Kunstverein Heddesheim

Kunstverein wo? Heddesheim. Warum nicht? Die Zeiten von dörflichen Strukturen in dieser unserer Metropolregion zu reden sind zumindest in der Ebene, im direkten Umfeld der Zentren schon lange vorbei. Mit dem Auto gedacht ist das längst eine große Stadt. Die Schlafstädtchen wie Viernheim oder nun Heddesheim beginnen sich auch kulturell zu regen, Klopfzeichen aus der Provinz zu senden. Also gibt es jetzt auch in Heddesheim einen Kunstverein, der sich in einer ersten Ausstellung mit Exponaten seiner Mitglieder vorstellt. Die Homepage wächst im Moment noch, aber es gibt sie seit kurzem mit Inhalt hier. Im alten Rathaus steht vor der Kunst die Arbeit, wie als Allegorie gedacht.

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Briefe aus Simbabwe


Kara Benson, Briefe aus Simbabwe. 12€. Tb., 140 Seiten, bebildert.
ISBN-13: 978-3-9810798-1-4/ ISBN-10: 3-9810798-1-7 Heidelberg, 2006
Kalliope Paperbacks

„…und meat pies für Tony kaufen“. Die Simbabwer schätzen dieses fad schmeckende, nicht identifizierbare Fleisch in fettigem Teigmantel. Hätten die Franzosen statt der Engländer ein Empire aufgebaut, wäre die Welt heute eine bessere, zumindest aus kulinarischer Sicht.“

„Ich kann mich nur wiederholen: Wir sollten alle unsere Sachen packen und gehen! Die NGO-Verwaltungen und Botschaften der jeweiligen Länder sollten sich zusammentun und sich für einen kollkektiven Abzug aus Simbabwe stark machen, um die Unterstützung eines korrupten und illegalen Systems zu unterbinden. Traumtänzerei! Das wird natürlich niemals geschehen.“

„Einige Jahre habe ich nun in Afrika gelebt. Das Land und seien Menschen sind mir ans Herz gewachsen, und von den vielen, wunderbaren Erinnerungen werde ich stets leben.“

Drei Zitate aus einem Buch von Kara Benson. Auf der Buchmesse bekam ich das Buch geschenkt,

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Komplott

Der Geist trinkt aus der Trockenheit
die sich in den Meeren sammelt
in denen das Gefühl ertrinkt
torkelt in das Hirn und schreit
das Glück von dreißig Stufen
zur blütenblanken Tat

Wir sinken zu den Sternen
rudern den Kosmos aus
dem Schwarz der schwarzen Löcher
Niemand weiß wie Liebe riecht
draußen jenseits der Häute

Ob wohl Liebe in den Fältchen haust

L’Afrique à venir


Mansour Ciss Kanakassy, DeBerlinisation

Kunst von afrikanischen Künstlern stellt das Kunsthaus Viernheim aus. Auch wenn die „innnere Augenbraue“ hoch zuckte, weil sofort der Gedanke aufkam: -Das sind doch Eliten, die mit dem geplagten Volk nichts zu tun haben-, ich finde die Wahrnehmung Afrikas über Kunst gut. Was sagte mir Mansour Ciss Kanakassy (der einzige anwesende der ausstellenden Künstler) später: „Was wisst ihr schon über uns: Nichts, gar nichts. Es gibt moderne afrikanische Kunst, Musik, Literatur und ihr bemerkt sie nicht, Afrika hat nicht nur Hunger, Aids und Korruption.“ Recht hat er. Nur, kennen wir unsere moderen Kunst? Es war hochinteressant gestern, die Ausstellungseröffnung. Souleymane Touré (Percussion), Stefan Charisius (Kora) und Mori Dioubaté (Gesang, Balafon, Gitarre, Gongoma) spielten traditionelle afrikanische klassische Musik, auch wenn sich das für unsere Ohren fast wie ethno-Jazz anhört. Ich habe gestern gelernt,

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Die Söhne Mannheims weinen (Jazz im Quadrat)

Die Söhne Mannheims weinen
es regnet wieder Musik
vom Himmel
Ach Wolfgang, ach Constance
was hättet ihr Spaß

So was wollte ich lange schon mal schreiben. Ich meine Musik ist Geschmacksache, aber die Wortbesetzung von Musik durch den Xavier-Clan geht mir schon lange auf die… Sorry. Ich meine das Kitschgesülze des Naidoo oder das ewige Genuschel eines Stahlhofen kann doch nicht alles sein, was Mannheim an Musik zu bieten hat und dann das ewige Herumgeschwänzel der hohen Herrn um die Popakademie, wo selbst die Kantine von Xaviers Mutter bekocht wird, na ja, lassen wir das. Ganz anders der Mannheimer Morgen: In seiner Reihe Jazz im Quadrat gibt er der Musikhochschule Mannheim / Jazz (muho.mannheim als Domain ist, gell, muho…) eine Chance, und die wird genutzt, und WIE! Es ist schwierig Jazzformationen im Netz zu finden, denn die Musiker sind nicht so sehr an eine Formation gebunden wie im Pop, verstehen ihre Ensembles als Projekt, sind meist in verschieden eingebunden. Hier findet man sie fast alle (off topic: Jungs, nehmt Eure Handy-Nr. da raus. Wenn ihr bekannter werdet, könnt ihr die Simcards nur noch wegwerfen vor lauter Spam und Stalking). Nur Daniel Prandel und Johannes Müller fand ich mit eignen HP’s und plasmabeatz.com ist äh irgendwas aus LA. Und nirgendwo ein Pröbchen als mp3 :((. Aber nichts desto trotz ging die Post ab auf den Kapuzinerplanken,

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Das Buch, Frankfurt und Schuldgefühle

Immer wenn ich Halle 3 der Frankfurter Buchmesse betrete und die Unmasse an Büchern sehe trifft mich sofort ein ungutes Gefühl. Schuld. Ein klein wenig beschleicht mich diese Schuld sogar schon wenn ich meine eher gemütliche Bibliothek betrete. So viele Bücher und so viele habe ich noch nicht gelesen und mein Leben würde nicht ausreichen auch nur einen Bruchteil davon wirklich zu lesen. Aber Bücher wollen doch gelesen werden. Ich beruhige mich dann immer, dass es doch noch mehr Menschen gäbe und es gibt bestimmt mehr Menschen als Bücher, oder? Es kommen einem Zweifel, denn es scheint, als ob jeder schreiben würde. Jeder. Ok, ich auch, wie man hier liest. Der erste Impuls sofort wieder heimzukehren wird unterdrückt, die Schuldgefühle bei den anderen abgelegt. (Wie sowas habt ihr nicht? Eine Stelle auf der Seele, wo die Schuldgefühle bequem geparkt werden können?) Aber dann erhebt sich die Seele und stürzt sich auf die wohlfeilen Bücher allenthalben, denn als Freizeitautor mit Brotberuf wähnt man sich ja frei von all den kommerziellen Hauptsachen des Literaturbetriebs, denn Bücher sind zunächst ja einfach Waren, die verkauft sein wollen. Man ist ja nicht Teil des Literaturbetriebes, kann ihn zynisch lächelnd bestaunen und sich amüsieren. Also das erste Buch bei den Kleinstverlagen aufschlagen, eine Anthologie, und wer prangt da? Heidrun-Auro Brenjo, Webring Lyrik Mitglied und Bloggerin auf dem Weblog Lyrik. Hüstel, auf meinen Seiten. Schnell weglegen. Aber ohne mein Zutun geht es weiter. Ich hab hier beschrieben, wen ich bekanntes in Buchform noch traf. Irgendwie hat sich das zu mir durchgearbeitet. Mein Schuldgefühl pocht. Ach was, dummes Zeug, tut doch gut, wenn man in der Ferne Bekannte trifft. Diese überbordende Masse an Gedanken, Fakten, Geschichten, Menschen und all deren Torheiten und Größe zwischen den Buchdeckeln in Frankfurt da und um sie herum beweist doch schließlich eins: Wir Menschen können mehr als uns mit Speeren, Schwertern, Kanonen und Atombomben bewerfen. Ein tröstlicher Ritt ins Wochenende. Um so tröstlicher, wenn man mit Bekannten dort Bekannte trifft und sei es nur zwischen Buchdeckeln.

Wie schon erwähnt: Mehr von mir aus Frankfurt hier und hier