Archiv für: Dezember 2009
29.12.09
Drei Könige, der Gral und der Tempel des Merkur
Eine Spurensuche, gebloggt und versiegelt! ![]()
Ich liebe die 3 Könige, bescheren sie mir doch jedes Jahr einen Feiertag. Doch, bei uns schon, ich arbeite in Baden-Württemberg. Lasset uns preisen und sternsingen. Aber dieses Jahr wollte ich schon wissen, warum man in Bayern und hier (Sachsen-Anhalt auch, ich weiß) die Feier tagt und ja, ich war auch einst ein Sternsinger. Immer der Schwarze mit dem Rauchfass. Aber wozu das alles? Hei, in Köln haben sie um die 3 Könige Caspar, Melchior und Balthasar einen Dom außen herum gebaut, macht sich gut als Kulisse für den Bahnhof und das Früh, obwohl sie in Kölle gar kein Feiertag dazu haben, alaaf.
Wenn man aber voll ins Reliquien-Recherche-Buisness einsteigt, findet man mal wieder Helena, die auch die 3 Könige fand. Immer diese Helena. Klar, die Grabkirche, das Kreuz Christi. Und ja, das Zeug liegt jetzt in Wien. Reichskleinodien. Doch. Die heilige Lanze und die Kreuzpartikel, alles HÖCHSTE Schätze des Reiches deutscher Nation. Lacht nicht. Das trugen die deutschen Kaiser, samt den österreichischen, absolute Machtpolitiker, alle. Sogar der braune Nazi-Österreicher ließ sie wieder aus Wien nach Nürnberg bringen. 1938!
Irgendwie scheint ja da doch 'was 'dran zu sein.. Helena, Mutter von Konstantin. Gründer von Konstantinopel. Römischer Kaiser, erst in Trier und dann im gesamten Weltreich. Hei, das war auch kein Waisenknabe, ein harter Krieger, erhob das Christentum fast schon zur Staatsreligion oder so und mischte gleich in den Konzilen umher.
Ja, ja diese Helena. Hei, da fällt mir ein: Trier, da war ich doch gerade. Und dort lebte diese Helena. Genau. Dort haben sie einen Dom um den heiligen Rock herum gebaut, auch von Helena gestiftet. Wie gesagt, das ist nicht irgendein bigotter Pippi-Kram. Da ging es neben dem religiösen Eifer um hohe Politik. Das ist TOPP. Da hängt sogar die UNESCO mit drin. Alles kulturelles Welterbe!
"Du solltest über den Gral schreiben." Fast wäre das Laptop umgefallen. Ich saß in der wlan-Kneipe in Ladenburgs Altstadt und googelte das Siehe-Oben vor mich hin, als mich eine Frau von hinten ansprach. "Nochmal über den Gral, das von letztem Jahr war ja nicht so der Hit". Ich konnte immer noch nichts sagen, so etwas war mir noch nie passiert. "Hei, guck nicht so, ich lese Dein Blog, das Blog, ich weiß und hätte ich kommentiert, dann wären wir auch per Du". Was es nicht alles gab, Blog-Fans in offener Wildbahn. Verstörend allerdings war die Tatsache, dass es eine Dame mit Palästinenser-Tuch um den Kopf war und dem Aussehen nach eine Frau vom Mare Nostrum. Ein Namensschild verriet, dass es sich um eine Stadtführerin namens H. Caspar-Melchior handelte. Fast hätte ich gelacht, fast.."Das ist natürlich ein Pseudonym", sagte sie auf das Schild äugend, „Fast.. Aber ich erzähle Dir die Story, willst Du mitbloggen?“ Ein Nicken verließ meinen Hals. Kein Ton fand die Kehle.
Und ich schrieb mit:
Natürlich hat Helena all diese Dinge nicht gefunden. Selbstverständlich nicht. Dafür hatten solche Leute schon immer ihre Leute, egal ob Sklaven oder andere mehr oder weniger fest Angestellte. Man ließ buddeln und finden. Es waren die kleinen Leute, wie immer und die kleinen Leute verraten den großen Leuten nicht alles, nicht immer alles. So auch hier. Helena hatte unter ihrem Gevolke auch eine kleine Frisösin, die in den Hauptgrabungsleiter verschossen war und ihm überallhin nachfolgte. Und als ihr Angehimmelter das Grab fand, es spielt gar keine Rolle, ob das echt war, da fand SIE einen vergammelten Becher. Einen Tonbecher. "Das Trinkgefäß vom letzten Abendmahl", feixte einer der Buddler. Frisösen galten schon in der Antike als nicht allzu helle, sehr zu Unrecht. "Vom letzten Abendmahl", hauchte sie, "der Gral" und nahm ihn mit. Interessierte ja niemand. Jeder wusste, damals schon dass Joshua, Jesus
24.12.09
Die Geschichte von einem Christkind, St. Martin, Nikolaus und der Liebe.

St. Martin saß glasigen Auges in dieser Pinte kurz vor 5 Uhr morgens, sein letztes, schales Bier stand nur halb ausgetrunken vor ihm. Eher belustigt denn schockiert sah er zu, wie der Nikolaus herzallerliebst das Christkind abknutschte, mit den Händen überall, außer in seinem Sack. Seit 2 Stunden saßen sie jetzt hier, völlig abgekämpft von der schweren Arbeit als Heilige, Gutmenschvorbild und Xmess-Stresser. Nach dem Ende des eigentlichen Adventsgeschäftes war es besonders schlimm. Die trüben Dezembertage vergehen kaum, nach dieser völlig bescheuerten Zeitumstellung, wenn die Abenddunkelheit das Gemüt wie ein Virenhaufen befällt und der zweite Feiertag, samt anschließendem Urlaub noch so Fern ist. Da tat es gut, wenigstens gemeinsam abzuhängen. Seit Jahrhunderten gönnte er sich diesen Luxus, im letzten Quartal, zusammen mit Nikolaus, diesem Schwerenöter, der immer hübschere Dinger zu seinen Christkindchen machte. Seit ungefähr 120 Jahren ging er ihnen auch an die Wäsche, vor 40 Jahren wollte er sogar heiraten, aber der Alte ließ es nicht zu, sein Zölibat gelte auch als Heiliger weiter, na ja, man weiß ja, was dann kommt.
St. Martin als ehemaliger Bischofskollege von Niki wusste, wovon er sprach. Er hatte diese Saison mit einer Verkäuferin für Laternen angebandelt, was ihn immer noch ein Grinsen abrang, wusste sie doch nichts von seiner Identität, er freute sich sehr auf den heutigen freien Abend, den er in ihrem Bett zu verbringen gedachte.
Er tatschte Nikolaus auf die Schulter und dem Christkind auf den Hintern : "Auf lasst uns gehen, die Haia ruft". Das Christkind zog den weißen Bart von Nikolaus aus seinem Dekolleté, gähnte herzhaft und murrte: "Das sach ich schon seit einer Stunde, komm Alter, nach dem Gefummel brauch ich das jetzt oder mindestens ein Bett unter dem Hintern". Es kreischte gackernd auf, als auch Nikolaus ihrem Hintern Respekt zollte und sich ächzend erhob, die Last der 1700 Jahre in den Knochen. "Also denn,in einem Jahr, in alter Frische, dann geht der Scheiß wieder von vorne los".
Das Christkind bekam große Augen und sprach: "Nein, heute lieben wir uns, wir zwei und Martin Christiane auch, den lieben langen Tag, samt der heiligen Nacht ". Der Nikolaus vergaß weiter zu grinsen und bekam Augen, wie vor 1800 Jahren, in Erstaunen aufgerissen und hörte weiter zu. " Diese Liebe geben wir dann weiter, feucht, heiß, urmenschlich und deshalb göttlich, endlich mal göttlich und alle geschlechtsreifen Menschen werden sich lieben wie wir , in dieser heiligen Nacht". Martin wollte laut lachen, bis ihm das Bild immer mehr gefiel und er ihm verfiel.
Nikolaus dachte nur kurz an den Chef und dann an die kommende Nacht. Und die vielen Menschen, die sich lieben würden. Es würde ein schöner heiliger Abend sein, der beste, seit 1000 Jahren. Er betrachtete voller Achtung dieses Christkind 2009 und bestellte zum Abschluss noch eine Runde roten Secco aus Lützelsachsen. Stumm stießen sie an und wussten, dass die restlichen Jahre hier vergnüglicher sein würden. St. Martin hatte den Verdacht, dass der Alte sehr wohl Bescheid wüsste, wenn er sich so das Christkind ansah. Und prompt zwinkerte es ihm zu und sang ganz leise "Halleluja alle Welt , liebt euch ihr Christen aller Orten, Gloria in exelcis..."
Josef, dem Wirt vom Beichtstuhl wars auch so recht, der Umsatz würde auch mit Secco stimmen und er betrachtete zum ersten mal seine schon ältere Nacht-Bedienung mit neuen Augen und freute sich auf morgen, auch wenn er weder an das Christkind samt den anderen zwei glaubte. Maria schaute ihm mit Augen, die schon so manche Auferstehung sahen, in die seinen, bis alles weihnachtlich erstrahlte.
14.12.09
Rüssel so blau, Einhardt, mein Einhorn
Mein Einhorn hat einen blauen Rüssel. Ich weiß es gibt keine Einhörner, schon gar nicht mit blauen Rüsseln. Ich weiß, das klingt alles zu sehr nach Boulevard, nach Lügenzeitung. Dennoch hat mein Einhorn einen blauen Rüssel. Es ist ein schöner Rüssel, faltenfrei und in reinstem kobaltblau gewachsen. Wenn das Einhorn... Nein, es ist schon lange nicht mehr das Einhorn für mich. Einhardt. Mein Einhorn heißt Einhardt und ist ein Zwitter. Wenn Einhardt also seinihren Rüssel, nein, nicht das eine primäre Geschlechtsmerkmal ist damit gemeint, obwohl auch dieses allerliebst gewachsen ist, wenn auch nicht blau, sondern pink, wenn Reinhardt also seinihren Rüssel schwingt, dann bebt am grauen Himmel der Sommer, selbst bei tiefstem Frost. Die Wolken gebären lächelnde Nebel, die nur noch ganz wenig ätzen, sauer wie wir sie schufen.
Die Schar beiger Mäuse, die Einhardt immer folgte, geriet dann in Verzückung und sie priesen ihren FrauHerrn. „Gelobt sei der Rüssel im Gender“, psalmodierten sie und Einhardt verdrehte dann die Augen, es störte ihnsie sehr, gottähnlich besungen zu werden, aber ersie liebte nicht nur mich sondern auch beige Mäuse, eigentlich alles Getier und so ertrug ersie das Gepreise. Reinhardt glaubte nicht an Gott, auch nicht an Götter. Wie sollte ersie auch. Kann man sich ein religiöses Einhorn vorstellen? Absurd die Vorstellung, wenn nicht alle Religion absurd wäre, betrachtet man sie nur von außen. Trotzdem ist das psalmodiernde Mäuse-Gloria allerliebst anzuhören, man muss genau hinhören, schwingt doch Einhardt seine Rüssel nur in der Nähe tosender Autobahnen, ersie erwartet immer die Ankunft. Nein, nicht den Advent, ersie ist nicht religiös, nicht wahr.
Er wartet auf sein Pendant, wie heißen zwittrige Geliebter? Es sollte ihm an DIESER Autobahn begegnen. Einhardt wusste nicht so ganz genau, ob sein Pendant denn auch zwittrig wäre, aber er war ja flexibel, auf alles eingestellt, wie sollte man das als Zwitter anders sein, ersie kannte noch nicht einmal eine Farbe, noch ob da ein Rüssel auf sieihn warten würde. Aber wie seinihre Menschenschesternbrüder wartete ersie jetzt schon so lange, dass er fast vergessen hatte warum und wozu. Das Warten an sich war der Zweck, nein nicht der Weg. Kein Ziel, nein, Einhardt war InDichter, seit wann ist Dichtung gezielt? So schön der Rüssel, so blau.. Ersie liebt mich, wie auch die beigen Mäuse und alles Getier. Ich streichle zärtlich seinen Rüssel und warte mit ihmihr. Nur den Rüssel, so blau, nur den. Wir träumen und warten..
Nein, ich heiße nicht Gordot, ach wie gut das niemand irgendetwas weiß. Wir warten auf die Ankunft, nein es ist nicht Advent. Rüssel so blau, in der Sonne der Nebel.

