Tags: sommerprosa
Sommer graut
21.07.2011 21:03:29
Es graut in der Mitte des Sommers, die Temperaturen des Frühlings lagen höher, es tropft seit Tagen von üppigen Blättern, das Korn dahin, blanke Furchen bräunen in die Äcker, der Blues springt aus allen Playern, Sting melancholiert aus mp3s. Seltsam wird mir dann immer. Sonnenentzug. Meine Marktplätze entleert, die Stellen im Wald so fern. Alles schwimmt im inneren Nebel des Egal. Milliarden wieder einmal, ja und? Der Stress wird getestet? Ach ja. Wie furchtbar. Nichts regt mich auf, nichts regt mich an und doch: Ich kann schreiben, schreiben, schreiben. Die täglichen Katastrophen berühren nicht mein Innerstes, ich schaffe neue, reite auf der Wehmut, lausche Klarinetten und Akkordeons, tanze Tango mit den Zehen auf dem Teppich. All die Figuren der Macht tanzen ihr seltsames Ballett vor den Kameras der Welt, ich sehe ihre Münder sich bewegen und höre nichts, schreibe ihnen Texte ins Maul, die nur ich hören kann. Was ist die Wirklichkeit? Was man mir zu sehen gibt, oder was ich sehe? Sommer lochen sich und heften ab, wie immer, bald platzt meine Hitze wieder zu freilebendem Schweiß, aber heute, heutzutage, jetzt, pflege ich,
Melancholie, streichle die Agonie zu seufzenden Anti-Spasmen und fühle mich wohl, tief in meinem Ich vergraben, sauge Leben aus den Tropfen, die mich regnen und träume vom Schlaf in Wolkenfeldern, dort hinten, im Immernass. Die Welt tropft perfekt, ich atme dünne Schleier, neble mich, bin ganz in mir. Chopin hüllt mich, Rilke liebt mich, Gedichte netzen mich, dort im Web, so dicht an dicht, zu mir. Es graut in der Mitte des Sommers.
Agnostikergebet #14
Sommernacht 35
16.07.2011 22:20:44
In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.
Mitten im Sommer zur Nacht
03.07.2011 21:24:15
Ein leichter Wind wedelt Barock aus den Subwoofern durch die Riesen, betört die Blätter, die sich sonnen, still steht der Mais, lässt sich kleine Wedel wachsen. Unrasiert, die Felder reifen das Korn stechen den Hafer. Asparagus wächst auf Spargelhügeln. Ferne Hügel grüßen Richtfunkmasten. Alte Antennen sehen fern, greinen leise Kuhlenkampf. Kirschen röten, Rüben dürsten leicht. Eichel hähern zu den Straßenbahnen, Bussarde fuchsen Autobahnen. Mein Schlaf staut Geigen, wolkt in Rosa. Grau bläst weiß im Balett ungeregneter Wolken. Kleine Kissen küssen bald meine Stirn. Bald morgent das Rot über den Hügeln, die sich Berge nennen. Ein leichter Wind treibt Schuppen auf die Tastaturen, regnet Vogelzwitscher. Fern dröhnt ein Google durch ein Plus. Kein Facebook haucht. Ich atme Ruhe zu den Sternen, dort, die man bald sehen wird...
Agnostikergebet #12
Steigt ruhig aus, wir klatschen uns Mohn.
18.06.2011 19:47:08Die Götter steigen aus, brüllen die Fliegen in meinen Blättern. Klatsch. Meine Name ist Mohn. Ungesäht. Immmer dicht am Weizen. Rot. Den Häschern, die mit den Spritzen tanzen, vom Genozid gerutscht, immer. Am Rand da. Rot zwischen all dem Grün und dem gelbenden Weizen, wie schon zu Zeiten.

Dreck in der Gene, brüllen die frechen Knospen und saufen heimlich an den geschützten Halmen das Gift und kichern, kreischen laut zu dem Loch dort oben, himmeln die Wolken, weil sie regnen können, echte Wasser.
Sie kreischen im Wind, der sie schaukelt, bis sie kommen. Rot. Zwischen all dem Grün. Bald wird der Drescher mähen, dröhnen und wie immer wird er ein paar von uns verschonen, wir sind rot zwischen all dem Grün, er rafft nur das Gelb zu den Mühlen, gemahlen und gebacken für die Götter in Weißbrot. Sie steigen aus, die Götter in Schwarz, lispeln die Libellen, wenn die Mittagshitze mich flirrt. Rot. Am Rand, hart am Weizen, was interessieren uns Weiße, die sich schwarz nennen? Wir sind ausgestiegen, nein, nie eingestiegen, hart am Weizen, gegrünt, errötet für zwei Monate um wieder zu grünen. Wir waren nie eingestiegen, immer hart am Weizen. Rot geklatscht. Wir müssen nicht aussteigen. Wir waren nie drin. Die Jungen, ganz in ihrem Grün küssen das Gelb der Körner, rufen laut nach dem Regen, tanzen im Sturm. Zucken die Achseln und saugen am Gift und schwanken. "Don't callem black", lachen sie in die Noten des Sommerblues. Sie steigen aus und schielen heimlich nach dem Fahrer, der vielleicht doch weiterfährt, wir waren nie drin, draußen am Rand, rot und hart am Weizen. Wir bleiben und klatschen uns Mohn. Steigt, steigt aus, ja aus. Raus mit Euch. Ich tanze meine Atome, rot geklatscht. mein Name ist Mohn, klatsch.
Schleifen Betten zur Nacht
16.05.2011 22:39:40
Schatten schleichen über die Finsternis, die aus den Fenstern der Lichter quillt. Die Angst aus Miriaden von Löwenzähnen geblasen, tanzt auf dem Rücken der Raupen, die einst schmetterten, im Bauch der Linge. Ich stülpe Schirme zu Tropfen, Regen soll ich mich. Tropfen saugen Dürre, scherzen, pfützen, wässern über den Mut. Willig pudel ich Wohl zu Nass. Edel sei das Alko und hol. Zwanzigtausend Schwalben fangen Sommer zu Fliegen. Mein Wohl seint sich zu Haus. Ich spriche Wort. Einst menschten Vögel. Schatten schleichen, schleifen Betten zur Nacht.
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