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Gebete eines Agnostikers #4 – Bin ich?
22.10.2010 22:36:41...diesen Gott gäbe es nicht. Es sei ein Falschgott, ein Dämon, ein Schatten des wahren Gottes. Man dürfe auf keinen Fall zu ihm beten. Mein Lächeln versteckte sich im Ernst und winkelte den Mund nach unten, wollte überleben. Ich wusste nicht was beten ist. Natürlich kannte ich das Wort, hörte die Menschen von Türmen brüllen, aus Kirchen dröhnen, Orgeln jaulen, Rosenkränze schwingen, aber ich wusste nicht, was beten bedeutet. Dessen ungeachtet war diese Unerkenntnis nicht so schlimm, wie das Wissen, dass ich weder jenen falschen, noch den wahren Gott kannte. Noch schlimmer die Tragik des Nachdenkens. Was schadet ein Gebet, was das denn dies auch sei, zu einem nicht existenten falschen Gott? Es geht ins Nichts. Da ich auch dem wahren Gott in hintersten Zentren meiner Gehirnwindung keine Existenz zubillige, wären alle Gebete harmlos. Gingen ins Nichts. Prallten in die Nichtexistenz. Sind sinnlos. Oder ist daher dieses Nichts, das Nicht-Seiende der Gott, der weder falsch noch wahr ist, sondern NICHT ist, der wirkliche Gott, der Nichtgott sozusagen? Treffen ihn doch letztlich alle Gebete, was immer auch solchiges sein mag. Erschaffen die Gebete der Menschen erst die respektiven Götter im Nichts? Ich MUSS beten lernen. Ich bräuchte doch so dringend einen Gott, der mich erschafft......
Ach, die Verdrossenen
20.10.2010 11:15:15In ihren Redaktionsstuben sitzen Menschen, die keine Zeit haben, wenigstens nicht so viel, dass sie Zeit hätten, einmal von selbst die Nase vor die Tür zu spazieren. So scheint es wenigstens. Investigativ nannten sie das früher. Hat keiner mehr Geld dafür und die wahren Förderer der Gazetten und Fernsehstaionen samt anhängenden Radiodudler, die Agenturen und PR-Fuzzis samt sie dirigierenden Lobbie-Drangsalierer und zynisch-brutalen Spindoktoren haben anderes im Sinn, irgend etwas zu verkaufen, Ideen, Kühlschränke, Atombomben, Solaranlagen, Unterhosen, Politstars aus Uradelsgründen. Also werden Meldungen lanciert, Themen forciert, ein bisschen gelogen, ein wenig hin gebogen, so in der großen Politik und wir alle folgen wie die Lemminge diesem Zug von Thema zu Thema. Beispiele? Schweinegrippe, Loveparade, Tsunamis, Regenwald. Alles vergessen. Gerade wird ja wieder mit dem Rassismus gespielt, das zog schon immer, wenn man von anderen Dingen ablenken wollte, Hinweise für den Mob wen man mal ein wenig lynchen könnte. Dabei gibt es tausende von Kommunalpolitikern, Landtagsabgeordneten und andere, die sich aufreiben, doch, die gibt es. Kein Mensch kümmert sich um sie, will etwas von ihnen, ihre Veranstaltungen werden so gut wie nie besucht, es sei denn von der eigenen Klientel. Kein Mensch dankt es ihnen, ihre Meinung ist im öffentlichen Kontext weder erwünscht noch gefragt, da seien die Meinungsführer vor. Sie werden verschwiegen, wenn sie nicht mit den Lemmingen ziehen und sich schrill auch zu diesen Themen äußern. Sie sind dessen so verdrossen, wie ihre Wähler angeblich von ihnen. Ich schätze, irgendwann können kommunale Parlamente nicht mehr besetzt werden, aus Mangel an Kandidaten, durch Parteien, die zu wenig Mitglieder haben.(Ich drücke mich gerade auch an einer solchen Kandidatur vorbei, mit für mich guten Gründen, aber die haben wir wohl alle.) Und so werden wir irgendwann ganz von der PR, der Lobby, den Industrieverbänden und der Werbung regiert werden, es macht ja sonst keiner, nicht wahr. Alles andere gefährdet sowieso die Demokratie. Ja, ja, wir Verdrossenen werden dann immer verdrossener und auf die Straße gehen. Doch, das werden wir, um von Politik- und Berufs- verdrossenen Polizisten ein bisschen Wasser gewerft werden.
Dafür brauchen wir dann ein Leistungsschutzrecht für die Springers, Bertelsmanns, die Fazler samt Wazler und die Haas-Gruppen, wem auch sonst noch, damit wir schön weiter wie die Lemminge unsere Verdrossenheit, nicht wahr, pflegen können. Wir wollen es ja nicht anders. Keine Sorgen, solche blödsinnigen Glossen wie die hier wird es auch bald nicht mehr geben. Doch, das Internet wird wieder verschwinden oder in den Spindoktoren-Apps aufgehen. Dieses Geblogge, Getweete und die Kopftücher, den bösen Google nicht vergessen sind ja die wahren Feinde der Demokratie. Venceremos!
Feuchte Träume.. oh gods of publishing
06.10.2010 00:04:31Die fest angestellten Autoren der 3 deutschen Groß-Verlage, die doch letztlich alle zum Springer-Bertelsmann-Kombinat gehören, das wiederum der Allianz und Microsoft gehört, streiken seit Wochen, weil auch das letzte selbst verantwortete Publishing-Projekt, Print, ye know, im siebten Jahr, aus den Tarifverträgen gestrichen werden soll. Da ver.di mit der IG Metall zwangsfusioniert ist, sind auch genügend Streikkassen vorhanden. Um die Aktionäre nicht verhungern zu lassen, mit "NachSteuern-Gewinnen" unter 34%, ist Self-Publishing der Renner. Schließlich ist das freie Publizieren schon lange verboten. Auf den Bahamas steht auf Bloggen sogar die Todesstrafe. Wobei dies natürlich Unfug ist. Es gibt keine Blogs mehr, wie auch kein Internet, in das man schreiben könnte. Nur noch kaufen kann man. Also stehen in den ansonsten längst leer geräumten Buchhandlungen kleine Rechner mit DOS 2.0 und Wordstar 1, bereit zum eintippen, gegen Gebühr, selbstverständlich. Scharen von Kunden warten gedulig, um auch autoren zu dürfen, 2 Cent pro Zeichen, bei freien Bewusstseins-Drogen samt 1 Becher Mohntee /Stunde. WeinSecco-Bier gegen Aufpreis vorhanden. Und dann, und dann zischen die Drucker und Self-Publisher verlässt mit einem Buch, SEINEM Buch, instant, die Bücherei. "Books are back" wird SpOn titeln und kleine Shortlists über die Messen tauen. Oh ihr Götter des publishing, Träume, so feucht...
Förderation
03.10.2010 09:29:13..deputationshauptschluss. Jaja, da fing das an. Da verteilte Napoleon die Welt jenseits des Rhine neu. Und zwei Länder fielen seiner Gier zum Opfer. Kurmainz und Kurpfalz. Zwei KURFÜRSTENTÜMER. Sie fehlen in der Liste der Bundesländer, sie liegen in den komischen Artefakten „Rheinland-Pfalz" oder „Baden-Württemberg", das sollen Länder sein, das sind seltsame Konstrukte, die dieser Scheiß- Obernazi Adolf auch noch zu allen anderen Schandtaten mit zu verantworten hat, weil er diesen Krieg begann. Keiner kennt sie mehr. Die „alten" Bundesländer haben sich erst letzthin an den „neuen" Bundesländern verschluckt und werden noch eine Weile rülpsen müssen, bis das alles bezahlt ist und reingemacht. Rein füssiologisch müsste aber etwas passieren, denn es ist ungerecht, diese alten deutschen Länder immer und ewig als „neu" zu bezeichnen. Wir die Unterzeichnern fordern daher 2 „ganz neue" Bundesländer zu etablieren. Kurmainz und Kurpfalz. Keine Sorge der Fürsterzbischof von Mainz begehrt nicht mehr das Amt des Kanzlers, die Meenzer werden schon einen finden, der das demokratisch macht und die zwei „ganz neuen" Länder ( wir wollen doch auch nicht mehr das Elsass deswegen annektieren oder nach Osten expandieren, gelle, nur um mal wieder an neue Länder zu kommen) wollen auch nicht wieder im Frankfurter Römer Königs wählen. Wir wollen einfach zwei ganz normale Bundesländer werden. Der Rest Rheinland-Pfalz fusioniert mit dem Saarland, damit der La Fontäne was tun bekommt, die Schwaben haben eh mit den Badenser genug zu tun. Und den Bayern sollte endlich mal jemand klar machen, dass die Wittelsbacher Rauten viel mehr zur Kurpfalz passen, aber die CSU wird das dann schon noch merken, bevor sie das Königreich ausruft. Und damit das klar ist : Die Hauptstadt der Kurpfalz ist seit 16 Hundert ungrad Mannheim. Auch wenn es viele Heidelberger nicht begreifen wollen. Xavier Naidoo schreibt bereits an einer Hymne. Carl Benz kommt drin vor ( wir werden den Schwaben was scheißen mit dem Daimler, der Benz hat das Auto erfunden, gell ) der Freiherr von Drais mit seinen Fahrrad und der Lanz mit seinem Traktor, alles hier erfunden worden, gell. Wir werden zur Durchsetzung der förderativen Ansprüche uns notfalls ( NOTFALLS nur ) mit den Genossen der Initiative „Preußen in den Bundesrat" verbünden und den Neckar ab Ladenburg für Schwäne und Schwaben sperren. Wir denken in Nordrhein-Westfalen rumort es ebenso, Köln hat Ansprüche angemeldet und.....
Ich fische nicht
25.09.2010 11:45:50Unter meinen Füßen blühten Forellen, die leichtfüßig die Straße entlang tänzelten, ihre Dessous lässig über die Schultern geworfen. Der Geruch nach Fisch ließ meine Heimat erzittern und tausend spritzende Parfumkanonen agierten über den Lüftern. Susu, meine Fliege, wirbelte meinen Beinen entlang, auf der Suche nach Schweiß. Heute aber waren sie trocken, harrten der Dinge, die unter Wasser kommen würden, wenn all die Unterwasserwesen über die Felder geflogen waren. Im Wasser, das man atmen kann, klar wie an dem Tag, als die Schöpfung ihre Kerze ausblies und es zu dämmern begann.
Nur diese Forelle, die sonst zwei Leben lang die Liebe lacht, weint bunten Sand, damit meine Fuß die Steine fände, daran zu stoßen. Der Tropfen Blut aus der Senke, die nach Wörrishofen zielt sang noch einmal das Ave Eva und versank hinter dem Mond, der seit Wochen voll am Mittagshimmel hing. Es waren die Schurken der Mitternachtsbleich, die ihren endlosen Monolog in die Wüste des Seins schrammten, es ward Morgen und Abend und zu Mittag verneigte sich meine Kantine, weil...
Ich liebe meinen Schwanz
20.09.2010 22:31:36Mein Schwanz wedelt.
Das sollte doch eigentlich reichen. Jede Facette des Lebens lässt sich mit dem Schwanz ausdrücken. Die Feinheiten des eleganten Geläufe genauso wie die Niederungen der Straßenpfützen. Alles lässt sich mit dem Schwanz ausdrücken. Liebe, Geilheit, gereiztes hängen lassen, Freude, alle Zertretungen des Gemüts. Ich liebe meinen Schwanz. Er ist die Schnittstelle zu allen Wesenheiten, die Verbindung zum Kosmos der Verständigung. Und was soll ich?
Sprechen.
Mit dem Kehlkopf schwingen, statt dem Schwanz. In allen Filmen lassen sie mich sprechen, sogar ernsthafte Autoren statten ihre Autos und sogar langweilige Bücher mit diesen seltsamen Schwingungsmachern aus. Alles spricht und ich im Film auch, dabei sagt mein Schwanz alles. Warum lasst ihr mich nicht Hund sein, warum soll ich sprechen? Mein Schwanz gymnastiert mich ins Elysium, mein Schwanz, nur mein Schwanz, was geht mich Eure Kehlkopfgeilheit an, ich bin Hund, will nichts weiter sein. Lasst die Autos und die Bücher sprechen, ich wedle-
mit dem Schwanz.
Aus 2002, denke ich, weil der Herr Schreiberpeter so was Nettes hier geschrieben hat.
Personalfresser
10.09.2010 17:32:16Wie jedes Jahr machen die Mitarbeiter der Abteilung "Personalfesser" aus der Hölle 4 Divison, zusammen mit den Controllern aus der Höllenholding gemeinsam Urlaub in Maria Einsiedeln. Sie beten dort zusammen mit Engeln der "Seelenbeschaffung in Pinten und Kneipen" von "Himmelsvernetzung II" und den Schutzengeln aus dem Hierachiepool der Betschwesternbegattung, um die sofortige Wiedervereinigung des Paradieses. Wie immer bemerkt die hohe Führung weder den Beschiss noch das revoltiernde Anliegen. Wahrscheinlich verschwindet so was, wie alle Gebete und Vorschläge in den tiefen Ordnern der Enterprise, wo selbst Spok sie nicht findet. Die After-Church-Partys im Kanton sind allerdings legendär bis subtotal, vor allem wenn die Schutzengel bei den Teufeln die Sau rauslassen, man kennt sich ja seit Äonen. Der Höllenfürst ( dem so was ja nie entgeht ) erwägt seit 274 Jahren eine formale Beschwerde beim intergalaktischen Rat, aber ER schläft eh nur, wie die Tabellen protzen.....
(aus der Reihe: "Zu Schade eigentlich", veröffentlich zuerst auf einer längst untergegangenen Literaturseite)
Karzuso der Bewahrer
09.09.2010 20:54:03....wütete Prinz Haksim, den manche hier sich nicht verblödeten den Lindgrünen zu nennen, was konnte er dafür, dass sein Vater "Karzuso der Bewahrer" so gerne Lindbandwurmgras mähte, um es den Hummeln zum Fraße vorzuklopfen, Stock für Stock.
"Es liegt auf der Hand dass die Alpendrachen dem Tourismus geopfert werden, nur weil einer mal einem Lektor eines unbedeutenden Klagenfurter Verlages die Zehennägel abgeleckt hatte, mit heißer Zunge, ich geb's ja zu, aber es war ja deutschsprachiger Tag in Kärnten, oder wo floss der Bachmann doch gleich?", weiter kam der Prinz nicht, weil das Saalfräulein die Webcam via http://alpen.hub.schraub.at einschaltete und er die Stimme seiner Schwester hörte: "Dieses Arschloch von Prinzenbruder säuselt im Weissbierkeller wieder von Drachenschonung, während ich mir hier den Arsch aufreiße, oh, das gelbe Internetlicht ist ja an, während ich mich hier in der Nachfolge der Drachenjägerin von 'darc betätige und diesen widerwärtig-brummenden Hubschrauber sowjetischer Bauart in den patriotischen Nahkampf fliege um die letzten Vertreter der Gattung "fesche-Wadln-schwingende Bergwachter" aus den Fängen dieser literaturfressenden Ungeheuer zu retten." Sie konnte kaum sehen vor Tränenscheue, weil sie an einen bestimmten Bergdoktor aus Santa Monica dachte, der gerade aus St. Peter von Oberschwester Traudel hierher versetzt wurde, so nah sah sich schon seinen Dankesküssen, als sie ihn sah, diese Hilfsdiätassistentin küssend, vor dem garndosenfüllenden Panronama überhalb der Villachen. Im Sturz flog sie, die Raketen fest umnadelt, als ein heilvoller Unschlag sie in habsburgischer Tradition et tu felix Austria nube.........
Pseudoreligiöses
05.09.2010 11:52:19Nur ein kleiner Hinweis, ein Gedanken winden, ein glossen zur tabulosen Debatte der Kandesbunzlerin...
Ich denke, all das Geschwafel über Migration, Integration, Leitkultur und all die anderen Hilflosigkeiten, hängen eng mit unserer säkularen Gesellschaft zusammen, dem kultischen schlechthin, der Religion.
Ein überwiegender Teil der Menschen hier hat mit den „alten“ Vorgaben der einst mächtigen Kirchen nichts mehr am Hut, hat sie sich abgeschminkt, bleibt fern oder ist ausgetreten wie ich, war nie Teil davon, wie der Osten mehrheitlich.
Ich spreche vom Muff dieser Institutionen, der Spießigkeit ihrer Erscheinungsformen, ihren eifersüchtigen Göttern, die bis ins Detail, gerade im sexuellen Bereich alles deuten und beherrschen wollten, sich gegenseitig abgrenzten, gegen andere Sekten aufhetzen, und dazu rechne ich inzwischen sowohl die evangelische wie auch die katholische Kirche in der BRD. Das alles hat man in weiten Teilen abgelegt, oder glaubt jemand ernsthaft, die Mehrheit selbst katholischer Kirchgänger hält sich tatsächlich an die perversen Verbote von Pille und Kondomen? Da können sich die Hassprediger in den „kath. Netzen“ oder die selbst ernannten bigotten katholischen Blogs noch so abgeifern (nein, keine Links für diese Szene), wir leben in einer säkularen Welt, die sich langsam aber sicher beginnt, eigene Werte zu schaffen, alte zu integrieren, neue auszuprobieren und das hat alles zunächst nichts mit Atheismus zu tun, sondern mit dem frei schaufeln, emanzipieren, Kopf lüften.
Ich will auch niemanden seinen Glauben vermiesen,
Tw...ain das, Mark
30.08.2010 21:02:36...erzählen MUSS, auch wenn es in der falschen Kehle enden sollte. Gestern war ich in einer dieser Buchhandlungen, wie sie eigentlich nur in Köln und New York vorkommen. Klein, muffig und seltsamst sortiert. Ich hoffte ein antiquarisches Werk von Mark Twain zu finden, dessen Titel ich nicht mehr genau wusste, es war seine Reisebeschreibung unter anderem von Heidelberg. Und wie soll ich es sagen: Statt des Westens empfing mich der Orient. Ein liebenswerter Alter wohl mittelasiatischer Herkunft, lenkte mich von den wohligen Proportionen der Verkäuferin ab und versuchte mir allen möglichen Plunder aufzuschwatzen. Ich hatte meinen guten Tag und hörte zu, obwohl ich noch allerhand zu twittern und mein eigenes Blog upzudaten hatte. Der Alte konnte noch nicht einmal deutsch lesen und sehr zu meinem Entzücken musste die Verkäuferin die Titel vorlesen, die der Alte mir empfahl. Wir durchforsteten den ganzen Laden, fanden vom Tigris bis zur Etsch, von der Wolga bis zur Weschnitz dutzende von Büchern, die Flussreisen beschrieben, leider keines vom Neckar, schon gar nicht von Mark Twain. Immer, wenn der Alte mit dem unausprechlichen Namen in seine Erinnerungen an heimatliche Flüsse abdriften wollte und die Verkäuferin verschwand, fragte ich nach neuen Flussbüchern, wollte in diese fernen Ecken mit der Verkäuferin, aber der Alte blieb beharrlich. Dann kam die Krönung: Ein orthodox gekleideter Jude mit diesen lustigen Locken und pausbäckiger Koscherlust betrat den Laden und sofort hetzte der Alte mich auf ihn, er sei irgendso ein Guru, ich solle ihm die Frage nach dem Buch stellen, er hätte auf alles eine Antwort. Die Verkäuferin blickte mich neugierig an, mehr als ich bisher an Blicken erhielt und ich fragte den lieben Menschen mit dem Hut. "Stammen sie aus der Gegend ?", fragte er zurück. Verschämt gestand ich meine Herkunft ein. "Dann brauchen sie doch keine Reisebeschreibung, oder?", wandte sich ab um in seine Thora zu stieren. Verblüfft brach ich in helles Gelächter aus, die Verkäuferin mit, nur der Alte blickte Ernst. "Sie beschämen mich, werter Kunde, suchen sie doch vergeblich nach einem dieser Bücher, die dem Menschen das Herz erwärmen". Jetzt war es an mir ihn zu trösten, ich erzählte ihm, ich sei Dialektdichter und wolle einige Gedichte zu Twain verfassen, von Zyniker zu Zyniker sozusagen, auf dass ein gewisser Abglanz seines Ruhmes auf mich falle. Da strahlten die Augen des Alten. Sehr vernünftig fand er dies Unterfangen ( seinem Schwiegersohn fiele sowas nie ein ) und so poetisch, Tränen standen in seinen Augen, wie sehr zu meiner Verblüffung der Verkäuferin auch. "Kaffeemauswaldi", flüsterte sie nur, " Du?" Konsterniert blickte ich in das Unverständnis des lieben Alten samt nun aufmerksamem Weisen. "Ich bin Zisternchen", hauchte sie. Und wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Seit 3 Monaten schon twitterten, dichteten, alberten wir Da stand sie nun. Schnell arrangierte der Alte eine Lesung von mir in dieser Bücherei, und die Verkäuferin sollte, aber sie flüsterte mir nur zu googleBooks die url ....
Der schonungslose Herr Tom Liehr
28.08.2010 09:55:46analysiert.
(eine Antwort auf eine Serie im Literaturcafé von Tom Liehr mit dem Titel: Warum werde ich nicht veröffentlicht? Oder: Die Große Manuskriptverschickung)
Aha. Der Großschriftsteller disst all die kleinen dummen Schreiberlein, die zu Hause etwas schreiben und träumen. Das geht ja gar nicht. Ich gehöre Gott sei Dank nicht zu der Gruppe von Leuten, die er meint. Ich schreibe weder auf Schreibmaschine, noch auf dem Laptop, auch nicht im Wohnzimmer. Wenn, dann am Schreibtisch und Desktoprechner, auf dem Smartphone oder mit Füller auf Papier. Aber natürlich weiß der Herr Liehr ansonsten alles.
"Er hat zahlreiche Kurzgeschichten in Anthologien und Zeitschriften veröffentlicht, darunter im »Playboy« und in der »c’t«, außerdem Prominentenportraits im österreichischen Magazin »DATUM "
(Zitat aus der Autorenvita im Literaturcafé)
Sehr gut. Playboy, c't... Kennt sich aus der Mann.
Natürlich hat er Recht, dass man sich professionalisieren muss, wenn man vom Schreiben leben will (tut er das eigentlich?), wenn man reich und berühmt sein will, sich selbst hinterfragen, arbeiten, recherchieren, lesen.
Aber WILL das denn jeder, der schreibt? Kann es sein, dass es Leute gibt, denen eine Telefonzelle als Ort ihrer Lesung ausreicht? Kann es sein, dass Leute tatsächlich Schreiben als Therapie betreiben und froh damit sind? Ist das alles so negativ? Sich selbst zu verwirklichen? Was stört den Herrn Obergroßschriftsteller daran?
Wie gesagt, in der Sache hat Herr Liehr recht, das voll-professionelle Schriftsller werden und sein bedarf mehr, als das vorsich-hintippen und der Selbstüberschätzung. Aber gibt es keine Zwischenstufen heutzutage? Kein Platz für Halb-professionelle, gar für Amateure?
Was mich ärgert ist dieser herablassende Ton, diese Ignoranz des "Erfolgreichen" gegenüber den armen Würmern da draußen an ihren Schreibmaschinen, diese dreiste Arroganz zwischen den Zeilen. Das klingt alles wie Angstbeißen gegen potentielle Konkurrenz. Das wäre genauso, als ob Herr Schweinsteiger all den jungen Amateueren, die Sonntag für Sonntag in der zweiten Mannschaft der Kreisklasse den Spaß am Fußballspielen nehmen wollte, nach dem Motto: "Du kommst noch nicht einmal in die Oberliga mit deinem Gekicke, vergleiche Dich ja nicht mit mir, höre auf zu träumen, am besten Du hörst auf und kaufst dir einen Fanschal und kommst zu unseren Heimspielen, auf jeden Fall beklotze mich im Pay-TV." So klingt das Herr Liehr.
Natürlich kenne ich auch die Möchte-Gern Großautoren, die in Foren nerven und die Haifisch-Verlage füttern, aber anstatt allen armen Menschlein das Schreiben zu vermiesen, die noch nicht das Glück hatten ihre Stories dem Playboy verkaufen zu können, Alternativen jenseits des Literaturbetriebes aufzuzeigen.... aber soweit denkt er wohl nicht, warum auch, er der Große......
Ob all diese Überheblichen vielleicht daran denken, dass genau die beschriebene Gruppe an "Möchtegerns" die eigene Zielgruppe für die "Aufbau"-Romane ist? Sollte einem Profi eigentlich 'mal in den Sinn kommen, oder wenigstens dem PR-Manager des Verlages. Wie klug ist es für die Eigen-PR in einem Internet-Forum Amateure zu dissen, wenn auch in einem bekannten wie dem Literatur-Café?
Ach so ja, hört nur nicht auf zu schreiben, zu träumen. Es ist Euer Leben. Denn auch er hat einmal in Foren angefangen, aber scheinbar ist das alles vergessen...
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19.05.2010 21:49:43Im Netz die Fliege, die Spinne unter meinem Absatz verstorben, verhöhnt den japsend Fisch und pries ihren Schöpfer samt der Sonne, dankte für den Sauerstoff und sang das Lied des World white Web, die ewige Vernetzung preisend, in tausend Spasmen über die Soundkarte ihres FacettenGottes. Ich tötete den Fisch, nahm ihn vom Netz, entschuppte ihn zum Gekreisch der Fliege, nahm ihn aus und grillte ihn. Küss mich, schriest Du, spanntest Dein Netz, wipptest die Brüste darüber, Finger schlossen, drangen ein, eng umschlungen, eins mit uns zwei, quälte im Nachgang der Hunger nach Neuem. Nähr' uns, schrie sie und ich nahm die Fliege vom Netz an die Angel. Unvernetzt starb der nächste Fisch. Das Spinnennetz, zerrissen glitzerte noch 2 Sekunden in der Sonne. Gefällt mir, zungte ihr Ohr, noch triefend von meinem Zweitfisch-Fett. So ein Tag so wunderschön wie heute. Voll vernetzt, gefällt mir mein Schatz. Die Sonne schluckte und gebar noch eine Nacht. Gefällt mir, trommelte der Mann im Mond auf unser Bett, unter dem eine Spinne hervorkroch, ein Netz spinnend. Gefällt mir, schrieb die Welt in das Buch, ein Lachen im Gesicht, weit gewebt, sehr weit, das Netz, gefällt mir, webwebweb, komm, komm, komm, jaaaaaa!
Gebete eines Agnostikers #3 - Himmelfahrt
13.05.2010 09:34:29Wenn ich nur wüsste, was das sein soll dieser Himmel. Ein Platz ohne Sorgen? Und was mach ich ohne Sorgen den ganzen Tag? Vor mich hin leben? Ich weiß nicht, was mein Himmel wäre. Ein endloses sich dehnen? Die Kreuzung der Geraden? Ein ewiger orgastischer Höhepunkt in unaufhörlichen Spasmen? Oh nöh, doch nicht dauernd. Lyrische Eigen-Produktionen in Höchstform so ganz nebenbei, himmlische Musik der Sonderklasse dauernd? Ewiger Frühling? Der Garten Eden und das Unkraut, das Unkraut, wer rupft das? Die Freuden des urmännlichen Paradieses mit diesen ewigen Houris? Ach den ganzen Tag nur willige Houris? Oder ist man da ewiglich entrückt, entleibt, entsext, durchgeistigt? Bin ich ja gerne einmal, aber ewig? Ewig regieren die Grünen in Sanftmut, nachhaltig, ökologisch einwandfrei, in frei schwingender Genderei? Alle bloggen in literarisch-einwandfreiem Entzücken und twittern dem Höchsten ein Lied?
Ich habe Probleme mir einen Himmel vorzustellen, der aus Projektionen besteht, ein Wünsche-Reservoir und der ewigen Furcht vor Langeweile. Ich gebe es zu: Ich kann mir einen Himmel nicht vorstellen. Nicht als Ort, nicht als Zustand. Menschlich. Ich empfinde es als zutiefst menschlich mir nicht vorstellen zu können, was das denn wäre der Himmel. Der Himmel, wenn es denn einen gäbe wäre unmenschlich, nicht menschlich.
Aber ich schleiche um die Frage umher, ob es denn ein Weiterleben nach dem Tode gäbe, denn nur dazu bräuchte man einen Himmel.
Kola Krabamba
08.05.2010 21:51:14Gehacktes. Gebunden. Geformt. Gewürzt. Wiederzusammengefügt. Gebraten, scharf, medium. Kräutlein, frisch aus meinem Gärtlein der Frust. Edles Backwerk.
„Linke und rechte Hand formt einen Kreis mit Daumen und Zeigefinger". Zwei Unzentatzen Knoblauch samt Ringen von Zwiebeln, kross. Senfpulver und 2 Cornichons. Und dann, dann drehte er durch, zerriss seine Seele, platzte im Kragen,den ich ihm täglich nähte. Ich tröpfelte diese Sauce darüber, rot wie die Sonne im Osten, als wir uns das letzte mal liebten, vor dem Morgenschlaf. Ketchup, schrie er und schlug mich das erste mal Mal, hart und widerspruchslos.
„Ketchup", schrie er, rannte in die Küche, riss die Türen der Schränke und Schubladen auf und dann, dann fand er meine Schande. Gaggi, Fnorr. Tüten. Fläschlein von Meinz. Dosen. Meine Augen schwollen und als die Sonne unterging, bat ich um Verzeihung, aber er ritt davon, auf seiner BMW. Gehacktes. Ich sah ihn nie wieder, und den Tag, als wir im Mäcks Gedichte fraßen. Nur Gedichte, Salsa, Country und sonst nix. Kola Krabamba.
Die Hexenfrage ist immer noch ungelöst
01.05.2010 09:54:39Obwohl das Kopftuch-Tragen in der Öffentlichkeit NICHT verboten ist, wohl nur in der Schule, und das Verbrennungsverbot für Hexen auch weiterhin gilt, auch wenn diverse faschistisch-pseudokatholische Hetznetze im Internet, samt ihren Rechtsauslegern, den Bruderschaften und Opanten, dies gerne hätten, sah man auch gestern wieder keinerlei Hexen am Himmel zwischen den Kondensstreifen der Kerosinschleudern. Wieder eine Walpurgisnacht ohne Echthexen. So mancher Hexenexperte hatte diese Jahr mit einer Zunahme von fast 300% gerechnet, durch Spontanmutation, da der kondensstreifen freie Himmel zu sofortigen Trainings-Besenritten geradezu aufforderte und der 1.Mai dieses Jahr auf einen Samstag fiel (Hexensabbat).
Wie gesagt, wir sprechen von Echthexen, nicht von diesen jämmerlichen Esoterik-Gestalten, die irgendwelche Dinge vor sich hin wurschteln und in Sprachen brabbeln. Wir sprechen von Hexen, die auf dem Brocken auf Besen reiten in der Walpurgisnacht, wie es unser aller Meister Johann Wolfgang einst faustete. Haben sie eine von diesen Esoterikern reiten sehen? Also! Untersuchungen, die zeigen, dass der Klimawandel und die Überdüngung der Streuobstwiesen das Holz aus dem Besenhexen sind nicht mehr gedeihen lassen halte ich auch für nicht stichhaltig, dazu müsste es wesentlich größere Feldversuche geben, aber dazu fehlt das Geld und... Hexen.
Es kann auf jeden Fall NICHT angehen, dass auch nach über 20 Jahren Mauerfall auf dem Brocken immer noch keine Hexen tanzen. Die Bundesregierung wird aufgefordert durch geeignete Maßnahmen die Spontanmutation von Hexen zu fördern. Das nötige Geld dafür könnte doch den Bad-Banks entnommen werden, die dann auch den Hexen dringend benötigte Arbeitsplätze gewähren könnten, denn es geht diesen, wie dem Rest der Wirtschaft samt anhänglichen Staatsfinanzen: WEGHEXEN und WIRTSCHAFTSHEXEN wäre soooo dringend erforderlich. Nein, wir meinen Echthexen (m/w), die früher verbrannt wurden, weil sie angeblich mit dem Teufel im Bunde standen, dem Teufel den es wahrscheinlich genauso wenig gibt wie einen Gott, vielleicht, keine potemkinsche Touristenattraktionen oder Sprüchemurmler und Kräutlein-Kessel-Lutscher. Was wir brauchen sind Hexen, mit und ohne Kopftuch, von mir aus auch Formular-Vereidigte, die endlich die Wirtschafts-Wunder-Lehrer an den Universitäten als Nicht-Weisen demaskieren und unsere Haushalte (öffentliche/nichtöffentliche) total sanieren durch Echthexerei. Oder glauben sie an irdisch-konventionelle Lösungen? Auch nicht? Dann treten sie der Facebook-Gruppe: „Regierungs-Hexen an die Front“ bei. Die Regierungen (Bund/Land) sind gefordert. Weise Frauen sollen wieder Hexen sein dürfen. Für das Vaterland, äh Mutterland. Hexameter, hexadezimal. Hex, Hechs.
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