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Gebete eines Agnostikers #3 - Himmelfahrt
Wenn ich nur wüsste, was das sein soll dieser Himmel. Ein Platz ohne Sorgen? Und was mach ich ohne Sorgen den ganzen Tag? Vor mich hin leben? Ich weiß nicht, was mein Himmel wäre. Ein endloses sich dehnen? Die Kreuzung der Geraden? Ein ewiger orgastischer Höhepunkt in unaufhörlichen Spasmen? Oh nöh, doch nicht dauernd. Lyrische Eigen-Produktionen in Höchstform so ganz nebenbei, himmlische Musik der Sonderklasse dauernd? Ewiger Frühling? Der Garten Eden und das Unkraut, das Unkraut, wer rupft das? Die Freuden des urmännlichen Paradieses mit diesen ewigen Houris? Ach den ganzen Tag nur willige Houris? Oder ist man da ewiglich entrückt, entleibt, entsext, durchgeistigt? Bin ich ja gerne einmal, aber ewig? Ewig regieren die Grünen in Sanftmut, nachhaltig, ökologisch einwandfrei, in frei schwingender Genderei? Alle bloggen in literarisch-einwandfreiem Entzücken und twittern dem Höchsten ein Lied?
Ich habe Probleme mir einen Himmel vorzustellen, der aus Projektionen besteht, ein Wünsche-Reservoir und der ewigen Furcht vor Langeweile. Ich gebe es zu: Ich kann mir einen Himmel nicht vorstellen. Nicht als Ort, nicht als Zustand. Menschlich. Ich empfinde es als zutiefst menschlich mir nicht vorstellen zu können, was das denn wäre der Himmel. Der Himmel, wenn es denn einen gäbe wäre unmenschlich, nicht menschlich.
Aber ich schleiche um die Frage umher, ob es denn ein Weiterleben nach dem Tode gäbe, denn nur dazu bräuchte man einen Himmel.
Ein Wechsel in die nächste Existensebene, wie E.E. Smith in seinen Lensmen-Tiraden so schön schrieb. Ich weiß das nicht. Es ist auch nicht wichtig. Ich lebe jetzt. Ob es denn ein Leben nach dem Tode gibt, weiß ich nicht. Wenn es denn eines gäbe (und Wiedergeburten kommen mir nicht stichhaltig vor), dann wäre es ein unmenschliches Leben, von mir aus auch nicht menschlich. Ich wäre ein Unmensch ein Nichtmensch.
Dann bitte soll sich dieser neue Unmensch damit auseinander setzen und wenn es denn einen Gott gibt, dann wird derSie schon wissen, wie man so was macht einen Himmel. Und sorry, so wenig wie es das absolute Böse und Gute gibt, ich bestehe darauf, dass alles komplexer ist als grau zu weiß, mit etwas schwarz dazwischen, so wenig kann ich mir vorstellen, dass ein Gott, bitte auch gerne Götter, den/die es vielleicht gar nicht gibt, in solchen gut/böse Schubladen befangen wäre/n, also eine Hölle kann ich mir schon gar nicht vorstellen. Wenn es dann also solch einen Ort oder Zustand für die nicht-mehr-Menschen gäbe, dann wäre er nicht in Himmel-und-Hölle aufgeteilt, aber wer weiß schon wie Unmenschen, die es vielleicht gar nicht gibt, denn ticken. Aber ich gebe zu, ich bin zu menschlich, als dass mich nicht die Neugier plagte. Einmal hinfahren und gucken wäre himmlisch. Ich widerspreche mir selbst? Ja, auch das ist menschlich.
Schöne Himmelfahrt heute wünsche ich, wenn es schon einen Feiertag dazu gibt, nur für heute einmal.... Jedem seine 5 himmlischen Minuten. Es könnten auch 2 oder 235 sein. Aber ich wünsche niemandem dabei nicht menschlich oder unmenschlich zu werden, obwohl dies in den Religionskriegen, wegen des besten aller Himmel ja so üblich scheint. Man könnte ewig so weiter schreiben, aber ich warte jetzt auf meine fünf Minuten und trinke Kaffee, zum abwarten.


