Rentner in U-Bahnen

Seit Wochen höre ich nichts mehr über verprügelte Rentner in U-Bahnen oder aggressiven jungen Männern und Kinderbanden, die ins Gefängnis müssen.

Aufwachen, Bildzeitung und anhängige Medien, wir müssen da am Ball bleiben, Flagge zeigen.
Hakt doch mal beim amtierenden hessischen Ministerpräsident nach, ob denn da nix anhängig ist. Es kann doch nicht sein, das urplötzlich nach der Wahl keine Rentner mehr verprügelt werden, oder sind das die Steuerflüchtlinge? Man hört auch aus Bayern nix mehr, ob die all ihr Geld der BayernLB in den Rachen geworfen haben, die Rentner, dass sie keine U-Bahn mehr fahren können?

Seltsam.

Ich weiß, keiner hat mehr Zeit für solche Dinge, seit wieder die Kommunisten gejagt werden müssen. Seufz. Es soll sogar wieder Trotzkisten geben. Respekt!

Ikuts-Interview

Dr. Silke Heimes, Autorin, Poesietherapeutin, Ärztin hat mich interviewt. Für den Newsletter ihres Ikuts-Instituts für Kreatives und Therapeutisches Schreiben in Mühltal/Nieder-Beerbach (dirket hinter Darmstadt im hessischen Odenwald gelegen, dort wo auch die Burg Frankenstein im Wald versteckt ist und die Brüder Grimm nach Märchen suchten und fanden, also einem hochliterarischen Ort ;-). In Absprache mit Silke veröffentliche hier das Interview auch. Den ganzen Newsletter (wie immer liebevoll gestaltet) findet sich auf der Homepage von Ikuts. Irgendwann muss ich doch einmal hin… :yes:

02 Interview Michael Bauer – Das Internet lebt
Heute reicht es nicht mehr, ein gutes Buch zu schreiben. Wichtiger denn je ist die Vermarktung, nicht nur des Buches, sondern zugleich des Autors. Immer wieder trifft man in diesem Zusammenhang auf die Ausdrücke Blog, Bloggen und Blogger. Michael Bauer, selbst Blogger und Spezialist rund um das Thema Blog, steht Rede und Antwort.

Michael Bauer, geb. 1952 in Viernheim, lebt und schreibt immer noch dort, in Standard-Deutsch und in seinem heimischen Idiom. Lyriker aus Passion neigt er dennoch crossover zu anderen Genres, dem Theater, der Musik und ist Webmaster des Webring Lyrik http://lyreley.de, weitere Informationen unter http://mikelbower.com

Blogs sind ein Stück Software – Jeder kann mitschreiben
Alleine in Deutschland gibt es geschätzte 300 000 Blogger

Redaktion: Im Herbst 2007 wanderten zahlreiche Blogger über die Frankfurter Buchmesse und gaben ihre Eindrücke wieder, einige davon im offiziellen Auftrag der Messegesellschaft. Wie wird man Blogger und was ist ein Blog?
M. Bauer: Zunächst sind Blogs nichts als ein Stück Software, das es den Autoren gestattet, ohne große technische Vorkenntnisse, ins Internet zu schreiben. Die großen Blogprovider stellen solche Zugänge meist kostenlos zu Verfügung, wie das österreichische Unternehmen Knallgrau mit twoday.net, das amerikanische wordpress.com oder blogger.com/de von google; auch Yahoo und MSN-Microsoft stellen Blogs zur Verfügung. Blogger wird man, indem man sich anmeldet, einrichtet, schreibt, liest und kommentiert – as easy as. Der Ausdruck stammt ursprünglich von Weblog, also einem Logbuch im Web. Die meisten Blogsysteme bieten so genannte RSS-Feeds an, standardisierte Extradateien, die man online oder offline mit entsprechender Software abfragen kann und über die man neue Artikel angezeigt bekommt, so dass man nicht jedes Blog einzeln ansurfen muss.

Redaktion: Der Brite Harper Collins (harpercollins.com) plant in Großbritannien, Autoren die Möglichkeit zu geben, ihre Manuskripte über das Internet den Lesern zu präsentieren und von diesen bewerten, empfehlen und diskutieren zu lassen. Gibt es in Deutschland ein vergleichbares Projekt und wie schätzen Sie es ein?
M. Bauer: Amazone macht das doch schon lange, auch in Deutschland. Ich kenne die Szene im UK nicht ganz so gut, aber mir scheint, hier versucht jemand Amazone Konkurrenz zu machen. Wahrscheinlich ohne nachhaltigen Erfolg. Ich halte sehr wenig davon, so wenig wie von den Rezensionen bei Amazone, die oft genug vom Autor selbst stammen oder von Gefälligkeitsjublern. Sie kennen niemanden, der mal eben eine Rezension über Ihr Buch bei Amazone postet? lol – laugh out loud!

Redaktion: Bei MeetTheAuthor können Autoren per Videobotschaft (Pitches) versuchen, ihre Manuskripte an Agenten und Verlage zu bringen. Für wie Erfolg versprechend halten Sie ein solches Projekt?
M. Bauer: Können Sie sich chronisch überlastete Verlagsangestellte und Verleger vorstellen, die nach neuen Autoren im Netz scouten und sich Videos ansehen? Ich nicht! Die lesen nicht einmal eingesandte Manuskripte. Außerdem ist die Technik für Videoproduktion teuer, wenn es nach etwas aussehen soll. Das scheint mir eine typische Web 2.0 Site zu sein: aal – andere arbeiten lassen. Wesentlich interessanter sind künstlerische Versuche, Video und Text zu verschmelzen, zum Beispiel Lyrik zu verfilmen, das Medium Internet für neue Genres zu nutzen. MeetTheAuthor scheint mir nach kurzem durchforsten ein ähnliches Projekt zu sein wie poetry.com oder der deutsche Klon dazu: Deutsche Nationale Bibliothek des deutschen Gedichtes: Abzocke pur!

Redaktion: Die Community der Blogger wird immer größer. Können Sie uns sagen, welche Aktionen sinnvoll sind und von welchen Sie abraten.
M. Bauer: Die Community der Blogger, auch Blogsphäre genannt, gibt es nicht, es gibt nur zahlreiche Sphären. Man schätzt 100000 – 300000 Blogger in Deutschland, noch mehr in Frankreich und den USA und weit über 30 Millionen in China. Die vorherrschenden Sprachen sind Mandarin, Spanisch und Russisch – erst dann folgt Englisch. Eine völlig neue Schreibkultur, die sich jeder Deutungshoheit und fäulletonistscher Gängelung widersetzt, sich jeden Tag neu erfindet und in immer neuen Blogs Auferstehung feiert, wenn andere geschlossen werden. Es ist schlecht zu beschreiben, man muss mitlesen. Unter ikutsinterview.mikelbower.de finden Sie eine Link-Liste mit Anlaufstellen für literarische Blogs. Einfach lesen, schreiben und kommentieren.

Redaktion: Unterhalten Sie selbst einen Blog und wie findet man diesen?
M. Bauer: Ich unterhalte und publiziere unter mikelbower.de, schreibe in dem Blog wortsetzung.de/weblog, bin Webmaster der Linkliste Webring Lyrik unter lyreley.de und der Schwesterseite Weblog Lyrik unter lyreley.de/weblog. Ein ganz neues Projekt ist die Dokumentation der Veranstaltungen der Autorenvereinigung Räuber 77 in Mannheim unter raeuber77.de/blog. In Summa erhalte ich etwa 700-800 Klicks täglich.

Redaktion: Ein anderer oft benutzter Begriff ist BoD. Was versteht man darunter?
M. Bauer: BoD – Book on Demand (auch BaB – Buch auf Bestellung – genannt) ist die Fortsetzung des Copy-Shops mit größeren Maschinen. Der Digital-Druck erlaubte auf einmal Kleinstauflagen von Büchern zu annehmbaren Preisen herstellen zu können. Zunächst als Methode Print on Demand eingesetzt, um Restauflagen von Handbüchern, Sachbüchern und wissenschaftlichen Texten auf Wunsch liefern zu können. In der Folge wurden Produktlinien für Privatpersonen hochgezogen, die es jedem ermöglichen, mit VLB, ISBN, Online-Shop und Eintrag bei Amazone im Print zu publizieren. BoD macht keinen Sinn für Leute, die damit Geld verdienen oder vom Schreiben leben wollen. Dazu braucht man Vertreter mit Buchkoffern, die Buchhandlungen beknien und dafür sorgen, dass die Großen der Branche ein Buch in ihr Sortiment nehmen. Großen Sinn macht BoD hingegen für Anthologien von Autorengruppen, da dem Herausgeber die Abwicklung des Buchversandes erspart bleibt. Zudem macht es Sinn für Nischenprodukte wie die Lyrik, die in aller Regel heutzutage nur noch in Zeitschriften verlegt wird. Ich zum Beispiel verschenke meine BoDs zumeist: Das macht Sinn. Es sind einfach gebundene Kopien meiner Werke, bestens geeignet als Mitbringsel für Tante Liesel, die keinen Computer hat. Außerdem erhält es die gute Laune, wenn eigene Werke im Bücherschrank stehen.

Redaktion: Was braucht es Ihrer Meinung nach heute für einen Autor, der sich gut und zeitgemäß vermarkten möchte?
M. Bauer: Leute, die das für ihn machen, damit er Zeit fürs Schreiben und Bloggen hat!

Die Redaktion bedankt sich bei dem Autor und Blogger Michael Bauer für das Interview.

Dazu habe ich meine alte Linkliste neu gestaltet, die Blogroll rechts ist ja html pur included.

Die findet man hier: mikels Links

Und wie gut Silke als Lektorin ist kann man erahnen, wenn man mein abgeliefertes Original (es ist ein Mail-Interview) liest das ich in den Tiefen des Blogs hier ins Weiter befördere.
(Vom Hundersten in Tausendstel gekommen, der mikel, muss mit allem protzen :oops:) Silke hat das kurz, knapp, korrekt und völlig ausreichend zurecht lektoriert. Chapeau!

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Bis weit nach Mitternacht

Auf «Hannovers Reeperbahn» liegen Clubs mit Feiergarantie bis weit nach Mitternacht. Das Nachleben ist nicht so trübe, wie es immer heißt.

Was es nicht alles gibt, bis weit nach Mitternacht. Die Netzeitung wird auch immer unlesbarer.
Bis weit nach Mitternacht, oder sach mal, sind die dorten immer noch so pietistisch ‚drauf? Mussten die Jungs aus Wolfsburg von daher nach Brasilien.

Bis weit nach Mitternacht, meine Damen, meine Herren, weit nach Mitternacht.

Der Hochliteraten Reading Room

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: (Zitat aus diesem FAZ-Artikel)

Der F.A.Z. Reading Room, ursprünglich entwickelt, um ein hochpolitisches literarisches Werk zur Diskussion zu stellen, wird auf Wunsch von Lesern, auch Studierenden, Lehrern und Schülern, fortgeführt, wozu wir umso mehr Grund haben, als der neue Fortsetzungsroman den Geist der Goethezeit aufruft.

Goethe im Reading-Room, Little und Walser als Vertreter des neuen Fortsetzungsromans. Hä?
Ich finde die Idee ja durchaus gut, Literatur interaktiv mit den Lesern zu teilen, nur, wissen die Redakteure was sie da schreiben und wie? Ich habe nicht den Eindruck, dass da sonderlich hohe Sprachkompetenz zu Tage tritt, an den Ufern des Mains.

Der Geist Goethes im „Reading-Room“ mit Walser, ich fass es nicht.

Nein, ich werde zu beiden Romanen keinen Kommentar abgegeben. Ich habe sie nicht gelesen und vorerst auch nicht die Absicht es zu tun. Das Thema schwuler Nazi-Sadsist und das (wahrscheinlich) verwalsert-übliche Alt-Männer-Geschwurbel über das Thema „Alter Mann – Junge Frau“ machen mich nicht an. Zur Zeit wenigstens. Ich lese gerade Robert Harris Ghost, na ja, ich lese es halt fertig. Und dann denke ich werde ich nochmals einen meiner absoluten Lieblinge lesen. Liebe in Zeiten der Cholera und dann ins Kino gehen, um mir wahrscheinlich bestätigen zu lassen, dass es so gut wie keine Literaturverfilmungen gibt, die sich lohnen angeschaut zu werden, aber die man trotzdem gesehen haben muss. :yes::yes:

Was brauch ich Reading Rooms von dieser Krawallnudel Schirrmacher.