch mich beschleicht, weil sie diesem eingeforderten Gefühlsüberschwang ablehnend gegenüberstehen aus allen Richtungen, auch und gerade aus der persönlichen Umgebung. Das unglaubliche Getrommel, das in unsere Gemütwelt hereinbricht, die Überforderung dieses eigentlich christlichen Festes, mit Wurzeln tief in unsere anarchische Vergangenheit. Fast könnte ich mich als Weihnachtshasser bezeichnen, was gar nicht stimmt, ich leide nur unter dem stereotypen „Gefeiere“, den Ansprüchen am mich, die ich nicht erfüllen will, und damit meine ich nicht Geschenke.
Eigentlich wollte ich auf Twitter eine 4. Serie der „Weihnachtsbetrachtungen“ kreieren und merkte, dass ich dieses Thema netz-literarisch für mich ausgeschöpft habe und für mehr 140 Zeichen nicht taugen.


Ich schrieb mir ja schon seit Jahren, wie auch 2006 in den Kurpfalznotizen, die psychische Belastung von der Seele, versuchte zynisch lächelnd, mich auf meine Weise auf Weihnachten einzustimmen. Jedes Jahr wenn es kälter wird nehme ich mir vor das alles in einem Buch zusammenzufassen und tue es nicht, nein auch 2009 nicht. Die Erkenntnis bleibt: Das wird NIE ein Buch. Das taugt nicht zwischen zwei Deckel gepresst zu werden. Das meiste ist im Netz entstanden und also gehört es auch wieder dort hin. Speziell die Worte des xmas und das Weblog des Weihnachtsmannes standen ja bereits 2003 in einem Blog bei myblog.de, der Rest in diversen Foren.
Ich schrieb 2006 auf den leider abgestellten kurpfalznotizen.de als DMC weiter, eine öffentliche Blog-Lesung fand auch statt. Damit nichts verloren geht sind die Beiträge hier eingestellt, wie auch die „ältere“ Sachen, im xmas Blog zusammengefasst, mit den Kategorien Weblog des Weihnachstmannes von Fegidia Süd Filiale Waldhof, -dem Weihnachsthasser-, mit den Worten des xmas und der Bibliothek des weihnerlichen Grauens. Ausserdem habe ich dieses Blog unter die Lizenz Creativ Common -Namensnennung-Keine kommerzielle -Keine Bearbeitung-2.0 Deutschland- gestellt. Das heißt: Die Texte dürfen aufgeführt, weitergegeben und vervielfältigt werden, sofern mein Name als Urheber angeben ist und die Lizenzart mit weitergegeben wird. Im Netz bitte ich um einen Link auf das Blog.

Wunder

Irre ich mich? Geschehen heute keine Wunder mehr ? Genau. Keine. Garkeine. Ich wundere mich immer wieder, dass heute keine Wunder mehr geschehen. Irgendwann muss das aufgehört haben. Früher gab es immer Wunder, liest man allenthalben. Warum heute nicht mehr? Es muss etwas wunderbares sein, ein Wunder erleben zu können. Wie erkennt man eigentlich Wunder? Gibt es da Spezifikationen, Kompatibiltätstest, Qualitätsmanagmentsyteme, Zertifikationen, Audits ? Es kann doch nicht ein jeder Kreti sagen: Das ist ein Wunder.
Es gibt klar doch: Wunderfälscher, Scharlatane, Dumme-Leute-Verarscher, was haben wir gelacht.
Davon sei nicht die Rede, sondern von ernsthaften Wundern. Mich wundert zum Beispiel immer wieder, dass ich morgens trotzallem immer wieder erwache, dass es tatsächlich irgendwann immer wieder Sommer wird. Ich bewundere den Weg dort hinten, kurz vor der Autobahn, mit seinem alljährlichen Erblühen der grün-weißen Brenesselverhauen, aber das ist auch nicht das Wunder. Das Wunder ist die Autobahn, dass sie noch keiner gesprengt hat, nur um das Geräusch los zu sein, endlich wieder die Frösche am Bach nebenan in aller Klarheit singen zu hören.
Es ist für mich ein Wunder, dass noch kein Niemand nicht die subalterne allfarbige Berufs-Politikerkaste aus Juristen, Lehrern und allesfarbigen Betriebswirten von den Fleischtöpfen der Diätenpolitik vertrieben hat und die Lobbys zu Sitzgruppen reinkarniert. Das wären Wunder, wer spricht von Spontanheilung, wer spricht davon, dass Beine nachwachsen, wer spricht davon, dass endlich der mir redlich erwünschte Lottogewinn auf mich silbert. Es wäre doch ein Wunder, wunderte ich mich nicht.

Ach wie so öde, dieses Twitterdings, eine Zeitung von der Brücken-Saar

In der Saarbrücker Zeitung stand ein reichlich dämlicher Artikel eines blasierten Redakteurs, der sich die Mühe machte persönlich zu twittern und heraus fand, dass ihm das alles nichts sagt. Ich las es in meiner Twitter-Timeline (so nennt man im engelländlichen Twitterland die Auflistung aller „Tweets“ meiner „Follower“ ) , folgte diesem Link , erregte mich nur leicht und kurzzeitig, um dann müde abzuwinken.
Noch so ein Typ halt, der sich wichtig machen will und das auch noch unspannend schreibt. Irgendetwas hatte dieser Artikel aber. Nein, keine Provokation, ach das hatten wir doch schon im Frühjahr mit einem Zeitredakteur, nein, es ist diese Art Artikel, die Machart.
Herr Manderscheid (im Netz nicht gerade als der investigativste aller Journallier zu finden) meldete sich also an, nach den Berichten über die Studentenunruhen im Iran und deren Kommunikation via Twitter und bekam seinen Account nicht zum laufen. Er saß in der Ecke und wartete darauf, dass man ihn fand. Das funktioniert so nicht. Im wahren Leben auch nicht. Wer immer nur einsam in der Ecke eines Cafes sitzt, wird auch nach 3 Monaten konstatieren, dass diese Stadt, das Land, sonstwerwas unkommunikativ sei, uninteressant, völlig überhypet. Er schrieb Mails an Bekannte sie sollen ihm folgen (also auch twittern und sich mit ihm dort unterhalten), er kam nie auf die Idee selbst zu suchen.
Die Millionen von Leuten dort zu beobachten, zu interagieren. Er schreibt wenigstens nichts davon. Statt dessen sucht er im Netz und findet seine Fakten, die ihn belegen. Hhm. Eigentlich nicht weiter schlimm, wäre es ein Blogeintrag eines Menschen, der gerade achselzuckend eine Netzerfahrung mehr abhakt. Wäre ihm gegönnt.
Nur ist das eben ein halbseitiger Artikel der führenden Zeitung eines Bundeslandes, in dessen Hauptstadt erscheinend, mit über 1500000 Abonnenten, zur Holtzbrink-Gruppe gehörend, die auch StudiVZ bertreibt, z.B. und es war ein Journalist, der das schrieb. Steht wenigstens da. Redaktionsmitglied. Und hallo, DAS ist die Art von Recherche, die man heute so betreibt? Die blasierte Anti-Neugierde eines Mittdreißigers (spekuliere ich einfach einmal) für die Peer-Group als neues mediales Leitbild?
Mein Gott, Twitter hat eine Suchfunktion und was hätte man da alles finden können. Eine sich regelmäßig treffende Twitter-Gruppe mit einem prominenten saarländischen Landtagsabgeordenten, der auch sonst munter mittwittert. Saarländische Industrielle, die mit Herzblut twittern und bloggen, ja auch zum diesem Thema. Mit einem Schlag all das Getwittere zum politischen Neuland „Jamaika“-Koalition. Doch, es wurde wie wild getwittert, als die Grünen abstimmten, die grüne Jugend Saar versorgte uns live mit Nachrichten.
Nur ein paar Twitter-Abfragen hätten den Herrn Redaktionsmitglied-Schreiber mitten hinein katapultiert in eine quicklebendige und hochinteressante saarländische Twitter-Umgebung, die sehr wahrscheinlich auch Kunde der Saarbrücker Zeitung ist. Kunde, nicht nur Leser. Aber, dass Leser Kunden einer Zeitung sind ist noch zu neu für die meisten Redaktionen. Kunden sind wohl eher immer noch die Werbeschalter, die gerade etwas unpässlich sind, die armen.

DAS macht mich so perplex an diesem Artikel. Die bewusste Nicht-Recherche, das gar nicht wissen wollen, einfach nur das vor sich hin auf dem Redakteurs-Stuhl schaukeln, ja nicht dem Volke aufs Maul schauen wollen. Und ja dann äußert sich der Twitter-Redakteur und spricht von Fakten. Genau diese Haltung lässt mich böses ahnen, für die Zukunft der Gazetten. Solche Artikel wollt ihr irgendwann online VERKAUFEN, DamensHerren Qualitäts-Print-Journalisten mit neuen Rechten gestärkt aus schwarz-gelbem Geblüt?
Nein, nicht wegen des Verriss. Das soll und darf mannfrau. Nein, die Art, dieses blasierte, aufgeblasene, naiv-arrogante Nicht-Recherieren wollen (doch können tut er bestimmt).

Man könnte sich tatsächlich auch um besseren „Content“ bemühen, wenn man denn demnächst auf „payed Content“ setzen will, bei den Gazetten. Und hoffentlich bleibt es dabei.
Aber meine Zweifel werden immer größer, siehe oben.