Kategorie: Texte
01.01.09
Der SchillerCode
Oder: Kein Dahlberg da?
(Ein nicht ganz ernstzunehmender Beitrag zum Schillerjahr 2009)
Rauschkauf oder Kaufrausch. Mannheim im Dezember des Herrn 2008. Die Planken und keine Krise in Sicht. Noch, denn dort stand Rosi. So heißt Roswitha seit 1972. Ihr Blick auf mein Notebook und ein Leuchten samt Glitzern kam in die Augen. „Gedichte? Schreiben? Darf ich zusehen?“. Nein, nein, nein, kein Rauschkauf, kein noch ein Secco? „Recherche“, bellte ich scharf „historischer Thriller.“ Wenigstens das Glitzern war weg. „Du? Historischer Thriller? In Mannheim?“ „Glaubst du, ich kann das nicht, hä?“ Das Leuchten war weg, dafür funkelte es.
„Du vielleicht, na ja, aber Mannheim? Jesu Nachkommen im Jungbusch?“ Sie gackerte und funkelte im rechten Auge. Eigentlich wollte ich ja nur nach gebrauchten Akkus für das Notebook suchen in den Quadraten. Jetzt aber war ich gefordert.
„Komm mit!“ Ich zog sie an den Händen, sehr zu ihrem Erstaunen, die Gassen entlang und zerrte sie ins Quadrat B3. „Siehst Du?“ Patina wucherte auf einem Sockel. „Schiller, ja und? Muss ich jetzt glocken?“ Ein Gelächter jagte über den Platz. „Ach so Schillerjahr 2009, mit Schiller-Blog für die schillernde Blogger“. „Fast“, murmelte ich, „fast“.
Eigentlich war das hier nur als Scherz gedacht, sollte halt in ein paar Zeilen gebloggt sein, aber weil es doch 5 DIN A4 Seiten geworden sind gibt es das hier zum downloadherunterladen. Das hat Spass gemacht, die vielen Links, die Entdeckung der books.google.de, fast hätte ich weiter gemacht und ich überlege mir das tatsächlich. Das macht mir sehr viel mehr Freude, als bedeutendes zu schreiben. Also erstmal den Krimi, der geht in die gleiche Richtung und dann vielleicht sowas. Nein, nicht so hahnebüchend. Aber so etwas wie die Story um den Dalberg....vom Kurerzbischof zu Mainz zum Großherzog von Frankfurt, das hätte was.
06.02.08
Schreibst Du?
Ich bin mal wieder gefragt worden, warum ich schreibe. Ich habe das schon lange vergessen, warum ich schreibe. Warum atme ich, warum sexe ich? So was fragen auch nur Leute im allgemeinen, die nie lesen. Warum lese ich, wenn ich doch alles schön mit Bildern im Fernsehen garniert bekomme? Ja warum wohl? Die Bilder sollen in meinem Kopf entstehen und nicht von 20 Regisseuren, Produzenten, Hilfscowboys und was weiß ich wem produziert sein. Manchmal lese ich ohne die Sachbücher 4-5 Bücher gleichzeitig. Mal da, mal dort. Ich lass mich tragen, fordern, plagen. Ich lese im Netz und auf dem Klo.
Und ich schreibe. Ja, auch Blogs.
Wenn es sein muss sogar Skripte für die Jungs im Fernsehen. Warum zum Teufel sollte ich nicht schreiben? Warum soll ich das denn begründen? Fragt jemanden irgend wen, warum er denn Auto fährt oder zum Oktoberfest geht?
Oh ja, in Frankfurt ist bald wieder Buchmesse. Da gibt es Bücher über Bücher und keiner weiß, wer die alle lesen soll. Eigentlich wollte ich nicht mehr hin, aber diese Unmenge an Büchern hat was, inspiriert. Und keiner dort wird Dich fragen : Lesen Sie? Und die Frage ob ich denn schreibe, wird nur gestellt, um zu fragen, was und wo und wie, wie oft und wie viel. Ja, ja ich weiß. Da rennen auch die Leute rum, die beständig fragen, ob dies oder jenes denn Literatur sei. Aber sie sind in der Minderheit. Das sind Leute, die zumeist ÜBER etwas schreiben und nicht schreiben. Verstehst Du? Und wenn sie mit ernster Miene sich fragen, wohin denn der Weg der Literatur ginge, dann denken sie mehr an den Gewinn dieses oder jenes Verlages oder, warum SIE kein Verlag verlegt oder sie haben die Orientierung verloren, bei den vielen Büchern und kein Retter in der Nähe, der sortiert für sie und laut sagt: "Guck da, Mädel, das ist Literatur, das ist ein gutes Buch, das darfst Du lesen".
Dann teilen die Jungs dann mit den Mädels anstatt ein anständiges Bett die Bedeutung, Teil der großen Literatur zu sein. Der Großen, keineswegs der halbseidenen. Wenn ich soweit bin in meinen Überlegungen nehm' ich immer das Ersatzbuch, das auf dem kleinen Tisch neben dem Sessel am Schreibtischstuhl liegt. Eigentlich sind es 2. Narziss und Goldmund und ein Karl May oder Kästner. Es könnte auch sein,dass ich zur Klo-Bibliothek gehe und mir einen Hägar hole. Oder einfach OpenOffice starte (mal in Linux wie jetzt, mal beim Fensterln) und einfach schreibe. Ich nehme an Du liest. Das hier zum Beispiel. Ich weiß die Pointe war voraussehbar.
Ja und, übrigens, was ich schon immer mal fragen wollte ? Schreibst Du?
*Ist schon älter, aber das wollte ich auch im diesem Blog haben.
06.05.06
Schneewittchen
Freudenberg, Drei Glocken, Beltz und Stilbruch las ich, als der Zug langsam in den Bahnhof einlief; ich hätte Elfriede mitbringen sollen. Meine Tante schwärmt für die Fensterlederclones von Vileda und wäre über eine Nudelfabrik in Entzückung verfallen, vor allem weil der Lieblingsverlag ihres verstorbenen Gatten daneben lag. Paul war Sozialpädagoge, und er hätte bestimmt gesagt: “Machen wir ein Problem daraus, und dann reden wir darüber“. Stilbrüche eben, scheinbar sind sie hier alle in einem Bistro zusammengefasst
Weiterlesen in den
Kurpfalznotizen....
18.03.06
no place like home
Claudia Reinhardt
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No Place Like Home
18,00 € (36,00 SFr)
ISBN : 3-935843-62-3
Verbrecherverlag Berlin 2005
Ein Buch hat mich angerührt. Nicht gerührt, nein. Keine Rührung. Es hat etwas angerührt. Claudia Reinhardt schreibt über ihre Kindheit, ihr langsames erwachsen werden, fotografiert die Straßen und Häuser ihrer Kindheit in der Stadt in der ich auch geboren wurde und mit Unterbrechungen noch immer lebe. Claudia ist zwölf Jahre jünger als ich und doch kenne ich auch den Mief, den sie beschreibt, das geborgen sein, das wegrennen wollen. Sie ist gegangen, ich bin geblieben. Macht in den Erinnerungen nur einen graduellen Unterschied aus, lässt wahrscheinlich die Damaligkeiten schärfer werden, nichts wird überlagert in den tausendmal begangenen Straßen und Orten.
Ich kenne die Personen, die da beschrieben werden, Claudia selbst habe ich schon getroffen, ohne sie zu kennen. Aber das sind nur zwei Augenblicke lang Verstörungen,
01.03.03
Was ist das denn, die lyrische Prosa?
Es mag am Wetter liegen, an der Konstellation des Euro zum Mars oder weil heute Morgen die Strassenbahn pünktlich war, sei es wie es sei, es hat mich gepackt. Immer wieder werde ich gefragt, was denn das sei, lyrische Prosa, steht doch auf Deiner Homepage, erklärten Sie zu Ihrem Text bei der Lesung.
Dann wünschte ich mir immer, ich wäre Shakespeare und würde Sonette schreiben. Da gibt es klare Regeln an Versmaß, Zeilenzahl, Versform, Reimarten und was weiß ich alles. Der geneigte Leser kann diese Regeln überprüfen und so feststellen, ob der Inhalt mit der Form übereinstimmt, diese Prüfung in seine Wertung übernehmen und wenn es nur unbewusst wäre. Nur widerwillig akzeptiert nun ein breites Publikum „Gedichte“ ohne solches Regelwerk. Texte, die nur einer losen inneren Struktur folgen, einem Rhythmus, den nur der Autor festzulegen scheint, wo bereits kaum noch „die Kunst“ als handwerkliches Kriterium bewertbar scheint. Dann komme ich und erzähle auch noch etwas von lyrischer Prosa, Prosagedicht oder ähnlichem. Selbst der Heilige Google findet wenig darüber, definitives. Also will ich es versuchen.
Nein, nein, ich will keinem Aristoteles, Lessing, Opitz oder Klopstock nacheifern und eine Poetik schreiben, nichts liegt mir ferner. Aber erklären sollte man seinen Text schon können, nicht müssen, bemerkte Hans-Ludwig zu Recht nach der letzte Lesung. Ich will diese Definition auch nicht für andere bindend betrachten, sondern nur „meine Form“ erläutern. Also wage ich mich „nicht-wissenschaftlich“ an die Sache, auch nicht aus der Warte des Lesers, sondern des Autors, von meiner urpersönlichen Warte aus.
Sehr oft, eigentlich fast immer, wenn ich nicht wie hier an einem „Sachthema“ arbeite oder eine größere Geschichte; gar Theater schreibe, bin ich zunächst auf der „Schreibebene“ leer. Ich bin gelaufen, habe meditiert oder mich sonst wie bereit gemacht. Ich öffne mich meinen Gefühlen und warte auf Worte. Meist kommt erst ein Wort, das ziellos durch die Gehirngänge kriecht und weitere sucht, Bilder findet, Stimmungen anstößt, Erinnerungen ruft, Assoziationen spinnt bis Satzbrocken kulminieren und der wache Verstand nun zu spielen beginnt, dort etwas hinzufügt, meistens streicht, versucht das Gefundene auf den Punkt zu bringen, zu „verdichten“ um so zu einer möglichst „gewaltigen“ Aussage zu kommen. Das nenne ich dann Lyrik, was zum Schluss auf dem Papier steht. Es gibt aber auch Tage, wo die Worte nur so prasseln, sich nicht streichen lassen, immer neue Verdichtungen sich aneinander fügen wollen, die Bilder sich wie Wolken türmen, weiterziehen um noch mehr Bildern Platz zu machen. Wenn sich die Worte wie von selbst zu kühnen Konstruktionen jagen, ja dann ist Essig mit der Kurzform, die Worte gießen sich eine eigene Form. Es ist ihnen wie immer egal, wie ich das denn verkaufen soll, spotten über die Schubladen, die wir doch so nötig brauchen, für unser armes Gehirn. Zumeist sind es Fragmente, willkürliche Abrisse aus großen Geschichten, wie unser Leben auch verläuft, die Aneinanderreihung von Abläufen, wo alles seine Zeit hat.
Also wäre die lyrische Prosa die Aneinanderreihung von Verdichtungen in vielen Bildern und „atemberaubenden“ Sätzen. Die Dichte von der Lyrik und die Form von der Prosa. Ganz gewöhnliche Sätze, hintereinander geschrieben, zumeist noch nicht einmal in Absätze gegliedert, Strophen und Zeilenlos und doch mit einem „lyrischen“ inneren Rhythmus, der sich trotz des Aufenthaltes in blitzenden Bildern dem Ende zujagt, joggt, walkt, tanzt, schleicht, ganz wie der Inhalt es will. „Die Inhalte bestimmen die Form“ und nicht umgekehrt ist das bei diesem Genre .
Es ist nicht das einzige, das ich liebe, aber ich liebe es AUCH.

