Postkarten von mir (Part 1)

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Ich arbeite in einer schönsten Städte Deutschlands, sagt man wenigstens. Die Millionärsdichte ist fast so hoch, wie in Königstein im Taunus, hört man so. Es ist ja auch egal, ob es denn stimmt, wen interessiert so was schon, außer den Erbsenzählern, die dort die Villen bevölkern. Es ist eine schöne Stadt, droben im älteren Teil, die Wohnsilos, drunten in der Ebene, die vergessen wir dabei, die hat es schließlich überall.


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Der Geist kommt dieses Jahr

Träume rennen über Spuren
hüpfen Tropfenhürden
aus schockgefrorenem
Angstschweiß
Kullern tränen
in Morning Shows
Über dem Abendschweben
grollt das Bimmeln
gebrauchter Glöckchen
aus Maischnee
Ein Schuß stülpt sich
über fette Tauben
Drachen reiten
auf kleinen Flaggen
dicht hinterm
Tor

My Love, I’m Dreaming

Müssten hier nicht eigentlich Mönche singen? Statt dessen „silly lovesongs“ von albernen Puppen und ich blieb stehen und staunte. Der Keller des Kunstvereins Viernheim vermittelt immer ein „klassisches Kultgefühl“, Kultur archaisch gesehen als Götterpflege. Ein Gewölbekeller, an den Wänden pur belassen, die Gewölbe und Träger weiß gestrichen. Fast taucht der Gedanke an einen mediterranen Kreuzgang auf, eigentlich müsste da gar nichts drin stehen. Tut es ja auch nicht. Eine Videoinstallation von Ruth Hutter füllt den Raum, auch wenn nur eine Wand die Moritat erzählt, die Steine vollgebeamt, die Drahtverhaue, das Weiße über dem Boden, die Umrissgesichter vorgesägt hochdroben hängend.
Eine grandiose Desillusionierung der Pop-Kultur macht sich da so breit wie das Grinsen im Gesicht des Betrachters, das leicht zu gefrieren scheint. Puppenhände, die Feuerzeuge schwingen und ewig ihren Stars zuklatschen von Sternchen im eigenen Kitsch begraben. Stars die animiert linkisch seltsam ihre „Songs“ präsentieren, deren Körper nichts mit den Gesichtern zu tun haben. Rhythmen die nicht nicht zu den (bekannten, verzerrten) Melodien passen. Puppen spielen POP, poppen nicht, Erotik ist wo anders. Eine glorreiche Absage an die Kultur der Video-Clips und doch eine Hommage an sie. Kein Filmchen läuft da ab, keine Flash-Animation, ein Stück Kunst im tiefen Keller, zum frösteln und lächeln. Kyrie eleyson.
Ruth Hutter mit „My Love, I’m Dreaming“. Kunstverein Viernheim, Hügelstraße 24. Öffnungszeiten Mo-Fr: 15-18:30 Sa 10-13:00. (Hier erscheint die Kunst am Tage!) Noch bis 1.7.!

www:http://kunstverein-viernheim.de/