04.03.10
Angeln drehen sich, die Abend Nachrichten
Der Drehpunkt angelt, spucken die Menschen aus den Fischen. Selbst Herr Battels quietscht den Rost unter den Zehennägeln hinaus. Der Angelpunkt dreht sich, jubeln die Schweine, die im Netz nach Schlämmen suhlen. Die Kinder der Oligarchen, Monarchen und anderen Archaikern spielen selbstvergessen in leeren Zementsäcken, die Klone der Kanzlerin für sie blasen. In den Windkammern unter den Bohnenstangen ficken Tornados streichelnde Tsunamis, die schon längst keine Tränen mehr treten. Judas hatte schon lange die Silberlinge zurückgebastelt, er handelt jetzt mit Gold für Zyklopenzähne. Die Riesen aus dem Münsterland verstecken sich unter den Röcken der Zwergenpriester des Kraichgaus und kauen die Bernsteine aus dem Jura weich, das sich in Kalk zurückstudiert. Prinzessinnen aus reiner Fastennacht kegeln mit den Hoden der Elfenräte, ratet mal, wer sich zu Kegeln richtet.
Das Wetter findet erst wieder in drei Wochen statt, wenn sich die Autobahnen aus der Reha rollen. Ich träume mir Pupillen in die Brust, jenseits der Warzen.
26.02.10
Mystilene
Ein herrliches Grau stieg von der samten Schwärze des lieblichen Teers langsam in den Qualm des ersten Tageslichts. Aus den Gullys wucherten bereits die Wohlgerüche der Oxidenz und langsam begannen die Schatten zu erwachen, bereit auch heute wieder zu kämpfen. Doch zunächst sogen sie an den Gullys, reckten die verschleimten Näslein rotzig in den Wind, wirbelten sich durcheinander, zeugten die Jungen für die Nacht, die wieder kommen würde, die alles verschlingende Bigötterin, die schattenlose Mystilene. Ohne Kommandos, Befehle, lautlos formierten sie sich und warteten. Gnadenlos, ohne Emotionen, mit ausgeschalteten Geschlechtswerkzeugen harrten sie der Dinge, die da kommen sollten. Millisekunden, Sekunden, wenn es denn sein müsste sogar Minuten. Sie wurden nie enttäuscht, der Feind kam jeden Morgen, seit Jahrtausenden, so auch heute. Zwischen den Betonplatten hatten die Vollender Zwischenräume gelassen, für das Böse, ewige Prüfung für die Schatten, die allumfassende mystische regenerative Mutation des unewiglich Seienden. Ein kurzes Flackern nur, aber die Schatten wussten. Das Grün bahnte sich seinen Weg durch den Beton dem Licht entgegen, grünophyllte den Leben spendeten Stickstoff ihren Herrn entgegen. Und die Schlacht tobte wie jeden Tag , Reifen um Reifen, Auspuff um Auspuff und doch siegte das Grün wie selbstverständlich jeden Tag, sprengte den Beton drei my-Meter mehr. Doch die Schatten feierten ihre Niederlage mit der untergehenden Sonne, sie siegten in die Nacht, wie jeden Tag, lösten sich auf, wie das Grün in der Nacht. Dreizehn Kerzen flackern draußen am Fluss zur Nacht, lachen sich Schatten aus den Jungen für das nächste Theater, drinnen im Tag.
20.02.10
Päckchen
In diesen dicken Regenwolken, die von Atlantik, Salz und frischem Wind erzählen, stecken meine Gedanken. Ich spende sie der Menschheit, nicht dass sie gebraucht würden. Nein, niemand muss sie annehmen, man kann sie getrösteten Mutes weiterleiten, in die Mülltonne kippen, ganz wie es dem werten Herrn und Frau Gehirn genehm. Gedankenspenden sind der Hit der Saison, niemand kann sich dagegen wehren, so wenig wie gegen die Sommerhits, die bestochene DJeis in den Radiostationen jahrjährlich generieren. Die Uno rief zunächst dazu auf, hoffte sie doch liberale und tolerante Gedanken allen Menschen zur Verfügung stellen zu können, auch und gerade in den Diktaturen dieser Welt. Wussten sie schon, dass reine Gedanken sprachlos sind? Bar einer herkömmlichen Menschensprache, die über die Zungen wandern müssen? Die Menschen machten sich Gedanken, in den Fernsehstationen gerannen die Spezials durch die Mattscheiben, die Zeitschriften gaben Anleitungen zum verpacken, sogar die Rolling Stones und das Orchester der Mailänder Skala, samt dem Fanclub von Che Guevarra machte mit, zeigte, wie man Gedanken packt und in der Luft frei setzt, an diesen magischen Punkten, die der Mufti von Kairo, der Oberrabiner von New York, der Papst und der Bischof von Canterbury zusammen mit Fidel Castro in die Wiesen und Haine der Welt gesprochen, gebetet und polemisiert hatten. Aus der Bevölkerung des Planeten streckten die Nachfahren der Schamanen ihre Nasen in den Wind und hielten sich bereit die Gedanken aufzufangen, zu entpacken und allen zur Verfügung zu stellen. Für drei Wochen standen die Kriege still, selbst die Lobbyisten in Brüssel, Washington, Paris, London und Berlin lächelten öfter und dann geriet der erste Geheimndienst in Panik. Er packte geköderte Gedanken aus der Desinformation und Agitation in manipulierte Gedankenpäckchen, alle anderen Agenturen, selbst die kleinste Geldwäscherei und Werbefuzzerei spielten nun mit. Nach weiteren drei Wochen hatten die Regierungen, Verbände und die üblichen Hintergrundfamilien die Sache wie üblich in der Hand, die Gedanken waren in nichts mehr zu unterscheiden von den Werbe- und Nachrichtenmanipulationen, die täglich in unsere Köpfe geblasen werden. Glücklich hauen sich die Soldaten wieder die Köpfe ein, die Fanatiker pflegen ihren Hass und den Rest hat die Melancholie der Resignation wieder ergriffen und sie pfeifen selbst im Winter noch den Sommerhit der Saison. Ich packe weiterhin fröhlich meine Gedanken und puste sie in die Luft, gebe sie frei zum kopieren, liege nur ganz wenig von den üblichen entfernt, nur so weit, dass man sie noch als meine erkennt und gebe sie frei zum kopieren und eigene ausgeben. Es ist mir egal, ob das nutzlos ist und ich deshalb keinen Schekel, Euro, Dollar, Taler, Denar oder Lira verdiene. Ich kann nicht mehr aufhören, die Gedanken springen von selbst in ie Päckchen, so wie in dieses. Gefällt es Euch, wollt ihr es weiter schicken, in die Wolken, die von Atlantik, Salz und nur leichter Freiheit beim Wein erzählen?
DIESER Text unterliegt keinerlei Beschränkungen, er darf frei kopiert werden, weitergesponnen, zerstückelt, remixt. Er ist frei, wie es selbst Vögel nicht sind. Er muss bei der Weitergabe auch nicht meinen Namen tragen. It's free. Enjoy!
29.12.09
Drei Könige, der Gral und der Tempel des Merkur
Eine Spurensuche, gebloggt und versiegelt! ![]()
Ich liebe die 3 Könige, bescheren sie mir doch jedes Jahr einen Feiertag. Doch, bei uns schon, ich arbeite in Baden-Württemberg. Lasset uns preisen und sternsingen. Aber dieses Jahr wollte ich schon wissen, warum man in Bayern und hier (Sachsen-Anhalt auch, ich weiß) die Feier tagt und ja, ich war auch einst ein Sternsinger. Immer der Schwarze mit dem Rauchfass. Aber wozu das alles? Hei, in Köln haben sie um die 3 Könige Caspar, Melchior und Balthasar einen Dom außen herum gebaut, macht sich gut als Kulisse für den Bahnhof und das Früh, obwohl sie in Kölle gar kein Feiertag dazu haben, alaaf.
Wenn man aber voll ins Reliquien-Recherche-Buisness einsteigt, findet man mal wieder Helena, die auch die 3 Könige fand. Immer diese Helena. Klar, die Grabkirche, das Kreuz Christi. Und ja, das Zeug liegt jetzt in Wien. Reichskleinodien. Doch. Die heilige Lanze und die Kreuzpartikel, alles HÖCHSTE Schätze des Reiches deutscher Nation. Lacht nicht. Das trugen die deutschen Kaiser, samt den österreichischen, absolute Machtpolitiker, alle. Sogar der braune Nazi-Österreicher ließ sie wieder aus Wien nach Nürnberg bringen. 1938!
Irgendwie scheint ja da doch 'was 'dran zu sein.. Helena, Mutter von Konstantin. Gründer von Konstantinopel. Römischer Kaiser, erst in Trier und dann im gesamten Weltreich. Hei, das war auch kein Waisenknabe, ein harter Krieger, erhob das Christentum fast schon zur Staatsreligion oder so und mischte gleich in den Konzilen umher.
Ja, ja diese Helena. Hei, da fällt mir ein: Trier, da war ich doch gerade. Und dort lebte diese Helena. Genau. Dort haben sie einen Dom um den heiligen Rock herum gebaut, auch von Helena gestiftet. Wie gesagt, das ist nicht irgendein bigotter Pippi-Kram. Da ging es neben dem religiösen Eifer um hohe Politik. Das ist TOPP. Da hängt sogar die UNESCO mit drin. Alles kulturelles Welterbe!
"Du solltest über den Gral schreiben." Fast wäre das Laptop umgefallen. Ich saß in der wlan-Kneipe in Ladenburgs Altstadt und googelte das Siehe-Oben vor mich hin, als mich eine Frau von hinten ansprach. "Nochmal über den Gral, das von letztem Jahr war ja nicht so der Hit". Ich konnte immer noch nichts sagen, so etwas war mir noch nie passiert. "Hei, guck nicht so, ich lese Dein Blog, das Blog, ich weiß und hätte ich kommentiert, dann wären wir auch per Du". Was es nicht alles gab, Blog-Fans in offener Wildbahn. Verstörend allerdings war die Tatsache, dass es eine Dame mit Palästinenser-Tuch um den Kopf war und dem Aussehen nach eine Frau vom Mare Nostrum. Ein Namensschild verriet, dass es sich um eine Stadtführerin namens H. Caspar-Melchior handelte. Fast hätte ich gelacht, fast.."Das ist natürlich ein Pseudonym", sagte sie auf das Schild äugend, „Fast.. Aber ich erzähle Dir die Story, willst Du mitbloggen?“ Ein Nicken verließ meinen Hals. Kein Ton fand die Kehle.
Und ich schrieb mit:
Natürlich hat Helena all diese Dinge nicht gefunden. Selbstverständlich nicht. Dafür hatten solche Leute schon immer ihre Leute, egal ob Sklaven oder andere mehr oder weniger fest Angestellte. Man ließ buddeln und finden. Es waren die kleinen Leute, wie immer und die kleinen Leute verraten den großen Leuten nicht alles, nicht immer alles. So auch hier. Helena hatte unter ihrem Gevolke auch eine kleine Frisösin, die in den Hauptgrabungsleiter verschossen war und ihm überallhin nachfolgte. Und als ihr Angehimmelter das Grab fand, es spielt gar keine Rolle, ob das echt war, da fand SIE einen vergammelten Becher. Einen Tonbecher. "Das Trinkgefäß vom letzten Abendmahl", feixte einer der Buddler. Frisösen galten schon in der Antike als nicht allzu helle, sehr zu Unrecht. "Vom letzten Abendmahl", hauchte sie, "der Gral" und nahm ihn mit. Interessierte ja niemand. Jeder wusste, damals schon dass Joshua, Jesus
24.12.09
Die Geschichte von einem Christkind, St. Martin, Nikolaus und der Liebe.

St. Martin saß glasigen Auges in dieser Pinte kurz vor 5 Uhr morgens, sein letztes, schales Bier stand nur halb ausgetrunken vor ihm. Eher belustigt denn schockiert sah er zu, wie der Nikolaus herzallerliebst das Christkind abknutschte, mit den Händen überall, außer in seinem Sack. Seit 2 Stunden saßen sie jetzt hier, völlig abgekämpft von der schweren Arbeit als Heilige, Gutmenschvorbild und Xmess-Stresser. Nach dem Ende des eigentlichen Adventsgeschäftes war es besonders schlimm. Die trüben Dezembertage vergehen kaum, nach dieser völlig bescheuerten Zeitumstellung, wenn die Abenddunkelheit das Gemüt wie ein Virenhaufen befällt und der zweite Feiertag, samt anschließendem Urlaub noch so Fern ist. Da tat es gut, wenigstens gemeinsam abzuhängen. Seit Jahrhunderten gönnte er sich diesen Luxus, im letzten Quartal, zusammen mit Nikolaus, diesem Schwerenöter, der immer hübschere Dinger zu seinen Christkindchen machte. Seit ungefähr 120 Jahren ging er ihnen auch an die Wäsche, vor 40 Jahren wollte er sogar heiraten, aber der Alte ließ es nicht zu, sein Zölibat gelte auch als Heiliger weiter, na ja, man weiß ja, was dann kommt.
St. Martin als ehemaliger Bischofskollege von Niki wusste, wovon er sprach. Er hatte diese Saison mit einer Verkäuferin für Laternen angebandelt, was ihn immer noch ein Grinsen abrang, wusste sie doch nichts von seiner Identität, er freute sich sehr auf den heutigen freien Abend, den er in ihrem Bett zu verbringen gedachte.
Er tatschte Nikolaus auf die Schulter und dem Christkind auf den Hintern : "Auf lasst uns gehen, die Haia ruft". Das Christkind zog den weißen Bart von Nikolaus aus seinem Dekolleté, gähnte herzhaft und murrte: "Das sach ich schon seit einer Stunde, komm Alter, nach dem Gefummel brauch ich das jetzt oder mindestens ein Bett unter dem Hintern". Es kreischte gackernd auf, als auch Nikolaus ihrem Hintern Respekt zollte und sich ächzend erhob, die Last der 1700 Jahre in den Knochen. "Also denn,in einem Jahr, in alter Frische, dann geht der Scheiß wieder von vorne los".
Das Christkind bekam große Augen und sprach: "Nein, heute lieben wir uns, wir zwei und Martin Christiane auch, den lieben langen Tag, samt der heiligen Nacht ". Der Nikolaus vergaß weiter zu grinsen und bekam Augen, wie vor 1800 Jahren, in Erstaunen aufgerissen und hörte weiter zu. " Diese Liebe geben wir dann weiter, feucht, heiß, urmenschlich und deshalb göttlich, endlich mal göttlich und alle geschlechtsreifen Menschen werden sich lieben wie wir , in dieser heiligen Nacht". Martin wollte laut lachen, bis ihm das Bild immer mehr gefiel und er ihm verfiel.
Nikolaus dachte nur kurz an den Chef und dann an die kommende Nacht. Und die vielen Menschen, die sich lieben würden. Es würde ein schöner heiliger Abend sein, der beste, seit 1000 Jahren. Er betrachtete voller Achtung dieses Christkind 2009 und bestellte zum Abschluss noch eine Runde roten Secco aus Lützelsachsen. Stumm stießen sie an und wussten, dass die restlichen Jahre hier vergnüglicher sein würden. St. Martin hatte den Verdacht, dass der Alte sehr wohl Bescheid wüsste, wenn er sich so das Christkind ansah. Und prompt zwinkerte es ihm zu und sang ganz leise "Halleluja alle Welt , liebt euch ihr Christen aller Orten, Gloria in exelcis..."
Josef, dem Wirt vom Beichtstuhl wars auch so recht, der Umsatz würde auch mit Secco stimmen und er betrachtete zum ersten mal seine schon ältere Nacht-Bedienung mit neuen Augen und freute sich auf morgen, auch wenn er weder an das Christkind samt den anderen zwei glaubte. Maria schaute ihm mit Augen, die schon so manche Auferstehung sahen, in die seinen, bis alles weihnachtlich erstrahlte.
14.12.09
Rüssel so blau, Einhardt, mein Einhorn
Mein Einhorn hat einen blauen Rüssel. Ich weiß es gibt keine Einhörner, schon gar nicht mit blauen Rüsseln. Ich weiß, das klingt alles zu sehr nach Boulevard, nach Lügenzeitung. Dennoch hat mein Einhorn einen blauen Rüssel. Es ist ein schöner Rüssel, faltenfrei und in reinstem kobaltblau gewachsen. Wenn das Einhorn... Nein, es ist schon lange nicht mehr das Einhorn für mich. Einhardt. Mein Einhorn heißt Einhardt und ist ein Zwitter. Wenn Einhardt also seinihren Rüssel, nein, nicht das eine primäre Geschlechtsmerkmal ist damit gemeint, obwohl auch dieses allerliebst gewachsen ist, wenn auch nicht blau, sondern pink, wenn Reinhardt also seinihren Rüssel schwingt, dann bebt am grauen Himmel der Sommer, selbst bei tiefstem Frost. Die Wolken gebären lächelnde Nebel, die nur noch ganz wenig ätzen, sauer wie wir sie schufen.
Die Schar beiger Mäuse, die Einhardt immer folgte, geriet dann in Verzückung und sie priesen ihren FrauHerrn. „Gelobt sei der Rüssel im Gender“, psalmodierten sie und Einhardt verdrehte dann die Augen, es störte ihnsie sehr, gottähnlich besungen zu werden, aber ersie liebte nicht nur mich sondern auch beige Mäuse, eigentlich alles Getier und so ertrug ersie das Gepreise. Reinhardt glaubte nicht an Gott, auch nicht an Götter. Wie sollte ersie auch. Kann man sich ein religiöses Einhorn vorstellen? Absurd die Vorstellung, wenn nicht alle Religion absurd wäre, betrachtet man sie nur von außen. Trotzdem ist das psalmodiernde Mäuse-Gloria allerliebst anzuhören, man muss genau hinhören, schwingt doch Einhardt seine Rüssel nur in der Nähe tosender Autobahnen, ersie erwartet immer die Ankunft. Nein, nicht den Advent, ersie ist nicht religiös, nicht wahr.
Er wartet auf sein Pendant, wie heißen zwittrige Geliebter? Es sollte ihm an DIESER Autobahn begegnen. Einhardt wusste nicht so ganz genau, ob sein Pendant denn auch zwittrig wäre, aber er war ja flexibel, auf alles eingestellt, wie sollte man das als Zwitter anders sein, ersie kannte noch nicht einmal eine Farbe, noch ob da ein Rüssel auf sieihn warten würde. Aber wie seinihre Menschenschesternbrüder wartete ersie jetzt schon so lange, dass er fast vergessen hatte warum und wozu. Das Warten an sich war der Zweck, nein nicht der Weg. Kein Ziel, nein, Einhardt war InDichter, seit wann ist Dichtung gezielt? So schön der Rüssel, so blau.. Ersie liebt mich, wie auch die beigen Mäuse und alles Getier. Ich streichle zärtlich seinen Rüssel und warte mit ihmihr. Nur den Rüssel, so blau, nur den. Wir träumen und warten..
Nein, ich heiße nicht Gordot, ach wie gut das niemand irgendetwas weiß. Wir warten auf die Ankunft, nein es ist nicht Advent. Rüssel so blau, in der Sonne der Nebel.
22.11.09
Auch eine Elfe muss mal Pipi
"Auch eine Elfe muss mal Pipi", sprach Gerdlinde unbedacht, als die Eflenfee Pusta Bluma auftauchte. "Dann mach mal", sagte sie. Vor Erstaunen musste Gerdlinde urplötzlich nicht mehr. Die große aufgeklärt-abgeklärte-emanzipierte Frau, die schon 1975 für die Abtreibung demonstrierte, saß einer Elfle gegnüber, auch noch einer Fee. "Du kannst schon mal", sagte sie. "Danke", nickte die Elfe, und ging. Frau hörte das Wasser der Spülung rauschen und die Elfe streckte ihren Kopf zur Tür heraus. "Hast Du mal 'ne Binde?", fragte sie. Gerdlinde konnte nur noch nicken und den Beutel zur Tür durch reichen. Jetzt menstruierte sie sogar mit einer Elfe, es wurde immer chaotischer. Die Elfe kam aus dem Bad, ging zum Schrank und genehmigte sich einen Grappa. "Das hab ich jetzt gebraucht", ginste sie. "Meinen 3-Wünsche-Sack hab' ich in der Tosacna vergessen, den Goldstaub diesem Jüngling hinter Verona geschenkt und den Feenstab in einem Restaurant in Basel stehen lassen, wenn meine Chefin das erfährt, ist für die nächsten 4 Wochen Schluss mit 'rumelfen, dann steht Goldstaub waschen auf dem Programm." Sie winkte , sprach : "Danke, nächstesmal komm ich mit "3-Wünsche-Sack wieder", und verschwand durch den Monitor des Rechners.
Gerdlinde kippte auch einen Grappa, und schrieb erstmal eine Exposè zum Thema : "Die Normalität des Jenseitigen in der Ideenskala von Bloch". Es wollte aber nicht so recht flutschen, sie dachte mehr an Jünglinge in Verona, Basler Restaurants und was sie sich wünschen könnte. "Auch eine Elfe muss mal Pipi", sprach sie , wartete ängstlich ein paar Minuten und ging dann aufseufzend zum Bad.
21.11.09
Wunder
Irre ich mich? Geschehen heute keine Wunder mehr ? Genau. Keine. Garkeine. Ich wundere mich immer wieder, dass heute keine Wunder mehr geschehen. Irgendwann muss das aufgehört haben. Früher gab es immer Wunder, liest man allenthalben. Warum heute nicht mehr? Es muss etwas wunderbares sein, ein Wunder erleben zu können. Wie erkennt man eigentlich Wunder? Gibt es da Spezifikationen, Kompatibiltätstest, Qualitätsmanagmentsyteme, Zertifikationen, Audits ? Es kann doch nicht ein jeder Kreti sagen: Das ist ein Wunder.
Es gibt klar doch: Wunderfälscher, Scharlatane, Dumme-Leute-Verarscher, was haben wir gelacht.
Davon sei nicht die Rede, sondern von ernsthaften Wundern. Mich wundert zum Beispiel immer wieder, dass ich morgens trotzallem immer wieder erwache, dass es tatsächlich irgendwann immer wieder Sommer wird. Ich bewundere den Weg dort hinten, kurz vor der Autobahn, mit seinem alljährlichen Erblühen der grün-weißen Brenesselverhauen, aber das ist auch nicht das Wunder. Das Wunder ist die Autobahn, dass sie noch keiner gesprengt hat, nur um das Geräusch los zu sein, endlich wieder die Frösche am Bach nebenan in aller Klarheit singen zu hören.
Es ist für mich ein Wunder, dass noch kein Niemand nicht die subalterne allfarbige Berufs-Politikerkaste aus Juristen, Lehrern und allesfarbigen Betriebswirten von den Fleischtöpfen der Diätenpolitik vertrieben hat und die Lobbys zu Sitzgruppen reinkarniert. Das wären Wunder, wer spricht von Spontanheilung, wer spricht davon, dass Beine nachwachsen, wer spricht davon, dass endlich der mir redlich erwünschte Lottogewinn auf mich silbert. Es wäre doch ein Wunder, wunderte ich mich nicht.
05.11.09
Ach wie so öde, dieses Twitterdings, eine Zeitung von der Brücken-Saar
In der Saarbrücker Zeitung stand ein reichlich dämlicher Artikel eines blasierten Redakteurs, der sich die Mühe machte persönlich zu twittern und heraus fand, dass ihm das alles nichts sagt. Ich las es in meiner Twitter-Timeline (so nennt man im engelländlichen Twitterland die Auflistung aller „Tweets“ meiner „Follower“ ) , folgte diesem Link , erregte mich nur leicht und kurzzeitig, um dann müde abzuwinken.
Noch so ein Typ halt, der sich wichtig machen will und das auch noch unspannend schreibt. Irgendetwas hatte dieser Artikel aber. Nein, keine Provokation, ach das hatten wir doch schon im Frühjahr mit einem Zeitredakteur, nein, es ist diese Art Artikel, die Machart.
Herr Manderscheid (im Netz nicht gerade als der investigativste aller Journallier zu finden) meldete sich also an, nach den Berichten über die Studentenunruhen im Iran und deren Kommunikation via Twitter und bekam seinen Account nicht zum laufen. Er saß in der Ecke und wartete darauf, dass man ihn fand. Das funktioniert so nicht. Im wahren Leben auch nicht. Wer immer nur einsam in der Ecke eines Cafes sitzt, wird auch nach 3 Monaten konstatieren, dass diese Stadt, das Land, sonstwerwas unkommunikativ sei, uninteressant, völlig überhypet. Er schrieb Mails an Bekannte sie sollen ihm folgen (also auch twittern und sich mit ihm dort unterhalten), er kam nie auf die Idee selbst zu suchen.
Die Millionen von Leuten dort zu beobachten, zu interagieren. Er schreibt wenigstens nichts davon. Statt dessen sucht er im Netz und findet seine Fakten, die ihn belegen. Hhm. Eigentlich nicht weiter schlimm, wäre es ein Blogeintrag eines Menschen, der gerade achselzuckend eine Netzerfahrung mehr abhakt. Wäre ihm gegönnt.
Nur ist das eben ein halbseitiger Artikel der führenden Zeitung eines Bundeslandes, in dessen Hauptstadt erscheinend, mit über 1500000 Abonnenten, zur Holtzbrink-Gruppe gehörend, die auch StudiVZ bertreibt, z.B. und es war ein Journalist, der das schrieb. Steht wenigstens da. Redaktionsmitglied. Und hallo, DAS ist die Art von Recherche, die man heute so betreibt? Die blasierte Anti-Neugierde eines Mittdreißigers (spekuliere ich einfach einmal) für die Peer-Group als neues mediales Leitbild?
Mein Gott, Twitter hat eine Suchfunktion und was hätte man da alles finden können. Eine sich regelmäßig treffende Twitter-Gruppe mit einem prominenten saarländischen Landtagsabgeordenten, der auch sonst munter mittwittert. Saarländische Industrielle, die mit Herzblut twittern und bloggen, ja auch zum diesem Thema. Mit einem Schlag all das Getwittere zum politischen Neuland „Jamaika“-Koalition. Doch, es wurde wie wild getwittert, als die Grünen abstimmten, die grüne Jugend Saar versorgte uns live mit Nachrichten.
Nur ein paar Twitter-Abfragen hätten den Herrn Redaktionsmitglied-Schreiber mitten hinein katapultiert in eine quicklebendige und hochinteressante saarländische Twitter-Umgebung, die sehr wahrscheinlich auch Kunde der Saarbrücker Zeitung ist. Kunde, nicht nur Leser. Aber, dass Leser Kunden einer Zeitung sind ist noch zu neu für die meisten Redaktionen. Kunden sind wohl eher immer noch die Werbeschalter, die gerade etwas unpässlich sind, die armen.
DAS macht mich so perplex an diesem Artikel. Die bewusste Nicht-Recherche, das gar nicht wissen wollen, einfach nur das vor sich hin auf dem Redakteurs-Stuhl schaukeln, ja nicht dem Volke aufs Maul schauen wollen. Und ja dann äußert sich der Twitter-Redakteur und spricht von Fakten. Genau diese Haltung lässt mich böses ahnen, für die Zukunft der Gazetten. Solche Artikel wollt ihr irgendwann online VERKAUFEN, DamensHerren Qualitäts-Print-Journalisten mit neuen Rechten gestärkt aus schwarz-gelbem Geblüt?
Nein, nicht wegen des Verriss. Das soll und darf mannfrau. Nein, die Art, dieses blasierte, aufgeblasene, naiv-arrogante Nicht-Recherieren wollen (doch können tut er bestimmt).
Man könnte sich tatsächlich auch um besseren „Content“ bemühen, wenn man denn demnächst auf „payed Content“ setzen will, bei den Gazetten. Und hoffentlich bleibt es dabei.
Aber meine Zweifel werden immer größer, siehe oben.
26.09.09
Spitzen stechen
Die Spitzen stechen. Ich weiß, sie stechen und hauen. Die Spitzen. Die vor uns her zogen, die, oh nein, der Adel ist aussätzig, ich weiß, aber sie stechen immer noch, die Spitzen, sie duellieren sich bis es elefantet. Alle Spitzen duellen, triellen, sogar zu acht pirschen sie die Jagd. Und ihr, die ihr den Spitzen dient, den „vor euch her-zogen“ hinterherzockelt, trottelt, ihr Nichtspitzen, dummes Volk höret:
Glaubt an unsere Sprüche, geht in die Knie, wenn unsere Agenturen Euch bläuen, dumme Sprüche in Euer leeres Hirn streuen, denn wir die Spitzen, die vor euch herzogen, wir fürsten Euch, denn ihr habt sie die Stimme
und wehe Euch ihr Trottler und Zockler, wehe Euch, wenn ihr bezahlen müsst, denn wer sonst sollte bezahlen, wehe Euch.... wenn ihr nicht uns erwählet, sonst wird es NOCH teurer, denn sehet, die vor Euch Her zogen waren oder sie werden sein gierig und fähig bis zum Un. Seht, wie wir uns stechen, wir spitzen, bis ihr stimmt... zu und Kreuz. Kreuz...Kreuzigt Euch, wir die Spitzen duellen uns. Eleison!
14.09.09
Tölfen
Mit angewinkelten Ohren stehe ich auf der Lichtung und hebe meine Flügel dem Wind entgegen, wie es Ölfenmaman lehrte. Ich warte schon lange und werde noch länger warten. Seit meiner Einverleibung waren erst 3 Umdrehungen dieser blass strahlenden Frühlingswonne vergangen. Ich glühe noch ein wenig vom Eindringen des Kumulators. Fast wie ein gewöhnlicher Mensch drang er mit seinem Penikumulu in mich ein, flutete mich mit seinen freundlichen Gedanken und Säften aus Lebenslust und Ölfenweiss und auf dem Höhepunkt seiner Lust trieb er mit seinem Samen aus Muschellapislazuli meine Bernsteinflügel aus, bis ich in einem gewaltigen Ökograsmus ölfte. Mit den frisch kumulurten Flügeln flog ich hoch hinaus in meine Sehnsucht und suchte. Maman hatte mir gesagt, es würde so sein. Ich streichelte den Wind aus dieser Wüste meiner Kindheit und ließ Ölfensanft regnen über Gute und Böse, bis die Pfirsischblüten orange glühten, zwei Millisekunden lang, in allen Grotten der Menschenfrauen und die Stängelchen der Männermenschen spurteten.
Ich flog über Horizonte aus Dummheit und die Schwärze der Böslichkeit. Ich zerteilte die Wolken der Missgunst bis sie Glück regneten auf unfruchtbare Nester, die Sonnen aus wehmütiger Toleranz streichelte ich, bis sie glühten in hell entzücktem Grellorange nach Rotfrühtomatengrün. In blauer Luft aus Gloriafüll zerschwamm ich Verbrecheralben zu Kunstdrucksalben, ich verbreitete mich vor.
Die Ohren sanft angelegt höre ich das Rauschen aus Millionen Kronen von Bonsaipalmen unter Urwaldeicheln und Du kamst. Der sanfte Tölf aus Braunkohlenasche, gebärt für mich von Ölfenpapan, steht vor mir mit erigierter Nase, dem Lächeln aus 3 Milliarden Nächtigen und diesem neuen Tag. Mit Selbstver ständlicht er seine Nase aus Nebelschwingen in mein Reich der absurdeligen Seen und ich verströme aus meiner Gebärerin Glücksbrezelschamire. Kleine Lieben wachsen wonniglich auf unserer Haut, saugen, qualmen, schmatzen, zungen, vereinigen sich, ölen uns mit ihren Säften und Schäften aus Honigmond und Weltuntermelanchie. Dem Penikumulo eingedenk, vereinige ich uns und die Lieben, die lieben, zu unserer Vereinheitlichung im Dualismus der Freiheitzügich und vögel dir Flügel, Dir meinem Tölf.
12.09.09
Die Sache mit den Plakaten
Ok, ich habe geholfen Wahlplakate aufzuhängen. Was macht man nicht alles. Wenigstens stand nicht WUMMS darauf. Und das Plakat „Frauen nach oben“ mit den zwei lila Pfeilen vor eine katholische Kirche zu platzieren, machte mir diebische Freude. Jetzt hängen sie derweilen 3 Wochen umher, zwischen all den anderen Plakaten und ich frage mich doch immer wieder: Zu was eigentlich?
Um die Menschen daran zu erinnern, dass Wahl ist? Denn sie sind in ihrer allparteilichen Gesamtheit hässlich, zerschaudern die Gegend, manchmal sind sie sogar Gehirn zerschandelnd. Trotzdem gibt es zu jeder Wahl wieder Plakate, von denen die Agenturen behaupten, sie würden irgendetwas bewirken. Unterschwellig, tiefengedingsbumst, mit eigenen Geldern wüssenschaftlich gestudiet, dadurch gewirksamt.
Ich persönlich glaube eher, dass mit der wachsenden Zahl an Parteien und somit auch der Plakate die Wahlverdrießung steigt, einfach wegen der geistigen Verwahrlosung, die ästhetisch damit einhergeht. Aber all die Nutznießer, die un- samt mittelbar damit Beschäftigten der Agenturen und der Spindoktoren-Industrie flüstern den Mächtigen in den Parteien zu: DAS ist Wahlkampf, viele Sprüche, Tapeziertische in Fußgängerzonen, Wahlkampfreden, die nur der eigen Anhang mitanhört und Plakate, Plakate, Plakate.
Es ist eigentlich fürchterlich wurscht, was denn da auf den Plakaten steht, man nimmt es doch eher unterbewissend wahr, wie das die Profi-Wahlkampf-Behüter in ihrer Weisheit bestimmen. Und dann kommt mir die Erleuchtung: Das ist eine perfide Art die Druckmaschinenindustrie staatlich zu subventionieren und die Druckereien, damit es den Zeitungen (samt ihren Printmüttergebärern) nicht NOCH schlechter geht. Eine heimliche Allianz der Radio-Fernseh-Hasser, die jetzt gerade das Netz entdeckt und mit Appellchen, Mannifästchen und ähnlichem Geschröcklichem das Fürchten lehrt. Ein Geheimbündnis, das wohl in den Kellern der gutenbergischen Museen fröhliche druckschwarze Messen feiert.
Aber tief in mir weiß ich es: Das kann noch nicht alles sein. Irgendwelche finsteren Machenschaften bedarf es noch, um alle Wahlen wieder dieses absonderliche Flut von Farben, dummen Sprüchen, überdimensionalen Passfotos und grafischen Absurditäten zu entfesseln und dann fallen mir die Schuppen vor die Augen. (Wie, falsches Bild? Ihre Schuppen wachsen nicht auf dem Kopf?) Es ist die Kleberindustrie. Wie viele Tonnen Kleber wird in den Wahlkämpfen gebraucht, benötigt? Na, merken sie was? Nein, ich werde hier keine Firmennamen nennen. Guguggelt Euch selbst und zieht eure Schlüsse. Die Parteiobrigkeit jedweder Couleur wird es dennoch nicht tun, wetten?
Haltet durch, bis zum nächsten Wahl.
06.09.09
Einwürfe (1)
Freie Füße für alle Bürger schrieb er auf die Straßen und die Hände applaudierten in die Stille der Heimsuchung. Lasst uns alle Tippelschwestern werden, Brüder, schrie er in die Sonnenaufgänge der frühen September, unter geschlossenen Cabrio-Dächern hechelnd. Durch die Ritzen seiner verrosteten Laube floss das Leid der frühen Lieben auf die Pflaster, die sich in der Altstadt holpern. Die Meta hackte auf seiner Physik lyrische Matrizen in die Fraktale der Mandelbrote. Freie Füße skandierte er zu Urbi, freie Füße und sonst nichts. Wer braucht schon freie Gedanken, pfiff er sich die Taugenichtse, freie Füße braucht das Land.
29.08.09
Rita
Peter sprang. Es tat nicht weh. Der Schatten war wirklich nicht lang. Nicht viel länger als er selbst an diesem Morgen. Er sprang und war drüben. Auf der anderen Seite. Er war über seinen eigenen Schatten gesprungen. Drüben an der Mauer stand Rita und kaute auf einem Grashalm. Sie hatte wieder Hesse gelesen, wusste er dann, seinen Narziss. Auf der anderen Seite des Schattens war die Welt nicht viel anders. Langsam schlenderte er auf sie zu. Was hatte er sich nicht alles vorgenommen für die Welt drüben, jenseits des Schattens. Aber nichts davon tat er. Er stand da und blickte Rita an. Ging zu ihr hin und nahm ihr den Grashalm aus dem Mund, steckte ihn in seinen. Ihre Augen leuchteten auf, maßen ihn neu, lasen die Reste des Schattens weg. „Hi“, sagte er. „Hi“, antwortete sie. „So ist das also“, sinnierte er mehr zu sich selbst, als zu dem schönen Mädchen an seiner Seite, mit dem er schlafen wollte, seit ja -, seit er daran überhaupt nur denken konnte. Er las in ihren Augen die Geschichte vom Glück im Bett unter den Vorhängen aus Tüll, im Auto auf dem Rücksitz, die Wonnen aus Brüsten, Lippen und Backen. Er sah Kinder und Schwiegermütter, Onkel und Tanten, Bankkonten und Sofas. Näher und näher rückte er an Rita heran, roch ihren heißen Atem, der noch nach dem Strohhalm schmeckte, er dachte kurz daran, dass es wohl Gerste war und begann zu singen. Jenseits der Schatten war er Tenor und Dirigent, Drummer und Gittarist, Keyboarder und Leadsänger, auch wenn das Feuer in Ritas Augen erlosch. Die Sofas qualmten in den Grillfeuern der Onkel, die Tanten lachten schrill zu den Hasstiraden der Schwiegermütter. Peter sprang zurück. Aber die Schatten waren verschwunden. Er sprang in die Leere seines einsamen Bettes, sang sein Lied, immer lauter, heftiger, stampfte mit den Füßen, warf seinen Kopf in den Nacken, die Hände an seinem Glied und Rita schrumpfte. Zu dieser schattenlosen Gestalt, die er kannte. Ruhe überkam ihn. Langsam schlenderte er erneut auf Rita zu, nahm sie am Arm und leitete sie in den Porsche von Christoph, der nach Schwiegermutter, Sauna im Haus und Swimmingpool neben der Garage duftete. Er rupfte direkt neben Christophs Schatten einen Grashalm, nahm seinen Hesse und wanderte zu Fuß die so oft befahrene Straße hinab, lachte den Mädchen zu, die auf dem Weg zum See kaum ihre Brüste verbargen, die im Takt der Schlaglöcher über den Fahrrädern wippten. Rote Lippen und kleine Zehen waren jenseits der Schatten und das Licht dieser Frau, die auf ihn wartete, dort in den Tiefen seiner Geschichte, was wusste schon Hesse, was Rita, was Mama von ihm. Und da war er wieder sein Schatten. Leicht sprang er hin, her, hinüber und zurück. „Was sind schon Schatten“, lachte er in Ritas Gesicht, küsste sie leicht und ging wieder. Er war Peter, der Schattenspringer. Mochte sie mitkommen oder auch nicht, da ging es lang. Er gab ihr Grashalm und Narziss und schwang sich durch die Luft davon.
(Wiedervorlage aus 2003)
20.08.09
Sehnsucht unter Kopfhörern
Meditaion zu Choro para metronome. Berceuse a jussara. Baden Powell.
Auf Gitarrensaiten tanz ich grüne Schatten durch die Blätter der bevögelten Bäume, die keines Menschenhand je beschnitzte. Gedankensalven jag ich durch die Haine der Maikäferdruiden, die sich unter der Autobahnsichel Ameisen schälen. Noch besoffen vom letzten Schnee brennnesseln die Wildgänse kurze Gesangskaskaden, bis bald schon, bald, das Konzert der Frösche die nächtliche Sinfonie in die Kröten des Sommers unken wird. Eiche hörnen sich im Wind, die Libellen grüßen die Cousinenhubschrauber der ehemaligen Besatzer, die in Kaskaden neue Krieger begleiten, drunten in den Wüsten des Südens. Mein Ich fliegt mit den Fingern den Akkorden entlang, nur meine Hände schweben, die ersten Schnaken zu verscheuchen. Die Sehnsucht unter Kopfhörern gebiert einen neuen Sambaschritt, den der Fuchs drüben in seiner Höhle trottet. Nacht erhebt sich aus den Feldern, mein Bett ruft von fern.
