Gipfelkuss

Ich stehe am Kreuz, am Gipfel, mein Herz schlägt, meine Füße ebnen Sehnen. Mein Geist panoramat aus Giganten und doch entwirft mein Trachten diesen Strand, wo unser Sonnensegel hängt, an diesen Betonpfählen, die Trupper hinterließen. Ein Strahlen dröhnt durch die Atome im Periodenfeld, dort, wo die Quanten hausen. Wer zählt die Spuren in die Wüste, kennen Oasen Weite? Im Sonnenstuhl der leuchtenden Winde zählt eine Tanne ihre Zehen, warum quietschen Männer unter der Folter des Erbarmens? Ein Glas Wasser schluckt Blumen tief in seinen Halm. Ein Schwarm Pistazien eist sich zu den Eicheln, die meine Schwarten in Buchen stabt, dort in der Ecke der vergessene Magen. Ein Gedankenstrich weiter liegt die Kugel, meine Pipeline zum Tunnel aus Schlaf. Schlaff raschelt der Stoff der Flagge, wer kennt schon die Farben, die das Kreuz einst trug

Wege füßen

Mein Wege füßen vor sich hin, fallen in keine Pfützen und planschen darin nach Fischstäbchen aus Neckereien. Klarbedeutend sehn ich mich doch nicht nach Liebesschwüren aus Suppentüten, wie sie die Pilchötkers so gerne industrien, nein lasst uns doch lieben und die Politiker schwören. Es ist durchaus im Bereich des Möglichen die Sonne blau zu streichen und den Mond zu menstruieren die Mordsee heut morgen nicht wieder in den Rhein laufen zu lassen, rückwärts durch den Bodensee in die Schweizer Berge, den Käse zu salzen zurück nach Edam. Nein, nein ,wir wollen keine Zwischenfelle, unsere Haut giert nach sich und täglich Ruhe vor der Gischt der Lachfontänen, die wir nach den kleinen Seufzern in die sauren Wälder streuen. Meine Wege kreuzen Bahnen, wedeln Zederzweige aus dem Lieberton, sinken Noten in Partituren aus Pappmoscheen. Kleine Tippel tränk ich mit diesen Lächeln, die ich auf Müllhalden aus kaputten Fernsehern stahl und ziele damit nach Deinem Sein. Meine Wege füßen vor sich hin, fallen in Dich und sinken.

Wir backen uns einen Gott

Wir backen uns einen Gott. Im nächsten Trimester hab ichs gepackt, diesen Schnösel von „Ich läutere eine Volkshochschule“ endlich nach 15 Cognac ( ähm, Weinbrand aus Rüdesheim am Rhein, bitte so hammas ja nicht, kein Martell ) belabert, seinen geistigen Ausfluss ertragen, seiner Ehefrau versprochen auch ihren Kurs „Seidendichterei auf selbstgestrickten Kondomen“ zu kondolieren und die Beauftragung für MEINEN Kurs erhalten : „Wir backen uns einen Gott“. Erwarten Sie jetzt bitte keine Einzelheiten oder gar Details, nur soviel: „Es wird oberaffengeil“. Als erstes werde ich eine Selbsthilfegruppe einrichten, damit die Kursanten ( oder wie heissen diese Menschen, die ich da zum Heiler führen soll genau ? ) sich auch tagtäglich, vorallem am Wochende ausreichend bestreitigen können, auf dass die wöchentliche Gottbackphase mit ordentlichen Sündenvergebungen daselbst beginnen kann. Sie müssen wissen, Sünden kann man nur vergeben, wenn sie denn vorher begangen worden sind. Sehen sie, genau das ist das Problem. Das sündigen. Welchen Sinn hat all diese Sündenvergeberei , wenn es keine Sünden im Sinne der allgemeinen Sünden gibt ? Da der Gott, der die Regeln aufstellt, erst noch gebacken werden muss, können ja keine Sünden begangen werden. Mit was also soll der Gott anfangen, den wir denn backen sollen ? Sie sehen, bereits die Vorbereitungsphase ist schwierig.
Was sag ich Ihnen, der Schnösel war entzückt, will unbedingt teilnehmen, er hätte ja auch schliesslich ein Dr.phil una causa. Ich konnte die Hand seiner Gattin von meinem Knie und mich aus der Kneipe ohne Ersthelferlehrgang entfernen.
Ich schritt durch laue Lüfte, vorbei an bereits verblühtem Flieder zerduftend und aß die Reste des letzten selbstgebackenen Gottes. Wie gesagt essen und sündigen muss man schon mal.

Coming out

Am Anfang war ein Kiste.

Abgedreht würde ich es nennen, glatt und unbedenklich, wenn ich Auskunft geben müsste, mich jemals outen sollte. Es hätte durchaus etwas morbid-alltägliches, solch ein Outing. Alle Welt outet sich: Die Schwulen, die Lesben, ja sogar die Asexuellen. Karl erzählte mir, in seiner Gay-Kneipe gäbe es jetzt bereits Hetero-Outings. Nun ja, wenn es jemand interessiert: Ich bin heterosexuell und habe homosexuelle, sorry, schwule Bekannte. Zu meinem Leidwesen kenne ich allerdings keine lesbischen Damen persönlich. Ich weiß, dass dieses Abschweifen mein Coming-Out weiterhin verhindern wird, das Abtauchen ins funktional Sexuelle, die sexuelle Präferenz als alleiniges Kriterium einer Partnerwahl näher beleuchtend. Ich muss früher beginnen weiter zurückgehen. Nein, DAS geht Euch nichts an, nein. Nur so weit. Ja.
Am Anfang war ein Kiste alter Legosteine,
von meinen Kindern, Enkeln, Urenkeln oder gar mir selbst, wer weiß. Eine Kiste voller Legosteine, vielleicht auch gebeamt. Könnte doch sein, keiner weiß, wie etwas materialisiert, aber doch weiß jede Frau, dass selbst Manna materialisierte. Ein schlechter Witz, bemüht blasphemisch. Manna, nur um abzulenken. Was ist dabei, wenn eine Kiste Legosteine urplötzlich wieder in den Fokus rückt, nein wir werden jetzt nicht über Zeitschriften reden.
Legosteine.
Damit begann alles. Legosteine. Ein riesige Kiste, voll davon. Mit allem, Fenstern, Platten, Dachziegeln, Zweier, Dreier, Vierer, Achter, Ecken in rot und blau. Alles in Massen. Alles war im Überfluss vorhanden. Wie im Zwang begann ich zu bauen, tollpatschig zunächst, Kinderkram. Aber die Legopubertät rüttelte mich wie die Schwellenkrankeit auf Thendra. Hiergeblieben, nicht den Fluss unterbrechen, weiter, weiter, die Richtung stimmt. Ich begann Pustel-los zu bauen. Mit Stil, Bauhaus, und Postmoderne. Dann waren sie da, einfach da. Wolkenkratzer. Ja DIE Wolkenkratzer. Ich musste sie bauen, in rot und blau. Nachbauen. Die Doppeltürme.
Ich nahm Urlaub, baute, verwarf, lachte und ging Essen. Es ist seltsam wie gut selbst Pizza schmecken kann, wenn man baut. Es wurde mir fast zum Verhängnis. Ein halbes Jahr lang ging ich nicht zum Frisör, wer sagt da was von Glatze, hä? Wer? Ein halbes Jahr lang Kopfhautvernachlässigung, fönlos-fettig. Ich baute, zerstörte und baute wieder: Bis, ja bis, sie standen. Die Zwillingskratzer. Ganz in Lego, zerstörbar und doch immer wieder aufbaubar. Ich baute sie jetzt täglich, nach der Arbeit, ab und wieder auf. Immer wieder. Jeden Tag. Dauerte nur noch eine halbe Stunde, maximal. Nicht einmal Sonntags pauste ich. Zerstören und wieder aufbauen. Routine. Reine Routine. Professionalität. Ich war glücklich, begann sogar wieder das andere Geschlecht wahr zu nehmen, Augenblitze zu bemerken, sekundäre Geschlechtsmerkmale als solche zu erkennen.
Jeden Tag entstanden sie dennoch aufs Neue, erlebten die zerstörerische Metamorphose erneut. Blau und Rot.
Im letzten Sommer, als ich beinahe wieder Hand an mich legte, angesichts entblößter Rundungen im Hitzefrei, kam dieser Sand, wie ihn manchmal die Sahara sendet, mit den Wolken schickt, uns die Weite zu lehren, das Gefühl von Reibung auf der Zunge, das Knirschen in den Sandalen. Meine Fenster standen weit offen, lechzten nach Regen. Ich hatte sie vernachlässigt. ICH meine Fenster, die mir einst die Welt bedeuteten. Licht und Luft. Abschottung und Durchlass in einem. Meine Fenster standen Sperrangel weit auf und offen, ließen diesen Staub in die Räume. Er legte sich über Alles. Alles und Jeden. Klein und groß. Rot. Nach seinem Öl suchend. Auch über die Türme, die gerade zu Hälfte demontiert waren. Ekelhaft roter Staub auf dem Lego. In Handschuhen trug ich meine Türme, meine, meine, meine, in die Badewanne und begann sie zu duschen, legte die restliche Steine dazu und wusch. Ich denke es waren 3 Stunden Dauerdusche, bis ich erwachte und an die Wasserrechnung dachte. Ich stöpselte die Wanne, verwandelte sie zum Binnenmeer und wässerte die Türme, diese Türme, meine Türme, die Zwillingstürme, die Wolkenkratzer. Nur die Spitzen ragten aus dem Wasser, das ich dunkelrot färbte mit Tomatenpulver. Die Spitzen ganz in Blau. Wie zwei Inseln im roten Meer ragen sie aus der Wanne, umschwommen von den losen blauen Steinen, einsame Legos im Meer aus Tomatenwasser. Wie zwei winzig-blaue Brustspitzen einer versunkenen Frau, reckten sie sich meinen Fingern entgegen. Aber ich rührte sie nicht mehr an. Eine seltsam-schüchterne Zurückhaltung hindert mich, ein Hauch von morbider Heiligkeit liegt heute noch über diesem ungewollten Kunstwerk meiner Hände, der Luft, des Wassers und Bruder Wind.
Ich wasche mich jetzt täglich wie einst Oma am Waschbecken, sogar die Haare und starre auf meine künstlichen Inselchen. Das Wasser riecht schon nach H2So4, die ersten Algen wabern über die Legorose und die Spitzen zittern, wenn die Müllautos ihr ewig Lied in den Wohnblogg zittern. Inzwischen genüge ich wieder vollstens heterosexuellen Anforderungen, aber ich zittere vor meinem Coming-Out. Bisher waren wir nur bei Ihr. Aber es gibt Hoffnung:

Sie besitzt eine Kiste.

Abendlichter

Kein Schlaf droht dem Bett

Pfützen voller Sonne schlingern faul
in kühlendes Untegangsrot
leicht fliegt die Freiheit
durch den Rauch der frühen Sorgen

Platzkonzert

Unverdaute Küsse
tauen auf die Ränder
der Knochensteine
einsam tanzt die Sehnsucht
nach Zentimetern
aus Haut

Wände

Zeichen brechen
aus den Wänden
sprühen die Lust
auf koschere Liebe
wo die Killer einst
die Synagoge schleiften

Plagen

kleine Plagen
lieben sich
engumschlungen
stöhnen lastlos
kommen immer wieder
bevor sie mich verlassen
über die Brücken zum Schlaf