Silvester

I

Segel für
die Motoryacht
bau ich Dir
aus Gedichtesaiten
an den Ufern des Styx
der silbern plätschert
Jahr für Jahr
was schert mich
wer drüben wächst

II

Im Goldland
grab ich Rüben
für den Zucker
den wir brauchen
nächstes Jahr

III

Einen Mond
für Deinen Planeten
spendiert die Sonne
wie jedes Jahr
die Raketen lagern
in Armagnac

IV

Kleine Klippen zum umschiffen
streunen wir in die
innere Mogelei
wo wir ballern und krachen
im Jahr des Hühnerei’s

V

Freunde fliegen
auf Freudenfeuer
diesem Grill entlang
panschen sich auf Wellen
witzefrei

VI

Rote Bullen
stelzen grelle Hühner
auf dem Eis das selbst
entsalzte Tränen schmilzt

VII

Die Hügel verkaufen
ihre grünen Kleider
rote Teppiche rollen
Das Heu des Südens
strahlt den Sternen
Strohmatratzen
in die Halme

Nicht alles ist ein Zauberspiel

Dianne Case
Nicht alles ist ein Zauberspiel
Roman
kalliope paperbacks Heidelberg 2006

Aus dem Englischen von Bettina Weiss

Titel der Originalausgabe: „Toasted Penis and cheese“. Ein schöner Titel, warum nur wurde er in der Übersetzung nicht gewählt? „Getoasteter Penis mit Käse“ ist doch viel erfrischender als das eher tröge: „Nicht alles ist ein Zauberspiel“, was zutiefst „pädagogisch“ klingt. Ist das deutsche Publikum zu prüde oder die literarische Welt? Formulierungen wie „ihm einen blowjob geben…ich berührte mich“ deuten auf vermutete Prüderie hin. Manchmal hätte ich doch gerne den Originaltext zum spicken gehabt. Dabei ist es ein hübsches Buch, flüssig geschrieben, gut lesbar.
Eine Frau verliert ihren Mann an eine Andere und findet sich dann doch selbst in ihrer Liebe zu einem HIV-positiven Millionär und der sexuellen Erfüllung in der Masturbation mit Gurken. Klingt vulgär, ist es aber nicht. Das Buch ist voller hinterhältiger Emotionen und lässt den Leser daran teilhaben. Der langsam quälende sexuelle Abschied vom Ex, mit Rückfällen, das Suchen nach Männern in der Umgebung, dem Schwager, dem Schulfreund der Tochter, alles unerfüllt. Nur eine „halbe“ Vergewaltigung nach einer Party.
Das ist keine große Literatur, aber gute Unterhaltung mit Tiefgang. Vor allem ist es ein frauliches Buch, das Mann viel über weibliche Sexualität lernen lässt, der Sexualität von Frauen um die Vierzig, die mit ihren Hormonen, der verletzten Psyche, ihrer Rolle als Frau und der Fähigkeit sich selbst zu lieben hadern, kämpfen sich arrangieren. Auf Dauer leicht nervend ist der literarische Trick „Gedankenfäden“ in Dialoge mit dem guten und dem schlechten inneren Engel aufzufangen.

Ein Buch, das man gerne liest, aber nicht gelesen haben muss.

Literaturfest das wievielte?

literaturfest.jpgEs ist jedesmal wieder ein erhebendes Gefühl im Abfallkalender des Mannheimer Stadtjubiläums zu wühlen. (Wir berichteten). Ich hatte gelesen, dass ein Literaturfest stattfinden soll und suchte und suchte und fand tatsächlich. Wenn man ganz links im Kalender den März aus der Monatsliste wählt und fleißig jeden Tag durchklickt, dann noch den Framebalken hinunterscrollt, wird man vom 3.-9.3. 2007 Einträge „lesen.hören“ finden. Ist man dann ganz geduldig und klickt diesen Hinweis auch noch an, wird man mit leichten Information belohnt, die sich dann zusammenreimen lassen. Es scheint also wirklich Literaturveranstaltungen zu geben. Willemsen hat die Schirmherrschaft, was auch immer das bedeuten mag. Kaminer tritt zweimal mit „anderen“ auf. Ich mag Kaminer. Prima. Genazino liest. Ich liebe Genazino, den Mannheimer Büchner Preisträger. Peter Härtling kommt. Ich achte Peter Härtling. Was die Literaturen-Löffler in Mannheim wohl machen wird? Der Stadt den Handke zum Schiller-Preis unterjubeln, nachdem sie in Düsseldorf beim Heine-Preis damit gescheitert ist? Scheint ja interessant zu werden. Aber dann les‘ ich genauer:

    1.Mannheimer Literaturfest.

E R S T E S?

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