Brundtland, ein Fest, Fußball und Zigarren.

Ok. Gro Brundtland war wieder nicht da, aber dennoch feierten die Viernheimer ihr Umweltbewusstsein mit einem verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt.

Und was suchte ich dort? Ja nun das: (O-Ton der Homepage der Stadt Viernheim):

Als Unterhaltung für die „Großen“ spielt auf der Bühne vor dem Rathaus die L.A. Reed Big Band aus Lampertheim

(ohne Link dort) unter der Leitung des ehemaligen Viernheimers Reiner Heute, Anmerkung von mir und Kippe und und und. So ein schöner Tag war es heute und es regnete nicht wie damals, als ich die Band zuletzt hörte, ich berichtete. Es gab gute Mucke, feinsten Kaffee, nette Sitznachbarn , wohltemperiertes Weizen, ein Mike Hofmann in Höchstform, ja und dann schlug die Sportverwaltung unkoordiniert zu, galt es doch die Trikots für die Sparkassen-Mini-Soccer-WM auszulosen. Allerliebst war es anzusehen, wie die Kleinen sich freuten und die Sparkassenchefs und Halbzeit_Ausschussvorsitzenden samt Bürgermeister strahlten. Das muss man natürlich vor dem letzten Set der Musiker machen, es ist auch nicht errechenbar, dass 32 Mannschaften x 2 Minuten eben 64 Minuten brauchen. Und die Musiker samt Publikum warten eben solange. Es macht dann ja auch gar nix, dass der ehemalige Bürgermeister und ehemalige Landrat mit dicker Havanna die Menschen von ihrem Tisch vertrieb, hat er doch Anspruch auf die erste Reihe samt emeritiertem Facharzt, wo kämen wir denn dahin, wenn die Honoratioren um Stühle kämpfen müssten, wie wir alle. Die strahlenden Augen der Kids mit den neuen Trikots entschädigten dann doch noch, aber jetzt weiß ich warum sie immer New York, New York singen. Nächstes Mal lassen wir in der Halbzeit des Endspiels eine Stunde lang eine Symphonieorchester rocken. Aber die Mucke war klasse, herrlich entspannend. LA Reed Band ist übrigens ein cooler Name. Lampertheim im Reed ;-).

Nationalbälle

zwiebelgehüllte bälle
plärren türhüter
zu bundesadlern als kroko
rollen den rasen rasend
löcher in netze
den ballermännern zum frasse

hupgebrülllust
stellvertritt mein sieg
jagt auf gelb-rot-grünen halmen
trostgeschmierte ecken
von außen nach innen
zum letzten mann

hurragedünstet
von elfen-männern beschossen
watscheln stolze nationen
vom sudden death
zu ungeahntem höheren orts
bierschaumgeboren

starke recken staksen
knietief watend in interviews
schnattern chatten stammeln
bälle in tausend zeiten
zu millionen toren
toren die

Ball der Füße

Sterne hauchen Fußballfelder
Elfen treten Meter
Bälle vögeln Grünparkett
Ein Tanz schwebt hinter
bleichgegrölten Netzen
Dicke Stollen treten nach

Diese zwei Gedichte sind mein Beitrag zum Blog-Carneval (=Gedichtewettbewerb zur Fußball-Wm von WolliW

Losverfahren

Die 60% Nichtwähler in Viernheim schmunzeln und hauen sich vergnügt auf die Schenkel. Sie wussten es: Es geht um das bisschen Macht, um das zementieren von Pole-Positions, den Abstimmungshammer. Und sonst nix. Die größte Viernheimer Wählervereinigung, die Nichtwähler haben bestimmt 2,3 % Punkte dazu gewonnen und freuen sich, dass die Krokodilstränen am Wahltag über die Wahlbeteiligung getrocknet sind.

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Norwegisches Holz

Die Häuslichkeit nimmt zu im Kunsthaus. Norwegian Wood hielt Einzug und die Weitläufigkeit der Welt, a message in a bottle kam an. Passt doch. Sting wurde gerade zum Ehrendoktor ernannt und Sir Paul McCartney winkt von fern. towbeats spielte im Kunsthaus auf zum Gesang von Alena Möller. Für den Internetchronisten eine wahre Wohltat. Einmal googln und sofort fallen die Urls mit Bild ins Blog. Warum nur steht so was nicht in den Programmheftchen und in den Zetteln zur Musikwerkstatt von Holger Bläß und Alena Möller in der Kirschenstrasse? Der Thomas Bugert ist anderweitig engagiert, ja wo?

Ah, na. Hätte jeder vorher mal guggen können. Gilt übrigens für alle Künstler. Dann hat das die Presse einfacher, vom Blogger mal ganz zu schweigen. Vielleicht hätte auch tatsächlich der eine oder andere Bürger mal nachgesehen und gedacht, ach so: Der Bläß aus der Kirschenstrasse (hey, warum steht denn da Kirchenstrasse?): „Wu kädn dä hi? Was issen dem soi Mudda va e Geborni? Beim Hoffmonns Albert soinere MSC hodda gschbield?“ Dann wären bestimmt 20 Leute mehr da gewesen. Seufz.
Das klang alles ganz unaufgeregt, warmherzig, gekonnt, mit leisen Tönen, ohne Gedrön.
Das waren Standards aus Pop und Jazz vom Feinsten. guit, d-bass, voc. Sogar ein Song mit deutschem Text war dabei und man verstand jedes Wort! Kein Genuschel wie bei Grönemeyer immer oder Stahlhofen drüben in der Drehscheibe letzthin, als ob sie sich für die Sprache oder die Texte schämen müssten. Das fand Achtung und Anerkennung im Publikum, dem hingerissen lauschenden Auditorium. Weich gezupfte Beats auf der Gitarre zu glockenhellem Gesang mit Bassläufen, die (fast) die perc. vergessen ließen. Musik zum lauschen, sinnen, sinnieren, träumen.

Was mir träumte?

Heimspiel

Deine Schulter reist zu meinem Kinn
Mein Finger geizt mit Haut
Zenti metern durch Poren
graue Haare takten im Wipp

Ball der Füße

Sterne hauchen Fußballfelder
Elfen treten Meter
Bälle vögeln Grünparkett
Ein Tanz schwebt hinter
bleichgegrölten Netzen
Dicke Stollen treten nach

Und was noch? Geht Euch nix an

Voll mit dem Hintern in mein Gesicht,

wie immer wenn ich sie nicht brauchen kann, mitten in den selten Momenten wenn sich Natur mit der Harmonie bevögelt. Sie springt mich an aus allen Ritzen der verdichteten Erde, den Gezeiten der Planierraupen, dem elenden Gebrumme der Schmeißfliegen, dem tektonsichen Gebrüll der aufeinander reibenden Autobahnplatten….

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