Kategorie: Gedankenwinden
Dies ist das Archiv von eeMBee 2004 - 02/2012
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Mannheim Mainz IC 2216
18.11.2011 09:10:22Gnädige Nebel bedecken die Türme der chemischen Fabrik, die Ebene schiebt sich dem Fluss entlang, Zeitungen rascheln, die Pads wischen die Smartphones, Tastaturen klappern, die abgernteten Weinberge hüsteln Restalkohl aus den Rieslingblättern der rheinhessischen Hügeln, die sich rheinen. Durch die Kopfhörer stöpseln Notenwolken in die Stammzellen der mozartschen Popgehirne. Kreditkarten knipsen Handytickets, Telefone säuseln Geliebte, Kollegen sezieren, alte Männer seufzen junge Damen. Dome türmen Prälatensehnsüchte, Schiffe hornen Nebel.
Suntne Angeli?
13.09.2011 18:28:49
Bianca Garde plant ein eBook. Bianca ist regelmäßigen Besuchern dieses Blogs als Veranstalterin des Adventspodcast bekannt. Sie veranstaltet jetzt eine Blogparade über den Arbeitsplatz der Zukunft für Wissensarbeiter. Hatte ich gelesen, bin ich nicht, abgehakt, bis Bianca den Link zu Uwe's Blogpost twitterte und ich erschrak. Zutiefst. Ich las (Zitat) "Damit wird es meinem Arbeitgeber möglich, zu atmen". Und ich schluckte. Und dann wurde ich von Bianca und Uwe auf Twitter aufgefordert doch etwas zu schreiben und also beschloss ich zu paradieren.
Vor fast einem Jahr postete ich dieses Gedicht
Atme Fabrik, atme,
atme mich ein
atme mich aus
aus aus aus
und noch mal
ein ein ein
was gibt es
mehr als dein
Fabrikchen zu
sein HERR!
freudenberg
Ein lyrischer Kommentar zur Zumutung einer totalen, nicht selbst verantwortlichten Verfügbarkeit.
Sag nicht human zu Resources!
(Der Einfachheit halber noch einmal hier eingestellt)
Einer der wenigen Male, da ich meinen Job ins Blog brachte. Die Sache ist auch noch nicht ausgestanden, das mit der atmenden Fabrik, vielleicht ist es die Zukunft, ich befürchte es sogar. Ich bin Schichtarbeiter in der Produktion, mit dem Blick zur doch schon nahen Rente, es wird einem vieles egal, es trifft nur noch für ein paar Jährchen zu, wenn überhaupt. Und doch. Das regte mich auf.
Und da gibt es Menschen, gewiss symphatische, die Solches freiwillig tun wollen, sich möglichereise in die Spirale der Selbstausbeutung bewegen wollen, ohne Tarifverträge, ohne einen Hauch von Solidarität gemeinsam Handelnder? Der totale Verzicht auf irgendwelche organisierte Kollegialität? Alles alleine aushandeln, ohne zu bedenken vielleicht über den Tisch gezogen zu werden? Für mich läuft das alles auf eine negative Versteigerung hinaus, wie sie in den frühkapitalistischen englischen Bergwerken üblich war. Der Patron versteigerte die Berechtigung zur Arbeit im Schacht, Flöz für Flöz an konkurrierende Steigergruppen, die sich unterbieten mussten, damit das Unternehmen atmen konnte. Nein, so schlimm will das niemand mehr, ich weiß, obwohl wenn man so manche US-republikanische Stimmen hört......
Ich denke es wird einige Kämpfe geben,
Gänsehaut und die Army im Wald. Noch.
31.08.2011 19:43:53
Eine junge amerikanische Frau, wahrscheinlich latinischer Abkunft, latscht mit einem Gewehr in der Hand und staubbedeckter Uniform, mit fast perfektem Lidschatten und Lippenstift aufgetragen, missmutig durch den Lampertheimer Wald, das Haar zum Pferdeschwanz gebunden, nur notdürftig vom Stahlhelm bedeckt, wahrscheinlich hatte sie das Geländespiel beim Biwak satt, während ich zutiefst zufrieden nach einer feierabendlichen Radtour an den Altrhein nach Hause mit dem Rad nach Hause fahre.

Nein, es herrscht kein Krieg, nein. Dieser Schießplatz um die Ecke exerzierte wohl schon zu Wehrmachtszeiten. Vor einiger Zeit wurde ich an gleicher Stelle, auf dem Weg zu einer Kreismitgliederversammlung von männlichen Kollegen der Dame dort angehalten, mit vorgehaltener Maschinenpistole, bis mich ein Seargent schreiend befreite, excusing, excusing, Sir, Sir, das ist ein ganz normaler Fahrradweg durch den Wald. Eigentlich eine Normalität hier in der Gegend. Die Army und wir.

Meine Tochter hat ihren Mann als Army-Soldat kennengelernt. Wenn ich nach Mannheim fahre, dann fahre ich kilometerlang an Kasernen vorbei, der PX, den Clubs. Ich war selbst Soldat und kenne die Situation an einem Spätsommertag Pfadfinderspiele mit Gewehr tätigen zu müssen. Buisness as usal. Und doch. Da geht eine Kriegerin. Es ist nie weit weg. Um die Ecke. Die netten Leute, die mit der Waffe in der Hand Kriege führen, dort und dort. Ach, ich urteile nicht. Diese einfache Rechnung zwischen Krieger und Frieder ist zu einfach. Befreier, Friedensbewahrer, Imperialist, brutale Killer. Alles durcheinander. Und doch bekomme ich Gänsehaut, immer wenn nicht nur ein Panzer an mir vorbeifährt, ein Heli die Luft verpestet, Jets schneller schallen, sondern schlicht eine Kriegerin mit ihrem Gewehr durch "meinen" Wald läuft. Das Fragile schlemmt das Chaos. Nichts ist weit weg. Morgen könnte sie in Lybien schießen müssen, oder wo auch immer. Nichts ist so romantisch wie es ist. Nichts. Unser Leben ruht auf Panzerfäusten. Doch, auch wenn wir es nicht wollen, nicht sehen. Mitten im Wald, dort wo die Brombeeren sich rehen und die Förster die Wälder entsäuern und Maikäfer... 2015 sind sie weg die Amis, ich weiß nicht ob mir das gefällt, sie waren immer da, so lange ich lebe. Hhhmm.
Klar hab' ich Namen
09.08.2011 18:49:36
Ach, wie gut, dass niemand weiß, dass ich mikelbower heiß'. Edison Arantes do Nascimento, kennt ihr nicht, nein? Als Pelé kennt ihn die Welt, wenigstens die Älteren unter uns. Aber Herbert Ernst Karl Frahm werden Sie da, Sie, doch wohl kennen? Na, ein Friedensnobelpreisträger. Gut, als Bundeskanzler hieß er Willy Brandt. Dass Benedikt der XVI (immer in römischen Ziffern, gell!)Ratzinger heißt, weiß dagegen selbst die Bildzeitung. Wenn sich eine Menschin, oder Mensch in ein Kloster zurückzieht um gemäß den Regeln des jeweiligen Ordens ein mehr oder weniger kontemplatives Leben zu führen, erhält ersie einen neuen Namen, für ein neues Leben.
Tausende Bücher berichten vom wahren Namen, von den geheimen Namen. Klarnamen. Einfach ein Unfug. Ein Unwort. Unbedeutend. Ich will davon nichts wissen, die Debatte ist eine Scheindebatte, ein Nebenskriegschauplatz. Nein, ich meine nicht die Dämlichkeit, die in und über Google+ geführt wird, das ist mir egal, ich bin dort 'raus. Dort debattiert die selbsternannte Netzgemeinde über ihre digitale Leben, sie essen Bits und trinken Terrabytes, atmen Kupferstaub in Elektronen. Oder so.
Im Internet geboren. Einst wurde man am Rosenmontag geboren. Klarnamen. Was hätte ein Klarname geändert, was eine Internetpatroullie? Das ist Polizeiarbeit, NACHDEM etwas passiert ist. Wollt ihr etwa alle, die krudes Gedankengut (ich weiß, so manch einer hält auch dieses Blog dafür, geschenkt), die krudes Gedankengut auf den Servern, die die Welt bedeuten, veröffentlich irgendwie aus dem Verkehr ziehen?
NEIN, man kann nichts ins Internet schreiben. Nur auf die Datenträger von vernetzten Servern.
Worry, Angela Worry
24.07.2011 18:48:40Die Geheimnisse waren abkommandiert zum Straßenbau, sie rissen auf, steinten, gruben, leitungten, teerten zu. Alles war klar und einfach. Easy sangen sie. Easy. Sie nannten sich Worry, gestatten mein Name ist Worry, Angela Worry. Mit den Geheimnissen verschwanden die Zweifel. Alles hatte seine Ordnung. Derdie große Abgeordnete, alle 17 Jahre per Akklamation gewählt, wusste alles, konnte alles und lenkte die Massen. Alle waren von einander getrennt, streng. Nein, nicht rassistisch, nein, nein. Nur genetisch. Streng nach Religion und für die Religionslosen hatte derdie große Abgeordnete die Unreligion gegründet, deren hoher DealerIn ersie war. Keiner hetzte über den anderen, keine Kriege, keine Diskussionen. Alle blieben unter sich, geschlechtliche Vermischung war genetisch unterbunden, es gab keine Zweifel, keine Ausnahmen. Die Blauen hatten ihre Welt, die Grünen, selbst die rot-braunen. Eifersüchtige Götter waren gestutzt, gestreichelt waren durch Gebetsverweigerung weichgekocht, nein, keine Standbilder waren gestürzt, kein Kirche geschändet, keine Moschee, keine Synagoge, kein Tempel, kein Hain geschändet. Alles lief in Bahnen, wie es die Gründerväter der Welt einst verkündeten. Der Multi Kulti war besiegt, in die ewige Verdammnis gestreichelt, debattiert, instrumentalisiert, gebombt, geschossen.
Nur die Geheimnisse vergruben die Zweifel, die Hoffnung, das Prickeln, das Herzklopfen, die Unvernunft und das Risiko in die Erde, schütteten sie in die Kanalisation, damit der Ungehorsam wieder Freude lutschen würde und der Multi wieder Kult wäre, alles durcheinander, übereinander, nebeneinander, ineinander. Und die Worrys würden komplexe Chorsätze in 45 Rhytmen singen zu den Trommeln ihrer Gelächter und die Liebe ließe auch den Hass beben. Herzen werden pochten und meinen sie wären Schmetterlinge. Und wieder werden sie sich mischen, streiten und beten. Was auch immer. Vielleicht dann zusammen, vielleicht, mal in der Moschee,mal im gotischen Dom, vielleicht. Die Geheimnisse grinsen und graben, geteert, nicht gefedert, sehr wohl Frau Worry, Angela Worry.
Sommer graut
21.07.2011 21:03:29
Es graut in der Mitte des Sommers, die Temperaturen des Frühlings lagen höher, es tropft seit Tagen von üppigen Blättern, das Korn dahin, blanke Furchen bräunen in die Äcker, der Blues springt aus allen Playern, Sting melancholiert aus mp3s. Seltsam wird mir dann immer. Sonnenentzug. Meine Marktplätze entleert, die Stellen im Wald so fern. Alles schwimmt im inneren Nebel des Egal. Milliarden wieder einmal, ja und? Der Stress wird getestet? Ach ja. Wie furchtbar. Nichts regt mich auf, nichts regt mich an und doch: Ich kann schreiben, schreiben, schreiben. Die täglichen Katastrophen berühren nicht mein Innerstes, ich schaffe neue, reite auf der Wehmut, lausche Klarinetten und Akkordeons, tanze Tango mit den Zehen auf dem Teppich. All die Figuren der Macht tanzen ihr seltsames Ballett vor den Kameras der Welt, ich sehe ihre Münder sich bewegen und höre nichts, schreibe ihnen Texte ins Maul, die nur ich hören kann. Was ist die Wirklichkeit? Was man mir zu sehen gibt, oder was ich sehe? Sommer lochen sich und heften ab, wie immer, bald platzt meine Hitze wieder zu freilebendem Schweiß, aber heute, heutzutage, jetzt, pflege ich,
Melancholie, streichle die Agonie zu seufzenden Anti-Spasmen und fühle mich wohl, tief in meinem Ich vergraben, sauge Leben aus den Tropfen, die mich regnen und träume vom Schlaf in Wolkenfeldern, dort hinten, im Immernass. Die Welt tropft perfekt, ich atme dünne Schleier, neble mich, bin ganz in mir. Chopin hüllt mich, Rilke liebt mich, Gedichte netzen mich, dort im Web, so dicht an dicht, zu mir. Es graut in der Mitte des Sommers.
Agnostikergebet #14
Sommernacht 35
16.07.2011 22:20:44
In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.In Zeiten der kurzen Nächte, wenn die Geister auf Mondschatten schlittern und sich nackten, purzeln kleine Bäume. Zwei Schlafe wachen auf den Stoppeln, die Mäher rasierten, Ströhe entflechten behütet. Wolken schafen blau. Ob die Sterne wiederscheinen, drunten im Strahlien? Kohle stresst in Banken. Lasset uns zinsen, unter den Decken vermehren, reiben, nicht die Daumen. Schnell, schnell, bevor wieder die langen Tage grauen, uns aus den Decken treiben. Keine Kälte treibt uns Triebe. Wir dämmern, entzünden Dunkel für die Fackeln, die sonst ungesehen. Flackern wollen wir und munkeln, bis Haut kühlt an Haut. Wir tanzen die Sonnen zur Nacht. Schütteln Macht. In den Zeiten der Helligkeit wächst trautes Dunkel in Hertzen. Bienen sammeln das Wachs des Winters. Es ist Sommer mein Liebling, die Rasen spritzen und noch soweit das Glühen der Weine.
Bürgerbeteiligung und Kommunikation
24.06.2011 11:19:51Tanzschulen für das Medienparkett?
(Gedankenwinden, einer Konversation auf Twitter geschuldet, an diesem Artikel aufgehängt)
So viel davon gehört, Stuttgart inspiriert, in Arabien demonstriert, in tausend Wahlprogrammen verkündet. Basisdemokratie. Und eigentlich weiß keiner so genau, wie das funktionieren soll. Ich auch nicht. Wie viele Menschen können direkt miteinander kommunizieren? Der Tanz der Alpha-Männchen mit den Alpha-Weibchen auf dem Parkett der Medien.
Schwierig. Wie beteiligt man Bürger an diesen Tänzen? Bürgerreporter, Bürgerjournalisten. Hhhm. Was ist da anders, letztendlich? Noch ein weiterer Tanz auf einem neuen Parkett und wer bezahlt das? Ja, ja, das Internet, die Blogs. Auch die kosten Geld. UND: Auch Bürger sind nicht unabhängig, sogar gefährdet, wenn es um brisante Dinge geht, wenn viel Geld mitspielt, bräuchte man auch Bürgeranwälte dann. Klar, die Quasi-Monopolisten in den lokalen Gazetten ärgern immer wieder. Schlampig recherchiert, einseitig geschrieben, uninspiriert. UND: Der Investor, das Verlagshaus bestimmt den Kurs. Das sind Unternehmen, die Geld verdienen müssen, wollen, sollen.
Gerade verklagen ein Paar Medienzare die ARD wegen der Tagesschau-App, eine Bürgerbeteiligung via GEZ, öffentliches Geld quasi. Wir leisten uns öffentlich-rechtliche Monster, doch, aber sind sie nicht notwendig? Über die Wahlen können wir wenigstens indirekt über den Kurs dieser Giganten bestimmen. Wie beteiligt sind wir bei Springer oder der Haas-Gruppe in Mannheim, dem Verlag Martin&Söhne in Viernheim, wer bestimmt die Richtung in den lokalen Internet-Dingern?
Öffentlich-rechtliche Lokal-Medien? Nur ein weiterer Tanzplatz für das alte Spiel. PR und Gegen-PR. Information und Desinformation. Und dann die Journalisten: die lokalen nebenberuflichen Berichterstatter, die für ein paar Euro zu den seltsamsten Veranstaltungen geschickt werden, die Redakteure, unterbezahlt, desillusioniert, die Nebenzimmer-Politik hassend, zwischen 2 Apfelschorle gepresst oder Weizen. Immer das gleiche Spiel. Beleidigte Politik (und oft zu recht), von den Eitelkeiten der Subprominenz (oft zu Recht) genervte Journalisten, Medienhäuser, denen die Einnahmequellen wegbrechen. UND: Genervte, gelangweilte Leser/Hörer/Zuschauer, die genau wissen, dass da noch nicht einmal die Hälfte steht, weil das nicht geht. Weil der Verlag das anordnet, weil man dem Größt-Grundbesitzer nicht ungestraft in die Seele schaut, weil nur die Oberfläche abgebildet wird.
Bürgerkommunikation. Hhhm. Beteiligung ohne öffentliche Kommunikation? Ich weiß nicht, wie das geht. Den meisten Menschen ist das sowieso egal. Sie fühlen, sie werden beschissen, egal ob sie das wirklich werden. Sie wissen sehr genau, dass sie manipuliert werden, aber sie wollen das auch gar nicht ändern. Sie wüssten auch gar nicht wie. Hhm. Eine Frage der Kompetenz. Sollte man vielleicht damit anfangen? Medienkompetenz aufbauen? Schulen? Wie entstehen Meldungen, warum steht was wo, wird gesendet, gestreamt und warum wird etwas weggelassen.
Warum bleiben wir selbst nicht am Ball, nach 14 Tagen können wir ein Thema nicht mehr hören, sehen, lesen, es nervt uns? Nein, die Blogsphäre, die es einheitlich ja auch gar nicht gibt, ist keine allmächtliche Lösung. Was weiß ich. Ich weiß nur, dass ich durch das Bloglesen, durch die RSS-Feeds der Zeitungen, der Sender, seit neuestem auch der Twitter-Ticker noch kritischer geworden bin, ich suche immer nach einer zweiten Meinung, versuche übergreifender zu denken, begreife nichts mehr als " schwarz auf weiß" als "wie gedruckt", verstehe, ahne den Tanz. Ich bin medienkompetenter geworden. Doch.
Und vielleicht könnte das jemand pädagogisieren ohne über Bratwurstjournalismus zu polemisieren, ohne den großen Zeigefinger des Oberlehrers zu bezwinkeln, ohne Sonntagsreden über die 4. Gewalt, ohne die Beschwörung von Revalutionen, ohne Altäre für das eigene Ego zu beweihräuchern, ohne Verlegerverbände, ohne Journalistenverbände, ohne sonstiges Gelobbe?
Wenn das nur jemand machen würde. Ich kann das nicht, bin nicht die Persönlichkeit dafür, politisch gebunden. Ein BarCamp für (lokale) Medienkompetenz, eine UnKonferenz als Anfang? Eine Entmystifizierung?
Tanzschulen für das Medienparkett!
#hach
Steigt ruhig aus, wir klatschen uns Mohn.
18.06.2011 19:47:08Die Götter steigen aus, brüllen die Fliegen in meinen Blättern. Klatsch. Meine Name ist Mohn. Ungesäht. Immmer dicht am Weizen. Rot. Den Häschern, die mit den Spritzen tanzen, vom Genozid gerutscht, immer. Am Rand da. Rot zwischen all dem Grün und dem gelbenden Weizen, wie schon zu Zeiten.

Dreck in der Gene, brüllen die frechen Knospen und saufen heimlich an den geschützten Halmen das Gift und kichern, kreischen laut zu dem Loch dort oben, himmeln die Wolken, weil sie regnen können, echte Wasser.
Sie kreischen im Wind, der sie schaukelt, bis sie kommen. Rot. Zwischen all dem Grün. Bald wird der Drescher mähen, dröhnen und wie immer wird er ein paar von uns verschonen, wir sind rot zwischen all dem Grün, er rafft nur das Gelb zu den Mühlen, gemahlen und gebacken für die Götter in Weißbrot. Sie steigen aus, die Götter in Schwarz, lispeln die Libellen, wenn die Mittagshitze mich flirrt. Rot. Am Rand, hart am Weizen, was interessieren uns Weiße, die sich schwarz nennen? Wir sind ausgestiegen, nein, nie eingestiegen, hart am Weizen, gegrünt, errötet für zwei Monate um wieder zu grünen. Wir waren nie eingestiegen, immer hart am Weizen. Rot geklatscht. Wir müssen nicht aussteigen. Wir waren nie drin. Die Jungen, ganz in ihrem Grün küssen das Gelb der Körner, rufen laut nach dem Regen, tanzen im Sturm. Zucken die Achseln und saugen am Gift und schwanken. "Don't callem black", lachen sie in die Noten des Sommerblues. Sie steigen aus und schielen heimlich nach dem Fahrer, der vielleicht doch weiterfährt, wir waren nie drin, draußen am Rand, rot und hart am Weizen. Wir bleiben und klatschen uns Mohn. Steigt, steigt aus, ja aus. Raus mit Euch. Ich tanze meine Atome, rot geklatscht. mein Name ist Mohn, klatsch.
Rhein, so Rhein
11.06.2011 13:32:18Ein Launen-Bericht!
Noch einmal am Rhein sitzen, in Mannheim. Zum Abschluss der Tour. Zwei Tage Rhein, mit der Bahn und dem Rad. Das Mittelrheintal. Die Weltkultur hat es geerbt, von der Uneseco aus Genf und New York, keiner weiß, was dies bedeutet. Von Bingen nach Boppard und dann weiter nach Koblenz. Eine Nacht und dann zurück mit der Bahn, bis Bingen und rechts-rheinisch den Rheingau entlang an Wiesbaden vorbei nach Mainz. Von dort mit der Bahn zur main-station, wie die Straßenbahnen jetzt verkünden, nach dem die Amis abrücken, demnächst und dann zum Restaurant am Fluss.
Der Rhein. Mythos, Abwasserkanal, Wasserstraße, Trinkwasserreservoir, unsere Verbindung zum Meer, umkämpft, erobert, untertan gemacht. Grenze seit Römertagen und noch im kalten Krieg Rückzugslinie der Nato, vor den potentiellen kommunistischen Horden aus dem Osten.

Der Rhein, wie er behäbig dahin fließend aus meiner geliebten ober-rheinischen Tiefebene, zwischen die Schiefergebirge gepresst, wild strudelt.
Burg an Burg trutzt und das Blut erahnen lässt, das die Fehden der Herren am Rheine von ihren Leibeigenen abpressten. Turm an Turm, Kirche an Kirche verkündet das Tal des Stroms eisenfaust-behelmtes Kristentum im gerosteten Schwert, von römischen Truppen einst eingeschleift, in die germanischen Wälder.
so Wik, mein i
10.12.2010 21:20:10250 tausend Depeschen weiter sehen wir uns an, die Wahrheit und ich. Man fasst es nicht, aber DIE Wahrheit saß auf meinem Schoß und betrachtete mit mir die Wikileaks Depeschen, alle, einzeln, ausdauernd, nachhaltig, inniglich. Und dann lachten wir. Ich wollte sie küssen, aber DIE Wahrheit rutschte von meinen Knien und tanzte, dass es sie gar nicht gäbe und außerdem asexuell oder besser okto-sexuell sei, was ich aber wohl nicht verstünde. Es gäbe immer 5000 Wahrheiten, statistisch gesehen, so ungefähr. Und sie sei eben MEINE Wahrheit, eben gerade, so wahr wie all die Depeschen. “SO wahr?” fragte ich und zog sie wieder auf meine Schenkel. Sie hopste auf und ab und zeigte auf die letzte Depesche. So. Ich las und sah sie schwinden. Lametta-Depeschen küssten die Wahrheit und zerkringelten sich zersilbert ins All.
250 tausend Depeschen küssen mich. Auf meinem Schoß liegen Krümel des Weihnachtsbrezels. Ich verkaufe meine Zweifel den nagenden Grübeleien, aktie sie und drücke sie dem Geldwertenvorteil in die Nasenlöcher, bis er prustet. All die Depeschen. Ich rammte meine letzten Zungenschnalzer ins Netz. Spinnen beginnen. Netze für Depeschen und kein Staub auf den Servern. Garten hacken Gänseblümchen. Für dich, sag nicht Wahrheit zu mir, depeschiere nicht! Ach, Wiki...
Gebete eines Agnostikers #4 – Bin ich?
22.10.2010 22:36:41...diesen Gott gäbe es nicht. Es sei ein Falschgott, ein Dämon, ein Schatten des wahren Gottes. Man dürfe auf keinen Fall zu ihm beten. Mein Lächeln versteckte sich im Ernst und winkelte den Mund nach unten, wollte überleben. Ich wusste nicht was beten ist. Natürlich kannte ich das Wort, hörte die Menschen von Türmen brüllen, aus Kirchen dröhnen, Orgeln jaulen, Rosenkränze schwingen, aber ich wusste nicht, was beten bedeutet. Dessen ungeachtet war diese Unerkenntnis nicht so schlimm, wie das Wissen, dass ich weder jenen falschen, noch den wahren Gott kannte. Noch schlimmer die Tragik des Nachdenkens. Was schadet ein Gebet, was das denn dies auch sei, zu einem nicht existenten falschen Gott? Es geht ins Nichts. Da ich auch dem wahren Gott in hintersten Zentren meiner Gehirnwindung keine Existenz zubillige, wären alle Gebete harmlos. Gingen ins Nichts. Prallten in die Nichtexistenz. Sind sinnlos. Oder ist daher dieses Nichts, das Nicht-Seiende der Gott, der weder falsch noch wahr ist, sondern NICHT ist, der wirkliche Gott, der Nichtgott sozusagen? Treffen ihn doch letztlich alle Gebete, was immer auch solchiges sein mag. Erschaffen die Gebete der Menschen erst die respektiven Götter im Nichts? Ich MUSS beten lernen. Ich bräuchte doch so dringend einen Gott, der mich erschafft......
Ich fische nicht
25.09.2010 11:45:50Unter meinen Füßen blühten Forellen, die leichtfüßig die Straße entlang tänzelten, ihre Dessous lässig über die Schultern geworfen. Der Geruch nach Fisch ließ meine Heimat erzittern und tausend spritzende Parfumkanonen agierten über den Lüftern. Susu, meine Fliege, wirbelte meinen Beinen entlang, auf der Suche nach Schweiß. Heute aber waren sie trocken, harrten der Dinge, die unter Wasser kommen würden, wenn all die Unterwasserwesen über die Felder geflogen waren. Im Wasser, das man atmen kann, klar wie an dem Tag, als die Schöpfung ihre Kerze ausblies und es zu dämmern begann.
Nur diese Forelle, die sonst zwei Leben lang die Liebe lacht, weint bunten Sand, damit meine Fuß die Steine fände, daran zu stoßen. Der Tropfen Blut aus der Senke, die nach Wörrishofen zielt sang noch einmal das Ave Eva und versank hinter dem Mond, der seit Wochen voll am Mittagshimmel hing. Es waren die Schurken der Mitternachtsbleich, die ihren endlosen Monolog in die Wüste des Seins schrammten, es ward Morgen und Abend und zu Mittag verneigte sich meine Kantine, weil...
Pseudoreligiöses
05.09.2010 11:52:19Nur ein kleiner Hinweis, ein Gedanken winden, ein glossen zur tabulosen Debatte der Kandesbunzlerin...
Ich denke, all das Geschwafel über Migration, Integration, Leitkultur und all die anderen Hilflosigkeiten, hängen eng mit unserer säkularen Gesellschaft zusammen, dem kultischen schlechthin, der Religion.
Ein überwiegender Teil der Menschen hier hat mit den „alten“ Vorgaben der einst mächtigen Kirchen nichts mehr am Hut, hat sie sich abgeschminkt, bleibt fern oder ist ausgetreten wie ich, war nie Teil davon, wie der Osten mehrheitlich.
Ich spreche vom Muff dieser Institutionen, der Spießigkeit ihrer Erscheinungsformen, ihren eifersüchtigen Göttern, die bis ins Detail, gerade im sexuellen Bereich alles deuten und beherrschen wollten, sich gegenseitig abgrenzten, gegen andere Sekten aufhetzen, und dazu rechne ich inzwischen sowohl die evangelische wie auch die katholische Kirche in der BRD. Das alles hat man in weiten Teilen abgelegt, oder glaubt jemand ernsthaft, die Mehrheit selbst katholischer Kirchgänger hält sich tatsächlich an die perversen Verbote von Pille und Kondomen? Da können sich die Hassprediger in den „kath. Netzen“ oder die selbst ernannten bigotten katholischen Blogs noch so abgeifern (nein, keine Links für diese Szene), wir leben in einer säkularen Welt, die sich langsam aber sicher beginnt, eigene Werte zu schaffen, alte zu integrieren, neue auszuprobieren und das hat alles zunächst nichts mit Atheismus zu tun, sondern mit dem frei schaufeln, emanzipieren, Kopf lüften.
Ich will auch niemanden seinen Glauben vermiesen,
Tw...ain das, Mark
30.08.2010 21:02:36...erzählen MUSS, auch wenn es in der falschen Kehle enden sollte. Gestern war ich in einer dieser Buchhandlungen, wie sie eigentlich nur in Köln und New York vorkommen. Klein, muffig und seltsamst sortiert. Ich hoffte ein antiquarisches Werk von Mark Twain zu finden, dessen Titel ich nicht mehr genau wusste, es war seine Reisebeschreibung unter anderem von Heidelberg. Und wie soll ich es sagen: Statt des Westens empfing mich der Orient. Ein liebenswerter Alter wohl mittelasiatischer Herkunft, lenkte mich von den wohligen Proportionen der Verkäuferin ab und versuchte mir allen möglichen Plunder aufzuschwatzen. Ich hatte meinen guten Tag und hörte zu, obwohl ich noch allerhand zu twittern und mein eigenes Blog upzudaten hatte. Der Alte konnte noch nicht einmal deutsch lesen und sehr zu meinem Entzücken musste die Verkäuferin die Titel vorlesen, die der Alte mir empfahl. Wir durchforsteten den ganzen Laden, fanden vom Tigris bis zur Etsch, von der Wolga bis zur Weschnitz dutzende von Büchern, die Flussreisen beschrieben, leider keines vom Neckar, schon gar nicht von Mark Twain. Immer, wenn der Alte mit dem unausprechlichen Namen in seine Erinnerungen an heimatliche Flüsse abdriften wollte und die Verkäuferin verschwand, fragte ich nach neuen Flussbüchern, wollte in diese fernen Ecken mit der Verkäuferin, aber der Alte blieb beharrlich. Dann kam die Krönung: Ein orthodox gekleideter Jude mit diesen lustigen Locken und pausbäckiger Koscherlust betrat den Laden und sofort hetzte der Alte mich auf ihn, er sei irgendso ein Guru, ich solle ihm die Frage nach dem Buch stellen, er hätte auf alles eine Antwort. Die Verkäuferin blickte mich neugierig an, mehr als ich bisher an Blicken erhielt und ich fragte den lieben Menschen mit dem Hut. "Stammen sie aus der Gegend ?", fragte er zurück. Verschämt gestand ich meine Herkunft ein. "Dann brauchen sie doch keine Reisebeschreibung, oder?", wandte sich ab um in seine Thora zu stieren. Verblüfft brach ich in helles Gelächter aus, die Verkäuferin mit, nur der Alte blickte Ernst. "Sie beschämen mich, werter Kunde, suchen sie doch vergeblich nach einem dieser Bücher, die dem Menschen das Herz erwärmen". Jetzt war es an mir ihn zu trösten, ich erzählte ihm, ich sei Dialektdichter und wolle einige Gedichte zu Twain verfassen, von Zyniker zu Zyniker sozusagen, auf dass ein gewisser Abglanz seines Ruhmes auf mich falle. Da strahlten die Augen des Alten. Sehr vernünftig fand er dies Unterfangen ( seinem Schwiegersohn fiele sowas nie ein ) und so poetisch, Tränen standen in seinen Augen, wie sehr zu meiner Verblüffung der Verkäuferin auch. "Kaffeemauswaldi", flüsterte sie nur, " Du?" Konsterniert blickte ich in das Unverständnis des lieben Alten samt nun aufmerksamem Weisen. "Ich bin Zisternchen", hauchte sie. Und wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Seit 3 Monaten schon twitterten, dichteten, alberten wir Da stand sie nun. Schnell arrangierte der Alte eine Lesung von mir in dieser Bücherei, und die Verkäuferin sollte, aber sie flüsterte mir nur zu googleBooks die url ....
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